ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2015Perinatalmedizin: Vorsicht vor falschen Anreizen
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In dem Artikel von Rossi et al. werden OECD und EuroPeriStat Ergebnisdaten zur perinatologischen Versorgung von Mutter und Kind von Deutschland einmal mehr den vermeintlich besseren Ergebnissen in den nordeuropäischen Ländern – vornehmlich Schweden und Finnland – gegenübergestellt und daraus weitreichende Schlussfolgerungen für die künftige gesundheitspolitische Strukturplanung in Deutschland gezogen. Wie in dem dazu veröffentlichten Interview von Sinnecker bereits dargestellt, bestätigt auch eine Erhebung von Mohangoo et al., dass aufgrund differierender Kriterien bei der Registrierung von tot- und lebendgeborenen Frühgeborenen Unterschiede zwischen verschiedenen europäischen Ländern bei der Frühgeborenensterblichkeit nur mit deutlichen Einschränkungen zu interpretieren sind. Die Säuglingssterblichkeit ist nicht geeignet, die Ergebnisqualität bei der Frühgeborenenversorgung verschiedener Länder vergleichend zu prüfen. Hier fand sich keine Korrelation in zehn europäischen Regionen, die niedrigste Sterblichkeitsrate der Frühgeborenen fand sich dabei in Deutschland (MOSAIC Studie, Draper 2009). So erlaubt auch die in Ost-Deutschland höhere Säuglingssterblichkeit im Vergleich zu Westdeutschland keine Rückschlüsse auf die Ergebnisqualität der Frühgeborenenversorgung. Bei der gesundheitspolitischen Strukturplanung ist es wichtig, die Ergebnisqualität als Steuerungsinstrument zu benutzen und nicht die Fallzahl, weil diese mit der Ergebnisqualität nicht kausal verknüpft ist (Rogowski 2004) und falsche Anreize bietet.

Literatur bei den Verfassern

Prof. Dr. med. Andreas Trotter, Klinik für Kinder- und
Jugendliche, Hegau-Bodensee-Klinikum Singen,
78224 Singen

Prof. Dr. med. Frank Pohlandt, Universitätskinderklinik Ulm, 89075 Ulm

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