ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2015Gesundheitstelematik: „eArztbrief“ im breiten Feldtest

POLITIK

Gesundheitstelematik: „eArztbrief“ im breiten Feldtest

Dtsch Arztebl 2015; 112(7): A-262 / B-227 / C-223

Krüger-Brand, Heike E.

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Die im geplanten E-Health-Gesetz vorgesehene Förderung elektronischer Arztbriefe könnte der Digitalisierung im Gesundheitswesen Schwung verleihen.

Foto: Foloia/vege
Foto: Foloia/vege

Gerade mal vier Wochen ist der Referentenentwurf für ein E-Health-Gesetz, mit dem der Gesetzgeber die Vernetzung im Gesundheitswesen beschleunigen will, in der Welt, schon werden erste Auswirkungen sichtbar. Vor allem die auf zwei Jahre befristete finanzielle Förderung für elektronische Arztbriefe (eArztbriefe) von 2016 bis 2017 und – um ein halbes Jahr versetzt – für elektronische Entlassbriefe wird von den Ärzten positiv aufgenommen. Endlich gehe es auch um sinnvolle Anwendungen, betonte Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Das seien Mehrwerte für Patienten und Ärzte, die von den Krankenkassen bislang behindert worden seien.

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Gassen zufolge ist mit dem sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen (SNK) bereits eine funktionierende digitale Infrastruktur für niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten verfügbar, die eine datenschutzkonforme Übermittlung vertraulicher Daten zwischen Niedergelassenen und auch Krankenhäusern ermöglicht. Laut KBV nutzen inzwischen mehr als 56 000 Ärzte und Psychotherapeuten das Netz.

Durch die im E-Health-Gesetz vorgesehene Einbindung des SNK in die künftige Tele­ma­tik­infra­struk­tur könnten die bereits vorhandenen Anwendungen weiterhin genutzt werden. Dies sei eine begrüßenswerte Klarstellung des Gesetzgebers, betonte Gassen.

Damit der eArztbrief ab 2016 möglichst breit verwendet werden kann und viele Ärzte von der vorgesehenen Förderpauschale von 55 Cent je elektronisch übermitteltem Brief profitieren, will die KV Telematik GmbH (KVTG) im zweiten Quartal einen Feldtest zur Erprobung des elektronischen Arztbriefes starten. Die eArztbriefe werden dabei über den verschlüsselten Kommunikationskanal KV-Connect im Rahmen des SNK versandt. Um Ärzte für den Test zu gewinnen, kooperiert die Tochtergesellschaft der KBV mit der Agentur deutscher Arztnetze. „Für dieses Projekt brauchen wir Arztnetze mit einer verlässlichen Kooperationsstruktur von Fach- und Hausärzten und gegebenenfalls Psychotherapeuten“, erläuterte Dr. Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KVTG. „In solchen Strukturen entfaltet der interoperable eArztbrief seine Wirkung im besonderen Maße.“

Für die Studienteilnahme erhalten die Arztnetze eine Aufwandsentschädigung von bis zu 400 Euro je Praxis. „Wir hoffen, dass wir eine vierstellige Anzahl von Ärzten erreichen“, meinte Helena Dreznjak, Sprecherin des Unternehmens. Die Rekrutierung habe begonnen. Der Feldtest ist offen für alle Arztnetze. Allerdings ist die Mindestanforderung an ein teilnehmendes Netz wenigstens 15 Arztpraxen – sowohl Haus- als auch Fachärzte beziehungsweise Psychotherapeuten –, damit genügend elektronische Transaktionen stattfinden.

Darüber hinaus müssen die Softwarehäuser ein entsprechendes Modul für den eArztbrief in ihren Praxisverwaltungssystemen zur Verfügung stellen und in einem Audit nachweisen, dass sie die Anwendung ordnungsgemäß implementiert haben. Zu rechnen sei damit, dass erste Softwarehersteller das Audit im Februar absolvierten, sagte Dreznjak. Die Zertifikate für erfolgreich absolvierte Audits sollen in einem Register auf der Website der KVTG veröffentlicht werden (www.kv-telematik.de).

Sollte die Anschubfinanzierung dem eArztbrief zum Durchbruch verhelfen, wäre auch ein weiteres Problem erledigt: die haftungs- und datenschutzrechtlich kritisch zu bewertende Übermittlung von Patientendaten über derzeit noch weit verbreitete unsichere Verfahren, wie etwa das Fax. Anders als beim sicheren eArztbrief kann nämlich beim Fax insbesondere die Vertraulichkeit der Daten beim Empfänger aus Sicht des Absendenden nicht gewährleistet werden.

Heike E. Krüger-Brand

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