ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2015Besser Risikobewertung für Einzelsubstanzen
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Die Kollegen Weber und Anlauf führen Substanzen mit blutdrucksteigernder Wirkung auf, die differenzialdiagnostisch zu berücksichtigen sind (Kasten, S. 427).

Im Bereich der Psychopharmaka ist jedoch die Verknüpfung ganzer Substanzgruppen wie Neuroleptika, MAO-Hemmer und trizyklische Antidepressiva mit einer arteriellen Hypertonie in der vorgelegten Form nicht zutreffend.

Neuroleptika (oder Antipsychotika) sind im Gegensatz zur Darstellung eher mit orthostatischer Dysregulation und Hypotonie assoziiert (zum Beispiel Quetiapin, Risperidon, Clozapin), vor allem bei der Neueinstellung; dabei spielen insbesondere alpha1-antagonistische Effekte eine Rolle. Auch MAO-Hemmer haben überwiegend blutdrucksenkende Effekte; nur bei Missachtung der Diätvorschriften (tyraminarme Kost) kommt es zu hypertensiven Krisen, wobei das Risiko der Blutdrucksteigerung bei dem irreversiblen, unselektiven MAO-Hemmer Tranylcypromin viel größer als etwa bei Moclobemid oder Rasagilin ist. Ebenso kommt es bei trizyklischen Antidepressiva eher zu einer arteriellen Hypotonie, nur in Ausnahmefällen zu einer Hypertonie (zum Beispiel unter Desipramin).

In der Auflistung fehlen einige heute häufig eingesetzte Psychopharmaka mit oft deutlich blutdrucksteigernden Effekten. Zu nennen sind hier Antidepressiva mit noradrenerger Wirkkomponente wie Venlafaxin (1), Duloxetin (2), Bupropion (3), Reboxetin (bis 2011 erstattungsfähig über die GKV) und (Levo-)Milnacipran, ferner verordnungsfähige Stimulanzien wie Modafinil/Adranafil, Atomoxetin und (Lis-)Dexamfetamin.

Insgesamt würden wir es bei Psychopharmaka vorziehen, die Risikobewertung bezüglich blutdrucksteigernder Effekte für Einzelsubstanzen statt Substanzgruppen vorzunehmen.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0120a

Prof. Dr. med. Roland W. Freudenmann

Dr. med. Ninja Freudenmann

Dr. med. Bartosz Zurowski

Prof. Dr. med. Carlos Schönfeldt-Lecuona

Prof. Dr. med. Bernhard J. Connemann

Dr. med. Maximilian Gahr

für die Autoren:

Prof. Dr. med. Roland Freudenmann

Universitätsklinikum Ulm, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III,
roland.freudenmann@uni-ulm.de

Interessenkonflikt

Prof. Connemann erhielt Erstattung von Teilnahmegebühren für Kongresse von Pfizer und Astra Zeneca. Reise- und Übernachtungskosten wurden ihm erstattet von Synthelabo, Astra Zeneca und Pfizer. Für ein vom ihm initiiertes Forschungsvorhaben erhielt er Unterstützung von Janssen-Cilag, Altana Pharma und Novartis.

Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Diaper A, Rich AS, Wilson SJ, et al.: Changes in cardiovascular function after venlafaxine but not pregabalin in healthy volunteers: a double-blind, placebo-controlled study of orthostatic challenge, blood pressure and heart rate. Human Psychopharmacology 2013. doi: 10.1002/hup.2346. [Epub ahead of print] CrossRef
2.
Pigott TA, Prakash A, Arnold LM, Aaronson ST, Mallinckrodt CH, Wohlreich MM: Duloxetine versus escitalopram and placebo: an 8-month, double-blind trial in patients with major depressive disorder. Current medical research and opinion 2007; 23: 1303–18. CrossRef MEDLINE
3.
Wilens TE, Hammerness PG, Biederman J, et al.: Blood pressure changes associated with medication treatment of adults with attention-deficit/hyperactivity disorder. The Journal of clinical psychiatry 2005; 66: 253–9. CrossRef MEDLINE
4.
Weber F, Anlauf M: Treatment resistant hypertension—investigation and conservative management. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 425–31. VOLLTEXT
1.Diaper A, Rich AS, Wilson SJ, et al.: Changes in cardiovascular function after venlafaxine but not pregabalin in healthy volunteers: a double-blind, placebo-controlled study of orthostatic challenge, blood pressure and heart rate. Human Psychopharmacology 2013. doi: 10.1002/hup.2346. [Epub ahead of print] CrossRef
2.Pigott TA, Prakash A, Arnold LM, Aaronson ST, Mallinckrodt CH, Wohlreich MM: Duloxetine versus escitalopram and placebo: an 8-month, double-blind trial in patients with major depressive disorder. Current medical research and opinion 2007; 23: 1303–18. CrossRef MEDLINE
3. Wilens TE, Hammerness PG, Biederman J, et al.: Blood pressure changes associated with medication treatment of adults with attention-deficit/hyperactivity disorder. The Journal of clinical psychiatry 2005; 66: 253–9. CrossRef MEDLINE
4.Weber F, Anlauf M: Treatment resistant hypertension—investigation and conservative management. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 425–31. VOLLTEXT

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