ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2015Diabetesmanagement: Ein Mal pro Woche ist genug

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Diabetesmanagement: Ein Mal pro Woche ist genug

Reisdorf, Simone

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Der GLP-1-Rezeptor-Agonist Dulaglutid hat eine Halbwertzeit von vier bis fünf Tagen. Damit muss er nur einmal wöchentlich appliziert werden, was die Behandlung für Diabetespatienten erheblich vereinfacht.

Zur Verbesserung der glykämischen Kontrolle von Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes wurde im November 2014 Dulaglutid zugelassen. Der neue GLP-1-Rezeptor-Agonist hat eine Halbwertzeit von vier bis fünf Tagen und muss deshalb nur einmal wöchentlich subkutan verabreicht werden.

Dulaglutid (Trulicity®) ist ein rekombinantes GLP-1-Fc-Fusionsprotein und wirkt als GLP-1-Rezeptor-Agonist bei Einmalgabe eine ganze Woche. Es wurde als Kombinationspartner für andere Antidiabetika einschließlich Insulin zugelassen, wobei eine Dulaglutiddosis von 1,5 mg einmal wöchentlich empfohlen wird. Bei Patienten ab 75 Jahren kann die Gabe von nur 0,75 mg in Betracht gezogen werden. Zudem kann Dulaglutid bei Patienten mit Metformin-Unverträglichkeit als alleinige Therapie angewendet werden. Hier werden regulär 0,75 mg einmal wöchentlich empfohlen.

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Prof. Dr. med. Michael Nauck, Diabetologe aus Bad Lauterberg, nannte bei einem von Lilly unterstützten Pressegespräch im Rahmen der Deutschen-Diabetes-Gesellschaft-Herbsttagung einige Vorteile des neuen Präparats: „Die lange Halbwertzeit erlaubt eine bequeme, nur einmal wöchentliche Injektion – immer am gleichen Tag, etwa vor einer Lieblingsfernsehsendung. Die Anwendung ist unabhängig von der Tageszeit oder von Mahlzeiten, Bewegung und dem aktuellen Blutzuckerwert möglich.“ Zudem sei der Anteil der renalen Eliminierung minimal, und die Grundstruktur des Moleküls auf Basis von IgG4 sorge für eine geringe Immunogenität.

Dulaglutid wird als gebrauchsfertige Lösung in einem Einmal-Pen mit 0,75 mg oder 1,5 mg Substanzmenge angeboten. Das Medikament wird auf Knopfdruck freigesetzt; die Nadel ist im Pen verborgen und damit für den Patienten weitgehend unsichtbar. „Das ist hilfreich für Patienten, die zwar keine ausgeprägte Nadelphobie haben, einer injizierbaren Therapie aber trotzdem zunächst skeptisch gegenüberstehen“, betonte die Psychologin Susan Clever aus Hamburg. Prof. Dr. med. Baptist Gallwitz, Diabetologe aus Tübingen, ergänzte: „In einer Studie zur Benutzerfreundlichkeit fanden 99,1 Prozent der befragten Patienten die Anwendung des Pens einfach, und 96,7 Prozent wollten ihn behalten.“

Dulaglutid in fünf Studien bei HbA1c-Reduktion überlegen

Gallwitz präsentierte die Daten der zulassungsrelevanten Phase-III-Studien AWARD-1 bis -6. In Bezug auf den primären Endpunkt, die HbA1c-Reduktion, war Dulaglutid 1,5 mg in fünf der sechs Studien der jeweiligen aktiven Vergleichssubstanz überlegen und in einer Studie gleichwertig. Und Dulaglutid 0,75 mg zeigte Überlegenheit in vier Studien und Nichtunterlegenheit in einer weiteren.

So wurden in AWARD-2 Dulaglutid und Insulin glargin miteinander verglichen, Hintergrundtherapie waren Metformin und Glimepirid. Der HbA1c-Wert sank unter Dulaglutid 1,5 mg versus Insulin glargin in 52 Wochen um 1,1 Prozent versus 0,6 Prozent. In AWARD-5 wurden die Patienten mit Dulaglutid versus Sitagliptin behandelt, zusätzlich zu Metformin. Hier wurde der HbA1c-Wert in 52 Wochen unter Dulaglutid 1,5 mg versus Sitagliptin um 1,1 Prozent versus 0,4 Prozent reduziert.

Auch im Vergleich mit anderen GLP-1-Rezeptor-Agonisten schnitt die neue Substanz gut ab: Dulaglutid 1,5 mg senkte versus zweimal täglich Exenatide in AWARD-1 innerhalb von 26 Wochen den HbA1c-Wert um 1,5 Prozent versus 1,0 Prozent. In AWARD-6 verringerten Dulaglutid 1,5 mg versus Liraglutid 1,8 mg den HbA1c-Wert in 26 Wochen um durchschnittlich 1,42 Prozent versus 1,36 Prozent; hier zeigte sich Dulaglutid 1,5 mg gegenüber dem Komparator nicht-unterlegen. In beiden Gruppen erreichten 68 Prozent der Patienten ihren HbA1c-Zielwert. Gastrointestinale Ereignisse kamen mit 36 Prozent in beiden Gruppen gleich häufig vor; symptomatische Hypoglykämien wurden unter Dulaglutid etwas seltener beobachtet mit 0,1 versus 0,3 pro Patient und Jahr.

„Bei unzureichender Blutzuckerkontrolle sind 62 Prozent der Patienten motiviert, die Therapie zu wechseln. 63 Prozent fragen nach neuen Optionen“, sagte Nauck. Ein Einstieg in die GLP-1-Therapie mit nur ein Mal wöchentlicher Gabe von Dulaglutid könne Patienten mit unzureichender Blutzuckerkontrolle helfen, ihre Glukosewerte in den Griff zu bekommen.

Simone Reisdorf

Quelle: Pressekonferenz „Eine neue Option für den Einstieg in die GLP-1-Therapie“, in Leipzig, im Rahmen der DDG-Herbsttagung, Veranstalter: Lilly

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