ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2015Keine Statistik ohne klinische Wertung
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Die Autoren schlussfolgern, dass die Laparoskopie in geübten Händen auch bei Patientinnen in der Schwangerschaft ein sicheres Verfahren mit den bekannten Vorteilen der minimal-invasiven Chirurgie ist, jedoch mit erhöhter Fehlgeburtenrate und vergleichbarer Frühgeburtenrate in Relation zur Laparotomie. Patientinnen sollten präoperativ ausführlich über die Operation und die Vor- und Nachteile der Zugangswege aufgeklärt werden.

Diese Schlussfolgerungen ziehen die Autoren aus zwei Metaanalysen (1, 2), in die 599 beziehungsweise 637 Patientinnen mit laparoskopischer Appendektomie in graviditate einflossen. Diese Metaanalysen sind überproportional von einer Arbeit dominiert, die Daten aus einem Patientenregister in Kalifornien auswertete (3). In dieser retrospektiven Untersuchung wurden 454 laparoskopisch operierte Patientinnen mit 2 679 offen operierte Patientinnen bei Appendizitis verglichen. Die Betreuung dieser Patientinnen erfolgte in den Jahren 1995 bis 2002. Selbst bei nichtschwangeren Frauen wurde in diesem Zeitraum laut der Datenbank bei 77 % aller Patientinnen mit Verdacht auf eine Appendizitis eine Laparotomie durchgeführt. Dieses chirurgische Vorgehen ist nicht auf das Jahr 2014 übertragbar, in dem sicherlich die Laparotomie bei einer Appendektomie die Ausnahme darstellt.

Auch ist die Dokumentationsqualität dieser Datenbank unklar. Das Outcome „fetal loss“ war bei McGory (3) definiert als „spontaneous abortion“ oder „intrauterine death“ oder Prozedurenkode für „dilation and curretage“. “Intrauterine death“ beschreibt aber auch nach der 24. Schwangerschaftswoche geborene Kinder und kann hier nicht, wie von den Autoren geschehen, mit Fehlgeburt gleichgesetzt werden. Das Outcome „early delivery“ war bei McGory definiert als Prozedurenkode „caesarean section“ oder „hysterectomy“. Kommen in Kalifornien frühgeborene Kinder nicht auch spontan zur Welt? Die Autoren beschreiben in diesem Zusammenhang sogar eine Frühgeburtenrate im 1. Trimenon von 4,7 %.

Metaanalysen sind immer nur so gut wie die einzelnen Studien, auf denen sie beruhen. Schlussfolgerungen, die auf reiner Statistik basieren und ohne klinische Wertung erfolgen, führen den Leser in die Irre und stellen keine Beratungsgrundlage für unsere Patientinnen dar.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0145a

Prof. Dr. med. Richard Berger

Marienhaus Klinikum St. Elisabeth

Akademisches Lehrkrankenhaus

der Universitäten Mainz und Maastricht

Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Neuwied

richard.berger@marienhaus.de

1.
Walsh CA, Tang T, Walsh SR: Laparoscopic versus open appendicectomy in pregnancy: a systematic review. Int J Surg 2008; 6: 339–44. CrossRef MEDLINE
2.
Wilasrusmee C, Sukrat B, McEvoy M, Attia J, Thakkinstian A: Systematic review and meta-analysis of safety of laparoscopic versus open appendicectomy for suspected appendicitis in pregnancy. Br J Surg 2012; 99: 1470–8. CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
McGory ML, Zingmond DS, Tillou A, Hiatt JR, Ko CY, Cryer HM: Negative appendectomy in pregnant women is associated with a substantial risk of fetal loss. J Am Coll Surg 2007; 205: 534–40. CrossRef MEDLINE
4.
Juhasz-Böss I, Solomayer E, Strik M, Raspé C: Abdominal surgery in pregnancy—an interdisciplinary challenge. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 465–72. VOLLTEXT
1.Walsh CA, Tang T, Walsh SR: Laparoscopic versus open appendicectomy in pregnancy: a systematic review. Int J Surg 2008; 6: 339–44. CrossRef MEDLINE
2.Wilasrusmee C, Sukrat B, McEvoy M, Attia J, Thakkinstian A: Systematic review and meta-analysis of safety of laparoscopic versus open appendicectomy for suspected appendicitis in pregnancy. Br J Surg 2012; 99: 1470–8. CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.McGory ML, Zingmond DS, Tillou A, Hiatt JR, Ko CY, Cryer HM: Negative appendectomy in pregnant women is associated with a substantial risk of fetal loss. J Am Coll Surg 2007; 205: 534–40. CrossRef MEDLINE
4.Juhasz-Böss I, Solomayer E, Strik M, Raspé C: Abdominal surgery in pregnancy—an interdisciplinary challenge. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 465–72. VOLLTEXT

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