ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2015Börsebius: König Verbraucher

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Börsebius: König Verbraucher

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Jahrelang haben Verbraucher in Gelddingen vor Gericht oftmals wenig Erfolg gehabt. Zu komplex die Sachverhalte, zu clever die Armada der Bankanwälte. Das hat sich offensichtlich grundlegend geändert. Noch vor dem Jahreswechsel habe ich an dieser Stelle über unzulässige Bearbeitungsgebühren bei Krediten geschrieben (DÄ, Heft 51–52/2014), die das höchste deutsche Gericht den Geldinstituten um die Ohren schlug.

Das ist aber noch längst nicht alles. Dank fehlerhafter Widerrufsbelehrungen bei privaten Baufinanzierungsdarlehen könnte auf die Banken eine Klagewelle zurollen, die sich ziemlich gewaschen hat. Schätzungen von Experten gehen davon aus, dass nahezu drei Viertel dieser Widerrufsklauseln falsch sind und damit wackeln Millionen von Darlehensverträgen.

Warum das so ist, hängt damit zusammen, dass ein Kunde, der in einem Darlehensvertrag falsch über seine Widerrufsmöglichkeiten informiert wurde, diesen Vertrag nachträglich kündigen kann. Dieses Recht kann er jederzeit ausüben, eine etwaige zweiwöchige Widerrufsfrist (auf die sich manche Banken gerne berufen) ist schlichtweg Quatsch.

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Die Frage ist ja bloß, ob ein Widerruf dem Verbraucher etwas bringt. Die Antwort ist einfach: Ja und wie! Je länger der Darlehensvertrag zurückliegt, desto hochverzinslicher ist der Altvertrag und umso gewaltiger die gesparte (rückholbare) Summe für den Fall eines Widerrufs. Es ist ja unmittelbar einleuchtend, dass eine Umschuldung dank der aktuellen Zinsflaute für den Verbraucher ein Segen allererster Güte sein muss.

Der anfechtungswillige Bankkunde darf sich aber nicht darauf verlassen, mit seinem Ansinnen auf gesteigertes Wohlwollen seiner Bank zu stoßen, wie denn auch. Er sollte vielmehr mit schroffer Ablehnung rechnen, sich aber davon nicht beirren lassen. Zu viel steht auf dem Spiel. Rien ne va plus. Zumindest für die Banken.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Nicht wie an jedem 1. Samstag des Monats, sondern erst am 14. Februar 2015 können Sie in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenfreie Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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