ArchivDeutsches Ärzteblatt16/1999Bei intertriginösen Entzündungen an Acne inversa denken

MEDIZIN: Referiert

Bei intertriginösen Entzündungen an Acne inversa denken

Dtsch Arztebl 1999; 96(16): A-1061 / B-883 / C-827

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LNSLNS Der Pathomechanismus der Acne inversa ist identisch mit dem der Acne vulgaris, daher zählt die Erkrankung zum Formenkreis der Akneerkrankungen. Gesicht, Brust und Rücken sind kaum oder nicht betroffen, um so auffälliger die intertriginösen Areale wie Leistenbeugen, Axillen, Perigenitalregion, Analfalte und zusätzlich Nacken und Kopfhaut. Die Acne inversa umfaßt in ihrer vollen Ausprägung: Acne conglobata, oft schon ausgebrannt und nur noch an Narben erkennbar; abszedierende Fistelgänge in den intertriginösen Arealen; abszedierende Perifollikulitis und Abszesse an Nacken und Kopfhaut sowie Pilonidalsinus in oder oberhalb der Analfalte. Studien an Serienschnitten und insbesondere Exzisionsmaterial initialer Läsionen haben Aufschluß über die Sequenz der Entzündung bei der Acne inversa gegeben. Der erste morphologisch faßbare Schritt ist eine Ruptur des Follikelepithels der Talgdrüsen- und Terminalhaarfollikel. Die ekkrinen und apokrinen Schweißdrüsen werden erst später sekundär in den Entzündungsprozeß einbezogen. Das Abszeßgewebe dehnt sich aus, begünstigt durch bakterielle Superinfektion mit gramnegativen Keimen. Der folgenschwerste Schritt der Entzündung ist der Versuch auseinandergerissener Follikelepithelien, das Abszeßgewebe zu umschließen und zu lokalisieren. Dadurch bilden sich epithelausgekleidete Gänge, die fuchsbauartig weite Teile der intertriginösen Areale durchziehen können. Die Acne inversa ist eine schwere und selten lebensgefährliche Erkrankung. Gefürchtete Komplikationen umfassen dermatogene Kontrakturen, bakterielle Meningitis, Bronchitis oder Pneumonie, systemische Amyloidose und spinozelluläre Karzinome mit Metastasierung auf dem Boden der chronischen Entzündung. Differentialdiagnostisch ist an Furunkel, Lymphogranuloma inguinale, Morbus Crohn, vegetierende Pyodermie, Aktinomykose, Tuberculosis subcutanea et fistulosa und bei Kopfhautbefall an tiefe Trichophytie zu denken. Zur Sanierung der intertriginösen Hautveränderungen stehen chirurgische Maßnahmen im Vordergrund, die zur Rehabilitation und Resozialisation der oft erheblich beeinträchtigten Patienten führen. Systemisches Isotretinoin, das mit großem Erfolg bei schweren Akneformen wie Acne conglobata und Acne fulminans eingesetzt wird, ist bei Acne inversa nicht effektiv und wird lediglich prä- und/oder postoperativ zur Konditionierung des Operationsgebietes empfohlen. jne


Jansen T, Plewig G: Acne inversa. Int J Dermatol 1998; 37: 96-100.
Dr. med. Thomas Jansen, Dermatologische Klinik und Poliklinik, Ludwig-Maximilians-Universität München, Frauenlobstraße 9-11, 80337 München.

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