ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2015Sekundärtumoren bei Langzeitüberlebenden: Kein erhöhtes Risiko nach Beckenbestrahlung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sekundärtumoren bei Langzeitüberlebenden: Kein erhöhtes Risiko nach Beckenbestrahlung

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Induktion von Sekundärmalignomen gehört zu den möglichen Spätfolgen einer Radiotherapie. Eine der größten Studien dazu basiert auf der Auswertung von 647 672 Patienten mit soliden Tumoren, die eine Strahlentherapie erhalten und die Diagnose mindestens 5 Jahre überlebten (SEER-Register, USA; [1]). Der Anteil der durch Radiotherapien induzierten Zweitmalignome wurde nach durchschnittlich weiteren 12 Jahren auf 8 % geschätzt (5 zusätzliche Malignome/1 000 radiotherapierte Patienten 15 Jahre nach Diagnose).

Kumulative Wahrscheinlichkeit für Sekundärmalignome nach Strahlentherapie von Patientinnen und Patienten mit Endometrium- und Rektumkarzinom
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Kumulative Wahrscheinlichkeit für Sekundärmalignome nach Strahlentherapie von Patientinnen und Patienten mit Endometrium- und Rektumkarzinom

Niederländische Forscher haben nun Langzeitdaten dreier großer randomisierter Studien (TME, PORTEC-1, PORTEC-2) auf das Risiko für Sekundärmalignome durch Radiotherapie bei Tumoren untersucht, bei denen Zielvolumina im Bereich des Beckens lagen (2). In der TME-Studie wurden 1 530 Rektumkarzinompatienten randomisiert in präoperative externe Bestrahlung (RT; 25 Gy in 5 Fraktionen) oder keine RT. In den PORTEC-Studien wurden Frauen mit Endometriumkarzinomen prospektiv randomisiert in Gruppen mit externer postoperativer RT (46 Gy in Fraktionen à 2 Gy) versus keine RT oder externe postoperative Radiotherapie versus interne RT (vaginale Brachytherapie). Daten von 2 554 Patienten wurden eingeschlossen (medianes follow-up: 13 Jahre; 1,8–21,2 Jahre). Alle Krebsüberlebenden hatten im Vergleich zur alters- und geschlechtsgematchten Normalbevölkerung ein erhöhtes Risiko für Sekundärmalignome (standardisierte Inzidenzrate: 2,98; 95-%-Konfidenzintervall: 2,82–3,14). Es gab aber keine Korrelation zur Strahlentherapie (Sekundärtumorrate ohne externe RT nach 10 und 15 Jahren: 15,8 und 26,5 %, mit externer Radiotherapie: 15,4 und 25,6 %; Brachytherapie nach 10 Jahren: 14,9 %).

Fazit: In der Analyse einer gepoolten Kohorte von 2 554 Patienten mit soliden Tumoren im Beckenbereich fand sich keine Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für Zweitmalignome durch externe oder interne Radiotherapie. „Diese Arbeit hat ein für die tägliche Praxis sehr wichtiges Ergebnis: für die Beratung von Patienten, aber auch für die Indikationsstellung und Falldiskussion in interdisziplinären Konferenzen“, kommentiert Prof. Dr. med. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Anders als aus Analysen der SEER-Daten bei Frauen mit Endometriumkarzinom vermutet (1), habe sich in der aktuellen Analyse kein Hinweis auf ein erhöhtes Risiko im Beckenbereich, also im Bestrahlungsvolumen, ergeben.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Berrington de Gonzalez A, Curtis RE, Kry SF, et al.: Proportion of second cancers attributable to radiotherapy treatment in adults: a cohort study in the US SEER cancer registries. Lancet Oncol 2011; 12: 353–60.
  2. Wiltink LM, Nout RA, et al.: No increased risk of second cancer after radiotherapy in patients treated for rectal or endometrial cancer in the randomized TME, PORTEC-1, and PORTEC-2 trials. J Clin Oncol 2014; JCO.2014.58.6693.
Kumulative Wahrscheinlichkeit für Sekundärmalignome nach Strahlentherapie von Patientinnen und Patienten mit Endometrium- und Rektumkarzinom
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