ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2015Kasuistik: Würdiger Tod in Tumoranämie?
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Vielleicht sollte durch diesen Artikel eine Diskussion provoziert werden, jedenfalls finde ich aus onkologischer Sicht die Entscheidung ethisch fragwürdig, eine alte Dame mit rezidivierender tumorbedingter Intestinalblutung trotz relativ guter Lebensqualität – letztlich aus logistischen Gründen – in protrahierter Anämie zu Hause versterben zu lassen.

Heutzutage sollte es möglich sein, durch minimalinvasive Intervention, milde Chemotherapie beziehungsweise Modulation der Gerinnung, eine intestinale Blutung zu stoppen – und in letzter Konsequenz die Transfusion auch zu Hause zu verabreichen. Natürlich ist der autonome Patientenwunsch zu respektieren, der allerdings durch ärztliche Moderation beeinflussbar ist und insbesondere nach Einbindung der Angehörigen kritisch hinterfragt werden muss. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer Lebensverlängerung kann nur der Betroffene bei klarem Verstand selber beantworten. Hierzu fehlen genauere Informationen im konkreten Fall. Jedenfalls ist das genau die Situation, die mit palliativer Potenz noch zu bewältigen ist.

Dr. med. Wolfgang Abenhardt, 80335 München

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