ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2015Versorgung psychisch Kranker: Zeitnahe Sprechstunde

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Versorgung psychisch Kranker: Zeitnahe Sprechstunde

Bühring, Petra

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Die ambulante Versorgung psychisch Kranker muss verbessert werden, darin sind sich Politik und Selbstverwaltung einig. Denn seit Jahren steigt die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage und die der Frühverrentungen. Gleichzeitig erhält nach Angaben der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) aber nur jeder fünfte psychisch kranke Mensch eine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Eine Rolle spielt dabei auch der schwierige Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung. Acht bis 19 Wochen, je nach Region, muss ein Hilfesuchender auf ein Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten warten, fand die BPtK-Wartezeitenstudie bereits 2011 heraus. Diese Zeit muss auch ein Hausarzt warten, bevor er bei einem Verdacht eine diagnostische Abklärung für seinen Patienten bekommt.

Die Reformkonzepte, die bislang entwickelt wurden, also das Positionspapier des GKV-Spitzenverbands Ende 2013 und auch das aktuelle Konzept der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) fokussieren deshalb auf eine zeitnahe Orientierung und Beratung des Patienten beziehungsweise auf eine frühzeitige diagnostische Abklärung – möglichst innerhalb von 14 Tagen. In dem Konzept des GKV-Spitzenverbands ist dazu eine verpflichtende Sprechstunde beim Psychotherapeuten vorgesehen. Das KBV-Konzept (siehe Seite 55) sieht diese erste Sprechstunde sowohl bei den Hausärzten, bei allen Fachärzten der „Psych“-Fächer als auch bei den Psychotherapeuten angesiedelt, die alle beurteilen könnten, welche Versorgungsebene für den Patienten am besten geeignet ist, oder ob möglicherweise auch eine Selbsthilfegruppe ausreicht. Die Kooperation all dieser Berufsgruppen steht hier im Vordergrund: Braucht der Patient Behandlung, nimmt ihn ein Koordinator aus dem regionalen Netzwerk an die Hand und spricht sich mit den Kollegen ab. Koordinator ist entweder ein Facharzt oder ein Psychotherapeut, je nach Schwere und Ausprägung der Diagnose.

Neu an dem Konzept wird sein, dass Psychotherapeuten Zeiten für Sprechstunden einrichten müssen – dies erachtet auch die BPtK für notwendig. Auch neu und sehr begrüßenswert ist, dass die ärztlichen Berufsverbände, die an dem KBV-Konzept mitgearbeitet haben, Psychotherapeuten die Fallkoordination zugestanden haben, ohne auf eine ärztliche Behandlungshoheit zu pochen. Beteiligte der Arbeitsgruppe zu dem Konzept lobten gegenüber PP ausdrücklich die kons-truktive und zielgerichtete Zusammenarbeit ohne Standesdünkel. Bereits bei der großen Demonstration für bessere Honorare in der Psychotherapie im vergangenen September in Berlin hatten sich die Berufsverbände der Psychiater mit den Psychotherapeuten solidarisiert.

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Auch das IGES-Institut in Berlin hat sich in einer kleinen Studie mit der ambulanten Versorgung psychischer Erkrankungen befasst. Ausgewertet wurden Gespräche mit Experten von relevanten Berufsverbänden, der KBV und den Krankenkassen. Deutlich wurde hier, dass niemand eine externe Beratungs- oder Koordinierungsstelle für die erste Orientierung als sinnvoll erachtet. Denn auch die war einmal in der Diskussion. Und ebenfalls ganz wichtig: Nach einhelliger Meinung soll ein Zugangskonzept nicht der Rationierung der Kapazitäten dienen, sondern der bedarfsgerechten Auslastung der vorhandenen Kapazitäten.

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Avatar #621410
jsbielicki
am Freitag, 13. Februar 2015, 18:39

In meiner Praxis gibt es keine Wartezeiten

In meiner Praxis gibt es keine Wartezeiten,
was an der optimalen Praxisorganisation liegt.
Es hat sich bisher jedoch trotz meiner Angebote
noch niemand dafür interessiert,
wie man eine psychotherapeutische Praxis führt,
damit es keine Wartezeiten gibt.

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