ArchivDeutsches Ärzteblatt22/1996Medizinstudium – Vor Beschlußfassung: Sachfragen diskutieren

SPEKTRUM: Leserbriefe

Medizinstudium – Vor Beschlußfassung: Sachfragen diskutieren

Schmaltz, A.

Zu dem "Seite eins"-Beitrag "Kein Aufschub" in Heft 14/1996
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. . . Der außerordentliche Medizinische Fakultätentag hatte am 12. Februar 1996 beschlossen, "den derzeitigen Entwurf der ÄAppO als undurchführbar abzulehnen". Was waren die Gründe? Im Vordergrund standen die Rahmenbedingungen: Ein fehlendes Junktim zwischen ÄAppO und Kapazitätsverordnung, bei dem schon in der Vergangenheit Ge­sund­heits­mi­nis­terien und Wissenschaftsministerien konträr argumentierten; der evidente Kostenschub bei Umsetzung der ÄAppO, und das in der heutigen Zeit, in der aus den Finanzministerien verlautet, man wolle bei kleineren Studentenzahlen auch den Zuführungsbetrag für die Medizinischen Fakultäten reduzieren.
Aus den zahlreichen Einzelstellungnahmen der Fakultäten wurden folgende sachliche Kritikpunkte deutlich:
l Der Stoff im ersten Abschnitt des Medizinstudiums ist in den geplanten fünf Semestern nicht zu bewältigen. Durch die Verschiebung des ersten Teils des Staatsexamens werden die bisherige große Hürde des Physikums (die manchen zur Aufgabe des Medizinstudiums veranlaßte) zeitlich nach hinten verschoben, eine mögliche Fehlinvestition vergrößert, der Ablauf der Studienjahre gestört und ein erwünschter Austausch von Studierenden im EU-Raum erschwert. Dabei ist der Aufbau der mündlichen Prüfung mit zwei Prüfungstagen nicht zu bewältigen und würde den Forschungsfreiraum in den knapp ausgestatteten theoretischen Fächern noch mehr einengen.
l Verzahnung von vorklinischen und klinischen Ausbildungsinhalten wird begrüßt und vielerorts schon heute in Einzelveranstaltungen und Ringvorlesungen durchgeführt. Trotzdem muß eine solide Grundausbildung in den etablierten theoretischen und klinischen Fächern unbedingt erhalten bleiben. Kein Arzt kann auf Grundkenntnisse der Klinischen Chemie, Pathologie, Pharmakologie, Augenheilkunde, Dermatologie, HNO, Orthopädie etc. verzichten. Diese Fächer müssen auch weiterhin zum festen Bestandteil des Prüfungskatalogs des zweiten Teils des Staatsexamens gehören und nicht, wie jetzt vorgesehen, nur eines dieser Fächer als Wahlpflichtfach!
l Auch wenn von einer zentralen Prüfung mit MC-Fragen aus juristischen Gründen wohl nicht abgegangen werden kann, wird vorgeschlagen, die schriftlichen Prüfungen ohne Noten abzuhalten und das Bestehen der Prüfung als Eingangskriterium für die mündliche Prüfung zu nutzen sowie Noten von Einzelleistungsnachweisen in die Endnote eingehen zu lassen.
Trotz des drängenden Bundesratsvotums sollten vor Beschlußfassung der ÄAppO diese Sachfragen diskutiert werden!
Prof. Dr. med. A. Schmaltz, Dauervertreter der Med. Fakultät Essen am Medizinischen Fakultätentag, Universitätsklinikum Essen, Hufelandstraße 55, 45122 Essen

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