ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2015Psychotherapie: Effizient auch bei älteren Menschen

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Psychotherapie: Effizient auch bei älteren Menschen

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Ein Viertel der älteren Bevölkerung leidet an einer psychischen Erkrankung. Dennoch befindet sich nur eine Minderheit der Erkrankten in psychotherapeutischer Behandlung. Defizitorientierte Theorien und Berührungsängste von Beratern und Therapeuten mögen ein Grund dafür sein. Ein weiterer Grund ist, dass Ältere ihre Probleme zumeist auf körperliche Ursachen zurückführen und sich vor Stigmatisierung fürchten. Darüber hinaus wird immer noch die Meinung vertreten, dass Psychotherapie bei Älteren nicht wirksam sei. Ärzte und Psychotherapeuten um Dagmar Koethe von der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim widersprechen dem: Sie halten Psychotherapien mit Älteren für effizient, insbesondere wenn einige Besonderheiten beachtet werden. Allgemeine Voraussetzungen sind unter anderem ein langsameres Vorgehen, gegebenenfalls kürzere Therapieeinheiten und unkonventionelle Settings, die Nutzung von Ressourcen und Kompetenzen, die Verwendung von Gedächtnishilfen sowie die Zusammenarbeit mit Ärzten, Pflegern und Angehörigen. „Multimodale Instruktionen und Interventionen sind ebenso wichtig wie eine klare, laute Sprache und viel Geduld“, meinen die Autoren. Darüber hinaus müssen spezifische Ängste und Traumata von Älteren berücksichtigt werden, etwa die Angst vor dem Fallen oder Kriegstraumata. Demenz stellt keinen Hinderungsgrund dar und sollte beispielsweise auf Krankheitsbewältigung, Erhalt von Alltagskompetenz und Reduktion depressiver Symptome ausgerichtet sein. Zu den spezifischen Methoden, die in der Psychotherapie mit älteren Patienten zum Einsatz kommen können, zählen unter anderem Verfahren, die die psychischen Anpassungsprozesse erleichtern, sowie Lebensrückblickinterventionen, die zeitgeschichtliche Hintergründe einbeziehen, eine nachträgliche Sinngebung negativer Erlebnisse ermöglichen und zu einer ausgewogenen Lebensbilanz positiver und negativer Erinnerungen führen. ms

Koethe D, Mattern M, Herpertz S: Psychotherapeutische Arbeit mit älteren Patienten. Nervenarzt 2014; 85(11): 1345–51.

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