ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2015Interessiert sind nur die Krankenkassen
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Die Autoren sind bei ihren Recherchen wahrlich nicht zu beneiden gewesen. Viel zu kleine Probandenzahlen in den einzelnen Studien sowie problematische oder fehlende Kontrollen machen die Studien für eine belastungsfähige Aussage unbrauchbar. Wer eigentlich hat Interesse an der Fortschreibung der DMPs? Für uns Ärzte bedeutet ein DMP-Patient zusätzliche Dokumentationsarbeit. Das macht DMPs unbeliebt bis ärgerlich. 10 € pro Patient und Quartal sind zwar ein relevantes Zusatzhonorar angesichts des notleidenden Regellistungsvolumen, refinanzieren aber nicht den Gesamtaufwand bei älteren, häufig mobilitätsgestörten Patienten. Den meisten Versicherten sind die DMPs gleichgültig, sie erhalten die notwendige Versorgung so oder so. Den jüngeren Patienten ist der DMP-Termin wegen des Zeitaufwandes eher lästig und es bedarf in der Regel eines hohen Überredungsaufwandes, bevor sie sich für eine Einschreibung entscheiden. Wirklich interessiert sind nur die Krankenkassen, die offenbar über die DMPs einen höheren Finanzrückfluss aus dem Gesundheitsstrukturfond zu generieren hoffen. Die immer wieder „gerne“ von der GKV – und auch in den „Schlussfolgerungen“ des Artikels – postulierte Effektivität auf Mortalität und Lebenserwartung ist allerdings reine Fiktion. Hier greift ein Selektionsbias, wie er schlimmer nicht sein könnte. Patienten fallen nämlich praktisch immer, sobald sie krankheitsbedingt nicht mehr in die Praxis kommen können, aus dem Programm heraus. Deshalb kommt „Mortalität“ – wen wundert’s – gerade im DMP-Diabetes so gut wie nicht vor. Mit einer verbesserten Lebenserwartung hat das nichts zu tun. Die dafür prognostisch entscheidenden Voraussetzungen werden nicht in der Arztpraxis, nicht im DMP, sondern in den Lebensmittelabteilungen der Supermärkte geschaffen.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0136a

Dr. med. Rudolf Mengersen
Höxter

rudolfmengersen@gMail.com

1.
Fuchs S, Henschke C, Blümel M, Busse R: Disease management programs for type 2 diabetes in Germany: A systematic literature review evaluating effectiveness. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 453–63.
VOLLTEXT
1.Fuchs S, Henschke C, Blümel M, Busse R: Disease management programs for type 2 diabetes in Germany: A systematic literature review evaluating effectiveness. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 453–63.
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