ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2015Polycythaemia vera: JAK-Inhibitor verbessert Blutwerte und Symptome

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Polycythaemia vera: JAK-Inhibitor verbessert Blutwerte und Symptome

Dtsch Arztebl 2015; 112(9): A-377 / B-325 / C-319

Siegmund-Schultze, Nicola

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Bei der Polycythaemia vera (PV), einer chronischen myeloproliferativen Neoplasie, sind Phlebotomie und Acetylsalicylsäure Standard bei niedrigem Risiko, bei hohem kommen Hydroxyurea und Interferon hinzu. Es gibt aber Unverträglichkeiten und Resistenzen. Bei PV-Patienten treten häufig Genmutationen auf, die zu einem Aminosäureaustausch in der Januskinase (JAK)-2 von Stammzellen und erhöhter Teilungsrate führen.

In der prospektiven, randomisierten Phase-III-Studie RESPONSE (open label) sind nun Wirksamkeit und Sicherheit des oralen JAK-Inhibitors Ruxolitinib untersucht worden. 212 Patienten mit vergrößerter Milz, die regelmäßiger Phlebotomien zur Krankheitskontrolle bedurften, wurden 1:1 randomisiert in eine Gruppe mit zweimal täglich (bid) 10 mg Ruxolitinib (n = 110; Titration bis 25 mg bid) und eine zweite Gruppe mit bestmöglicher Therapie (BAT; n = 112). Eine erste Auswertung erfolgte nach 32 Wochen. Der primäre Endpunkt setzte sich zusammen aus Hämatokrit < 45 % (Woche 8–32), erzielt ohne Aderlass, und Reduktion des Milzvolumens um mindestens 35 % nach 32 Wochen. Sekundäre Endpunkte waren Verträglichkeit und Lebensqualität. Den primären Endpunkt erreichten signifikant mehr Patienten unter Ruxolitinib als unter BAT: 20,9 % vs. 0,9 % (p < 0,001). Bei
60 vs. 20 % (Ruxolitinib vs. BAT) entsprach der Hämatokrit dem
Zielwert. Die Phlebotomierate (8.–32. Woche) betrug 19,8 % unter Ruxolitinib und 62,4 % unter BAT. Bei 38 versus 1 % (Ruxolitinib vs. BAT) wurde mit Hilfe bildgebender Verfahren eine Reduktion der Milzgröße (≥ 35 %) festgestellt. Bei 49 % der Ruxolitinibbehandelten Patienten wurden belastende Symptome wie Juckreiz, Müdigkeit und Nachtschweiß um mindestens 50 % reduziert im Vergleich zu 5 % unter BAT. Die Sicherheit von Ruxolitinib wurde als gut bewertet, substanzassoziierte Grad-3/4-Nebenwirkungen seien selten gewesen.

Fazit: Bei Patienten mit Polycythaemia vera, die auf Hydroxyurea nicht ansprechen oder den Wirkstoff wegen Unverträglichkeit nicht erhalten können, lassen sich durch den JAK1/2-Inhibitor Ruxolitinib sowohl der Hämatokrit besser kontrollieren als mit Standardtherapie, als auch das Milzvolumen reduzieren und Symptome verbessern.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Vannucchi AM, Kiladjian JJ, et al.: Ruxolitinib versus standard therapy for the treatment of polycythemia vera. N Engl J Med 2015: 372: 426–35.

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