ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2015Akutes Nierenversagen nach Operation: Keine protektiven Effekte von ASS oder Clonidin

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Akutes Nierenversagen nach Operation: Keine protektiven Effekte von ASS oder Clonidin

Heinzl, Susanne

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Etwa 10 % der Erwachsenen, die eines größeren nichtkardialen chirurgischen Eingriffs bedürfen, entwickeln ein akutes Nierenversagen. Es verlängert den Krankenhausaufenthalt und erhöht die Kosten. In einer randomisierten Studie wurde untersucht, ob sich durch perioperative Gabe von Acetylsalicylsäure (ASS) oder Clonidin das Risiko für diese Komplikation senken lässt.

In die Substudie der Perioperative-Ischemia-Evaluation-2-Studie wurden 6 905 Patienten in 88 Zentren in 22 Ländern aufgenommen. In einem 2×2-faktoriellen Design erhielten sie randomisiert ASS (200 mg) oder Placebo 2 bis 4 Stunden vor der OP und dann 100 mg ASS oder Placebo täglich bis 30 Tage nach dem Eingriff. Die Clonidin-Gruppe erhielt oral 0,2 mg Clonidin oder Placebo ebenfalls 2 bis 4 Stunden vor der OP und dann ein Pflaster mit Clonidin oder Placebo bis 72 Stunden postoperativ. Ein akutes Nierenversagen war als Anstieg des Serumkreatininwerts um mindestens 0,3 mg/dL innerhalb von 48 Stunden nach der Operation oder um mindestens 50 % binnen 7 Tagen nach dem Eingriff vom präoperativen Ausgangswert definiert.

Weder ASS noch Clonidin senkten jedoch das Risiko für ein akutes Nierenversagen im Vergleich zur jeweiligen Placebo-Gruppe. ASS erhöhte aber das Blutungsrisiko. Eine Post-hoc-Analyse ergab, dass größere Blutungen mit einem erhöhten Risiko für ein akutes Nierenversagen assoziiert waren, es betrug 23,3 % im Vergleich zu 12,3 % zu Patienten ohne Blutungen (Hazard-Ratio 2,2). Clonidin erhöhte das Risiko für einen klinisch relevanten Blutdruckabfall. Auch hierzu ergab eine Post-hoc-Analyse, dass ein klinisch relevanter Blutdruckabfall mit einem erhöhten Risiko für ein Nierenversagen einherging (14,3 % vs. 11,8 %, HR 1,34).

Fazit: Weder die perioperative Gabe von ASS, noch von Clonidin senkte bei einem größeren nichtkardialen chirurgischen Eingriff das Risiko für akutes Nierenversagen. Wegen der erhöhten Blutungsrate und einer zu starken Blutdrucksenkung hatten beide Substanzen eher Nachteile. Ziel künftiger Untersuchungen sollte nach Meinung der Autoren sein, perioperative Blutungen und einen perioperativen Blutdruckabfall zu verhindern. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Garg AX, et al.: Perioperative aspirin and
clonidine and risk of acute kidney injury a
randomized clinical trial. JAMA 2014; 312: 2254–64.

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