ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2015Medizinstudium: Mehr Studienplätze benötigt

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Medizinstudium: Mehr Studienplätze benötigt

Dtsch Arztebl 2015; 112(9): A-345 / B-297 / C-293

Richter-Kuhlmann, Eva

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Auf den ersten Blick scheint es paradox zu sein: Die Zahl der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland steigt – und trotzdem werden der Mangel an ärztlicher Versorgung und die Lücken für die Patienten in vielen Regionen immer größer.

Eva Richter-Kuhlmann, Politische Redakteurin
Eva Richter-Kuhlmann, Politische Redakteurin

Wer meint, dies würde an einer zu starken Abwanderung von Ärztinnen und Ärzten ins Ausland liegen, irrt. Deutsche Medizin-Absolventen sind zwar in aller Welt gefragt und werden geschätzt. Statistiken zeigen jedoch, dass dafür ausreichend ausländische Ärzte nach Deutschland kommen und im Gegenzug bei uns arbeiten. Auch die Ausbildung an den medizinischen Fakultäten für den Mangel verantwortlich zu machen, ist zu kurz gegriffen: Seit Jahren zeigt kein anderes Studienfach eine so geringe Studienabbruchrate wie die Humanmedizin.

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Doch was sind dann die Gründe für den vielerorts bereits realen Ärztemangel? Zum einen nimmt die Behandlungsintensität in unserer alternden Gesellschaft zu. Aber auch der medizinische Fortschritt mit früher unbekannten Untersuchungen und Therapiemethoden sowie eine zunehmende Spezialisierung der Medizin erfordern eine erhöhte Zahl von Ärztinnen und Ärzten.

Diese ist doch gegeben, könnte man mit Verweis auf die Ärztestatistiken argumentieren. Und das wäre auch richtig, wenn man die Köpfe zählt. Für die Versorgung ist jedoch die Anzahl der pro Kopf geleisteten „Arztstunden“ entscheidend. Aufgrund des Arbeitszeitgesetzes und einer Ärztegeneration, die ihrer Work-Life-Balance eine höhere Bedeutung beimisst, sinkt diese Zahl jedoch. Beispielsweise hat sich der Anteil der Ärztinnen und Ärzte, die in Teilzeit arbeiten, in den letzten zehn Jahren etwa verdoppelt.

Ein Ausweg aus der Misere wäre es, mehr Studienplätze in der Humanmedizin zu schaffen. Deshalb ist es ein richtiges Signal, dass Medizinstudierende und ärztliche Organisationen im Rahmen der derzeit laufenden Diskussionen zum „Masterplan Medizinstudium 2020“ zwischen Bund und Ländern eine Erhöhung der Medizinstudienplätze in Deutschland fordern. In seinem am 20. Februar vorgestellten Positionspapier zur Reform des Medizinstudiums plädiert beispielsweise der Marburger Bund (MB) für ein Plus an Studienplätzen von mindestens zehn Prozent. „Mit den heutigen Kapazitäten, die weitgehend denen vor 25 Jahren entsprechen, wird sich das Niveau der ärztlichen Versorgung nicht aufrechterhalten lassen“, erklärte Dr. med. Andreas Botzlar, Zweiter Vorsitzender des MB, in Berlin. Notwendig sei allerdings eine bessere Grundfinanzierung der Hochschulmedizin. „Die Besonderheiten müssen sich sowohl im DRG-System als auch in der Investitionsfinanzierung widerspiegeln. Die schwierige Finanzierungslage vieler Kliniken beeinträchtigt nicht nur die Versorgung der Patienten und die Arbeitsbedingungen für das Personal, sondern auch die Lehre für die Studierenden vor Ort“, betonte er.

Die Bundes­ärzte­kammer mahnt ebenfalls mehr Studienplätze in der Humanmedizin an. „Die ärztliche Ausbildung ist kein Punkt, an dem gespart werden darf“, betonte ihr Präsident, Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Die Bundes­ärzte­kammer erwarte von Bund und Ländern, dass sie die Lehre in der Medizin weiterhin als staatliche Aufgabe verstehe und das Bildungsniveau in Deutschland auf akademisch hohem Niveau halte.

Eva Richter-Kuhlmann
Politische Redakteurin

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