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W. Hofmann stellt die Frage nach den Zusammenhängen von nichtalkoholischer Fettlebererkrankung (NAFLD) und Hungerzuständen, die in der Übersichtsarbeit als mögliche Ursache angegeben sind. Wir möchten diesbezüglich darauf hinweisen, dass in der entsprechenden Tabelle ein Hungerzustand nicht als Ursache einer NAFLD, sondern als Ursache einer sekundären Lebersteatose angegeben wird, was ein wichtiger Unterschied ist. Zwei exemplarische Krankheitsbilder sind der Kwashiorkor und der Marasmus, bei denen neben Muskelschwund auch eine Fettleber auftreten kann. Grundlegende Pathomechanismen sind höchstwahrscheinlich eine Proteolyse der Muskulatur sowie eine Lipolyse, die über einen vermehrten Anfall freier Fettsäuren und einem Mangel an Lipoproteinen zu einer Leberverfettung führen können, was sich auch experimentell in Hungerzuständen nachvollziehen lässt (1). Sowohl M. Hofmeister als auch H. Walle erwähnen in ihren Zuschriften den „Fatty Liver Index“ (2), der auf den Parametern Body-mass-Index, Taillenumfang, Triglyzeriden und Gamma-Glutamyl-Transpeptidase mit einer Genauigkeit von 0,84 Patienten mit einer Fettleber erkennen kann. Letztlich gibt es unterschiedliche nichtinvasive Scores, mit deren Hilfe sich Risikopatienten identifizieren lassen. Unseres Erachtens nach ist hierzu der von uns dargestellte „NAFLD Fibrosis Score“, den die nordamerikanische Clinical Research Network (CRN) Arbeitsgruppe entwickelt hat (3), hervorragend geeignet. Auch dieser Score basiert auf wenigen Routineparametern, nämlich Alter, Body-mass-Index, AST (GOT), ALT (GPT), Thrombozytenzahl und Albumin und lässt sich internetbasiert berechnen, wobei gleichzeitig die Interpretation mitgeliefert wird. Dieser Score kann eine fortgeschritten Fibrose mit einem negativen Vorhersagewert zwischen 0,88 und 0,93 ausschließen sowie eine fortgeschrittene Fibrose mit einem positiven Vorhersagewert zwischen 0,82 und 0,90 diagnostizieren, wodurch sich in der zugrundeliegenden Studie 75 % der Leberbiopsien vermeiden ließen. Der „Fatty Liver Index“ hat für einen Wert < 30 einen negativen Likelihood-Quotienten von 0,2 für den Ausschluss einer Lebersteatose und für einen Wert ≥ 60 einen positiven Likelihood-Quotienten von 4,3 (2). Ein wichtiger Unterschied ist aber, dass der „NAFLD Fibrosis Score“ Auskunft zu einer fortgeschrittenen Fibrose gibt, der „Fatty Liver Index“ dagegen zu einer Lebersteatose. In einer kürzlich publizierten Arbeit erwies sich der „NAFLD Fibrosis Score“ anderen nichtinvasiven Scores wie dem Verhältnis aus AST (GOT) und Thrombozytenzahl, dem FIB-4-Score oder dem BARD-Score als überlegen (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0144

Dr. med. Johannes Weiß

Dr. med. Monika Rau

Prof. Dr. med. Andreas Geier

Universitätsklinik Würzburg, Medizinische Klinik und Poliklinik II,

Schwerpunkt Hepatologie, Würzburg

weiss_j1@ukw.de

Interessenkonflikt

Prof. Geier bekam Sachmittelunterstützungen von der Firma
Burgerstein Vitamine (Studienmedikation SASL34) und von der
Velux-Foundation (Drittmittel SASL34-Studie).

Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Moller L, Stodkilde-Jorgensen H, Jensen FT, Jorgensen JO: Fasting in healthy subjects is associated with intrahepatic accumulation of lipids as assessed by 1H-magnetic resonance spectroscopy. Clin Sci (Lond) 2008; 114: 547–52. CrossRef MEDLINE
2.
Bedogni G, Bellentani S, Miglioli L, et al.: The Fatty Liver Index: a simple and accurate predictor of hepatic steatosis in the general population. BMC Gastroenterol 2006; 6: 33. CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Angulo P, Hui JM, Marchesini G, et al.: The NAFLD fibrosis score: a noninvasive system that identifies liver fibrosis in patients with NAFLD. Hepatology 2007; 45: 846–54. CrossRef MEDLINE
4.
Angulo P, Bugianesi E, Bjornsson ES, et al.: Simple noninvasive systems predict long-term outcomes of patients with nonalcoholic fatty liver disease. Gastroenterology 2013; 145: 782–9. CrossRef MEDLINE PubMed Central
5.
Weiß J, Rau M, Geier A: Non-alcoholic fatty liver disease: epidemiology, clincal course, investigation and treatment. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 447–52. VOLLTEXT
1.Moller L, Stodkilde-Jorgensen H, Jensen FT, Jorgensen JO: Fasting in healthy subjects is associated with intrahepatic accumulation of lipids as assessed by 1H-magnetic resonance spectroscopy. Clin Sci (Lond) 2008; 114: 547–52. CrossRef MEDLINE
2.Bedogni G, Bellentani S, Miglioli L, et al.: The Fatty Liver Index: a simple and accurate predictor of hepatic steatosis in the general population. BMC Gastroenterol 2006; 6: 33. CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Angulo P, Hui JM, Marchesini G, et al.: The NAFLD fibrosis score: a noninvasive system that identifies liver fibrosis in patients with NAFLD. Hepatology 2007; 45: 846–54. CrossRef MEDLINE
4.Angulo P, Bugianesi E, Bjornsson ES, et al.: Simple noninvasive systems predict long-term outcomes of patients with nonalcoholic fatty liver disease. Gastroenterology 2013; 145: 782–9. CrossRef MEDLINE PubMed Central
5.Weiß J, Rau M, Geier A: Non-alcoholic fatty liver disease: epidemiology, clincal course, investigation and treatment. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 447–52. VOLLTEXT

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