ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2015Hohe Privatentnahmen: Wenn die Einnahmen nicht reichen

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Hohe Privatentnahmen: Wenn die Einnahmen nicht reichen

Dtsch Arztebl 2015; 112(9): A-383 / B-332

Vetter, Michael

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Vermögen ja, Liquidität nein: Das Beispiel eines Arztes zeigt, wohin fehlende oder mangelhafte Finanzplanung führen kann.

Vor allem durch das Erbe seiner Eltern hat es Dr. Gerhard K. zu Wohlstand gebracht. Neben dem mit seiner Frau selbst genutzten Einfamilienhaus und einem anderen an die beiden Kinder vermieteten Wohngebäude besitzt er ein gewerblich genutztes Objekt in „Toplage“ der westdeutschen Kleinstadt. Mieter ist eine Warenhauskette, deren Vertrag noch sechs Jahre läuft. Während der vergangenen Jahre hat es K. als angenehm empfunden, dass neben seinen Praxiseinnahmen die pünktlichen Mietzahlungen aus diesem Gewerbeobjekt erfolgten. Da größere Investitionsmaßnahmen bisher in keinem der Gebäude anfielen, dachte K. seit dem Erbfall vor einigen Jahren kaum darüber nach, entsprechende Liquiditätsreserven aufzubauen.

Vabanquespiel des Arztes

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Diese Rechnung ging bisher weitgehend auf: Neben dem Überziehungskredit auf dem Praxiskonto mit einem Kreditlimit von 40 000 Euro stellt seine Hausbank weitere 20 000 Euro auf seinem Privatkonto zur Verfügung. Auffällig ist, dass beide Kreditlimits im Monatsverlauf bis zum Eingang der Mieten zum jeweils folgenden Monatsbeginn seit Jahren nicht nur vollständig in Anspruch genommen, sondern zusätzlich auch mit jeweils rund 5 000 Euro überzogen werden. Erst die Mieteingänge von insgesamt 9 000 Euro sorgen dann regelmäßig für eine gewisse Entspannung bis zum nächsten Monatsultimo. Die Hausbank sah bisher keinen Grund einzugreifen, angesichts des umfangreichen Immobilienbesitzes steht die Bonität von K. außer Frage. Auch der Steuerberater nahm keinen Anstoß an diesem finanziellen Vabanquespiel seines Mandanten – außer allgemeinen Hinweisen, dass K. „über eine Liquiditätsreserve nachdenken“ solle.

Seit einigen Wochen gibt es nun aber doch deutliche Hinweise seitens der Hausbank, bei der ein internes „Stühlerücken“ zu veränderten Verantwortlichkeiten geführt hat. K. erhielt zunächst Schreiben, in denen er nur auf die „regelmäßigen Limitüberziehungen“, die K. neben den „normalen“ Kreditzinsen von zwölf Prozent immerhin zusätzliche fünf Prozent Überziehungszinsen kosten, hingewiesen wurde. Die beiden letzten Schreiben hatten es dagegen in sich. Hierin wird K. aufgefordert, „kurzfristig“ ein Gespräch mit dem zuständigen Gesprächspartner zu führen. Dieser ist nicht mehr sein bisheriger Kundenberater, sondern ein Mitarbeiter des „Marktfolgebereichs“, der sich in dieser Bank ausschließlich mit Kreditfällen befasst, bei denen sich bereits gewisse Probleme ergeben haben. Zu dieser Kundengruppe gehört K. nun also ebenfalls.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Durch ein Versehen seines Steuerberaters muss K. in den kommenden drei Monaten Steuern für die vergangenen beiden Jahre in Höhe von 18 000 Euro nachzahlen. Daraus ergeben sich auch höhere Steuervorauszahlungen in Höhe von zusätzlich 3 500 Euro pro Monat – Geld, das K. nicht hat.

Immerhin besteht nun endlich die Bereitschaft von K. und seiner Frau, ihr bisheriges Ausgabeverhalten infrage zu stellen. Es fällt auf, dass die Privatentnahmen außerordentlich hoch sind. Während die Praxis in den vergangenen Jahren regelmäßig eine „schwarze Null“ schrieb, wurden nahezu alle Mieteinnahmen privat verbraucht. Es gibt keine Aufzeichnungen, wie die Entnahmen verwendet wurden. Die Eheleute sind überzeugt, dass der jeweils andere für die hohen Entnahmen verantwortlich ist.

Das Angebot der Hausbank

Die Bank erwartet kurzfristig eine angemessene Liquiditätsplanung. Darüber hinaus rät sie zum Wechsel des Steuerberaters. Zum Abbau der Kreditverbindlichkeiten bietet sie ein Darlehen mit einer Laufzeit von sieben Jahren bei Reduzierung der Kreditlinien auf jeweils nur noch 15 000 Euro an. Als Kreditsicherheiten erwartet sie die Abtretung der Mieteinnahmen aus dem Gewerbeobjekt, so dass keine weitergehenden Sicherheiten, wie etwa die Eintragung einer Grundschuld auf dem Immobilieneigentum, notwendig sind. Hinzu kommt eine weitere Auflage, die einen „regelmäßigen Informationsaustausch mit belastbaren betriebswirtschaftlichen Zahlen“ durch K. vorsieht. Außerdem rät ihm die Bank „ausdrücklich“, schrittweise eine Liquiditätsreserve aufzubauen.

K. sieht ein, dass es so nicht weitergehen kann. Er hat sich bereits mit einem anderen Steuerberater in Verbindung gesetzt. Ob er und seine Frau damit aber auch die privaten Entnahmeprobleme in den Griff bekommen werden, muss sich dagegen erst noch zeigen.

Michael Vetter

Checkliste

  • Eine professionelle Liquiditätsplanung sollte als Grundvoraussetzung jeder Arztpraxis regelmäßig erfolgen. Dazu gehören ebenso Analysen der jeweiligen Privatentnahmen.
  • Vor allem bei erheblichen Barentnahmen kann schnell der Überblick verloren gehen, so dass auch hier zumindest bei größeren Ausgaben die konkreten Verwendungszwecke festgehalten werden sollten.
  • Bei regelmäßigen Überziehungen von Privat- oder Praxiskonten bieten sich in der Regel Umschuldungen in meist weitaus billigere Darlehen an.
  • Vor allem bei Immobilienbesitz ist eine Liquiditätsreserve obligatorisch, so dass hierzu konkrete Sparmaßnahmen ergriffen werden sollten.

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