ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2015Psychische Störung: Alte Hüte
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Der Autor der Glosse sollte die knappe Zeit, die ihm verbleibt, für Fortbildung nutzen, anstatt sie für das Schreiben einer „Glosse“ zu vergeuden, in der alte Hüte so drapiert werden, als wären sie von heute. In Sigmund Freuds Arbeit „Trauer und Melancholie“, erschienen vor hundert Jahren, wird der Begriff „Trauerarbeit“ im heute gebräuchlichen Sinn erstmals definiert – und es wird erläutert, warum Trauer und Melancholie (Depression) nicht dasselbe sind, auch wenn die Symptome (affektiven Zustände) einander gleichen. Mit einem Wort: Bereits Freud hat auf den Unterschied zwischen normaler und pathologischer Trauer hingewiesen und konnte deshalb auch erklären, warum für erstere ein herkömmlicher Seelsorger ausreicht, während für letztere ein psychotherapeutischer Fachmann vonnöten ist. Und der sollte sein Wissen in einer gediegenen Ausbildung erworben, anstatt es aus zweiter Hand – etwa der Rede des Präsidenten der Bundestherapeutenkammer – bezogen zu haben.

Dr. Bernd Nitzschke, Psychologischer Psychotherapeut, 40210 Düsseldorf

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