ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2015Akuter ischämischer Schlaganfall: Intraarterielle Therapie binnen sechs Stunden vorteilhaft

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Akuter ischämischer Schlaganfall: Intraarterielle Therapie binnen sechs Stunden vorteilhaft

Vetter, Christine

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Die Effektivität einer intraarteriellen Therapie binnen 6 Stunden nach Beginn der Symptome eines akuten ischämischem Schlaganfalls durch intrakranielle Okklusion ist bei 500 Patienten an 16 niederländischen Zentren untersucht worden. Die Patienten wurden randomisiert entweder konventionell therapiert (Thrombolyse; n = 267) oder erhielten eine zusätzliche intraarterielle Therapie (Katheterisierung bis zum Verschluss und Freisetzung eines Thrombolytikums, mechanische Thrombektomie oder beides; n = 233). Bei 190 von ihnen (81,5 %) wurde ein Stent gesetzt. 445 Patienten (89 %) waren vor Randomisierung lysiert worden.

Das klinische Ergebnis wurde über den modifizierten Ranking Scale Score nach 90 Tagen beurteilt (0 = keine Symptome bis 6 = Tod). Der Behandlungseffekt wurde als Odds Ratio (OR), adjustiert für die präspezifizierten prognostischen Faktoren, dargestellt. Die OR ergab sich mit 1,67 (95-%-Konfidenzintervall (CI): 1,21–2,30). Die Studie ergab eine absolute Differenz von 13,5 % (95-%-CI: 5,9–21,2) beim Parameter „funktionelle Unabhängigkeit“ (modifizierter Ranking Scale Score 0–2) zugunsten der Intervention (32,6 vs. 19,1 %). Es wurde kein Unterschied zwischen den Gruppen bei der Mortalität sowie der Rate symptomatischer intrazerebraler Blutungen registriert.

Fazit: Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall durch intra-kraniellen Gefäßverschluss sind bei intraarterieller Therapie nach 3 Monaten seltener auf externe Unterstützung in den Alltagsaktivitäten angewiesen als nach konventioneller Behandlung (Alteplase). „Die Studie belegt, dass es bei nicht erfolgreicher systemischer Thrombolyse sinnvoll ist, einen proximalen Gefäßverschluss interventionell zu behandeln“, erläutert Prof. Dr. med. Martin Grond, Klinik für Neurologie am Kreisklinikum Siegen, das Resultat. Und der therapeutische Erfolg der Maßnahme wäre vermutlich noch größer gewesen, wenn die Interventionen rascher erfolgt wären. Denn zwischen Beginn der Thrombolyse und Leistenpunktion vergingen im Durchschnitt 3 Stunden. Christine Vetter

Berkherner OA, et al.: A randomized trial of intraarterial treatment for acute ischemic stroke. N Engl J Med 2015; 372: 11–20.

Funktionalität im modifizierten Ranking Scale Score im Zeitraum von 90 Tagen nach der Intervention
Grafik
Funktionalität im modifizierten Ranking Scale Score im Zeitraum von 90 Tagen nach der Intervention
Funktionalität im modifizierten Ranking Scale Score im Zeitraum von 90 Tagen nach der Intervention
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Funktionalität im modifizierten Ranking Scale Score im Zeitraum von 90 Tagen nach der Intervention

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