ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2015Schweres Asthma bronchiale: Mepolizumab könnte sich für eine Subgruppe eignen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schweres Asthma bronchiale: Mepolizumab könnte sich für eine Subgruppe eignen

Eckert, Nadine

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Bei den meisten Patienten mit Asthma bronchiale lässt sich die Erkrankung durch eine Kombination aus inhalativen Kortikosteroiden (ICS) und langwirksamen Beta-Mimetika (LABA) kontrollieren. Ein kleiner Teil der Patienten weist aber dennoch weiter Asthmasymptome auf. Sie müssen regelmäßig orale Glucocorticoide einnehmen, deren dauerhafter Einsatz mit schweren Nebenwirkungen assoziiert ist. Zwei neue Arbeiten zeigen, dass diese Patienten von dem monoklonalen Antikörper Mepolizumab profitieren. Er inaktiviert Interleukin-5, ein Zytokin, das eosinophile Granulozyten in das bronchopulmonale Kompartment lockt und dort aktiviert. In einer Studie erhielten 576 Patienten mit unkontrolliertem Asthma und Hinweisen auf eine eosinophile Inflammation entweder 75 mg Mepolizumab i. v., 100 mg Mepolizumab s. c. oder Placebo (alle 4 Wochen, 32 Wochen lang) (1). Im Vergleich zu Placebo sank die Exazerbationsrate unter Mepolizumab i. v. um 47 % (95-%-Konfidenzintervall [KI]: 29–61) und unter Mepolizumab s. c. um 53 % (95-%-KI: 37–65) (p < 0,001 für beide). In Woche 32 war die Einsekundenkapazität (forciertes expiratorisches Volumen, FEV1) im Vergleich zu Placebo unter Mepolizumab i. v. um 100 mL (p = 0,02) und unter Mepolizumab s. c. um 98 mL (p = 0,03) angestiegen. In einer weiteren Studie mit 135 Patienten wurde untersucht, ob sich durch die Gabe von Mepolizumab orale Glucocorticoide einsparen lassen (2). Verglichen wurden 100 mg Mepolizumab s. c. (alle 4 Wochen, 20 Wochen lang) mit Placebo. Bei den mit Mepolizumab behandelten Patienten konnte die Glukokortikoiddosis 2,39-mal häufiger reduziert werden als in der Placebogruppe (95-%-KI: 1,25–4,56; p = 0,008) – im Median um 50 %. In der Placebogruppe war keine Dosisreduktion möglich (p = 0,007). Trotz verringerter Glukokortikoiddosis hatten Patienten unter Mepolizumab eine im Vergleich zu Placebo um 32 % reduzierte jährliche Exazerbationsrate (1,44 vs. 2,12; p = 0,04).

Asthmaexazerbationsrate bei Patienten mit täglicher Glukokortikoidanwendung plus Mepolizumab oder Placebo
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Asthmaexazerbationsrate bei Patienten mit täglicher Glukokortikoidanwendung plus Mepolizumab oder Placebo

Fazit: „Mepolizumab ist ein therapeutischer Fortschritt, jedoch nur bei Patienten mit schwerem eosinophilen Asthma, bei denen einfachere und kostengünstigere Therapiemaßnahmen versagen“, kommentiert Prof. Dr. med. Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover. „Dies betrifft nur einen Teil der schweren Asthmatiker, insgesamt weniger als 1 % aller Asthmatiker“, erläutert Welte. „Monoklonale Antikörper verändern die Asthmatherapie radikal. Künftig wird eine hohe Expertise im Umgang mit Asthma nötig sein, um die richtige Therapie für den jeweiligen Patienten auszuwählen und einen Falscheinsatz dieser teuren Medikamente zu vermeiden.“ Nadine Eckert

  1. Ortega HG, et al.: Mepolizumab treatment in patients with severe eosinophilic asthma. N Engl J Med 2014; 371: 1198–207.
  2. Bel EH, et al.: Oral glucocorticoid-sparing effect of mepolizumab in eosinophilic asthma. N Engl J Med 2014; 371: 1189–97.
Asthmaexazerbationsrate bei Patienten mit täglicher Glukokortikoidanwendung plus Mepolizumab oder Placebo
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Asthmaexazerbationsrate bei Patienten mit täglicher Glukokortikoidanwendung plus Mepolizumab oder Placebo

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