ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2015Depressive Störungen: Hervorragende, praxisnahe Anleitung

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Depressive Störungen: Hervorragende, praxisnahe Anleitung

Remschmidt, Helmut

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Obwohl Depressionen inzwischen gut behandelbar sind, bleibt nach einer Verlautbarung der WHO rund die Hälfte aller schweren Depressionen unbehandelt. Jedes Jahr entwickeln sieben Prozent der Bevölkerung eine Depression, die der häufigste Grund für längere Fehlzeiten am Arbeitsplatz ist.

Das Buch des niedergelassenen Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie widmet sich gut verständlich und praxisnah den zentralen Fragen der Diagnostik, Verursachung und Behandlung depressiver Störungen. Depressive Störungen verlaufen episodisch, kündigen sich oft nur langsam an und äußern sich in einer Vielzahl von Symptomen, die der Patient häufig gar nicht als psychische Erkrankung erkennt. Im ersten Teil des Buches wird dies ausführlich dargelegt. Der Verfasser verwendet dabei gut verständliche Beschreibungen – wie die „Seelenlähmung“ als Unfähigkeit, zu entscheiden und zu handeln –, skizziert die Eigendynamik der Erkrankung und Orte der Depressionsverstärkung im Gehirn.

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Teil zwei konzentriert sich auf die Grundfragen der Depressionsbehandlung, die durch Abbildungen zur Signalübertragung im Zentralnervensystem und zum Wirkungsmechanismus der Antidepressiva veranschaulicht werden. Aber die Medikation allein löst keine Probleme. Sie ist aber oft erst die Voraussetzung für die problemlösenden Möglichkeiten psychotherapeutischer Interventionen. Diese werden im dritten Teil, der mit „Zwischenbemerkungen“ überschrieben ist, ausführlich und unter Herausarbeitung der Therapieziele dargestellt. Einer kurzschlüssigen Rückführung aller depressiven Erkrankungen auf Kindheitserlebnisse wird eine Absage erteilt, da sie empirisch nicht haltbar ist.

Teil vier ist den Einzelheiten der Behandlung vorwiegend schwerer Depressionen gewidmet, wobei die Behandlungsschritte in Form von vier Phasen in eine zeitliche Perspektive eingeordnet werden. Zuletzt werden Grenzfälle erörtert (Therapieresistenz, Umgang mit Suizidalität, Klinikeinweisung). Abschließend gibt es in zwei Anhängen Angaben über die wichtigsten Antidepressiva und über den Zusammenhang zwischen „Deprimiertsein“, Dysthymie und Depression. Insgesamt ist dem Verfasser eine hervorragende, praxisnahe Anleitung zur Therapie depressiver Störungen gelungen, die jedem Arzt empfohlen werden kann, der diese Störungen in seiner Praxis behandelt. Helmut Remschmidt

Ulrich Leutgeb: Episodische Depressionen. Amdo, Heilsbronn 2013, 142 Seiten, kartoniert, 14,80 Euro

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