SUPPLEMENT: Perspektiven der Pneumologie & Allergologie

Drägerwerk AG: „Technik für das Leben“

Dtsch Arztebl 2015; 112(9): [31]

Zylka-Menhorn, Vera

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Das Lübecker Unternehmen, das jüngst sein 125-jähriges Bestehen feierte, zählt zu den Weltmarktführern in den Bereichen Medizin- und Sicherheitstechnik.

Fotos: Drägerwerk AG & Co. KGaA
Fotos: Drägerwerk AG & Co. KGaA

Johann Heinrich Dräger war 42 Jahre alt, als er 1889 in Lübeck eine eigene Firma gründete. Unter anderem handelte er mit Bierzapfanlagen. Doch die Kunden waren unzufrieden, denn das dafür erforderliche Gas ließ sich nicht richtig dosieren. Also beschloss er, die Ventile selbst herzustellen. Ein Jahr später hatte sein Sohn Bernhard eine entscheidende Idee: die Anwendung von komprimiertem Sauerstoff. Das Prinzip der Druckreduzierung ist nach wie vor das Kernelement für unterschiedliche Produkte, die in der Medizin- und Sicherheitstechnik des Unternehmens eingesetzt werden. So vielfältig das Portfolio ist, dreht sich doch alles um „Technik für das Leben“ – also Produkte, die Leben schützen, unterstützen oder retten. Allen voran: Anästhesie- und Beatmungsgeräte.

Anzeige

1902 entwickelte Dräger zusammen mit dem Lübecker Chirurgen Otto Roth den weltweit ersten Narkoseapparat, der Chloroform mit Sauerstoff mischt und so den künstlichen Schlaf beherrschbar macht. „Die Narkosemittel haben sich verändert und die Geräte haben viele Zusatzfunktionen erhalten. Aber das Prinzip, nämlich die Mischung von extrem flüchtigen Gasen mit Sauerstoff, ist bis heute unverändert. Man kann also zu recht sagen, dass die Erfindung von 1902 bahnbrechend war“, sagt Michael Wilkening, der im Unternehmen für das OP-Geschäft zuständig ist. Der „Roth-Dräger“, wie der Apparat kurz genannt wurde, begründete den Ruf des Unternehmens als Pionier auf dem Gebiet der Medizintechnik. Allein in den ersten zehn Jahren wurden 1 500 dieser Geräte in alle Welt verkauft. Heute ist bei jeder dritten Operation ein Dräger-Anästhesiegerät im Einsatz – und zwar weltweit.

Typische Dräger Produkte: Der Feuerwehrhelm HPS 7000 und Pressluftatmer...
Typische Dräger Produkte: Der Feuerwehrhelm HPS 7000 und Pressluftatmer...
der Chemikalienschutzanzug CPS 7900 im Gefahrguteinsatz...
der Chemikalienschutzanzug CPS 7900 im Gefahrguteinsatz...
und der Polytron 7000 zur Messung der Gaskonzentrationen.
und der Polytron 7000 zur Messung der Gaskonzentrationen.

Bald umfasste die Produktpalette des Unternehmens auch Beatmungsgeräte für die Notfallmedizin, Atemschutzgeräte für Feuerwehren und Bergleute. „Letztere hatten im Bergbau einen so guten Ruf, dass die Bergbau-Rettungsmannschaften in den USA und in Kanada noch heute ‚draegerman‘ heißen“, sagt Verkaufsmanager Axel Bahr, der für das Bergbaugeschäft in Europa und im asiatisch-pazifischen Raum zuständig ist. In den beiden Weltkriegen produzierte Dräger im großen Umfang Gasmasken.

Weltweit in Kliniken im Einsatz: Der PulmoVista 500 liefert ein dynamisches Bild der Ventilation...
Weltweit in Kliniken im Einsatz: Der PulmoVista 500 liefert ein dynamisches Bild der Ventilation...
das Intensivbeatmungsgerät Evita V300...
das Intensivbeatmungsgerät Evita V300...
und der komplexe Anästhesiearbeitsplatz Perseus A500.
und der komplexe Anästhesiearbeitsplatz Perseus A500.

Beatmungsgeräte der Evita-Reihe

Mit der Erfindung des Pulmotors im Jahre 1909, dem weltweit ersten Beatmungsgerät, startete das Drägerwerk eine weitere Ära. Heute werden in Spitzenzeiten pro Tag über 100 Beatmungsgeräte der Evita-Reihe für den weltweiten Markt gefertigt. Jedes Bauteil wird minutiös zusammengesetzt und vor der Endabnahme getestet. Dabei müssen die Geräte auch einen 24-stündigen Härtetest in einer 37 Grad warmen Prüfkammer überstehen. Damit wird sichergestellt, dass alle Bauteile auch die Anforderungen von extremer Hitze überstehen.

Im Bereich der Sicherheitstechnik arbeitet das Unternehmen an innovativen Lösungen zur Überwachung von gefährlichen Gasen und Giftstoffen. Dabei scheint der Trend von einzelnen tragbaren hin zu stationären, vernetzten Geräten zu gehen. So wird ein Alarm heute in Sekundenschnelle mittels WLAN-Kommunikation und SMS auf mobile Geräte übertragen. In Zukunft könnten dann zum Beispiel bei einem Gasalarm in einer Chemiefabrik automatisch alle Mitarbeiter benachrichtigt, ein Evakuierungsplan ausgelöst werden und sich alle Sicherheitsschranken öffnen oder schließen.

Produkt- und Projektgeschäft

In Lübeck gibt es insgesamt 30 „Produktionsstraßen“ für die unterschiedlichen Produktgruppen der Medizin- und Sicherheitstechnik. Neben dem klassischen Produktgeschäft, welches circa 50 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, sind der Service und das Projektgeschäft (zum Beispiel medizinische Versorgungseinheiten mit Leuchten, Videosystemen sowie Gasversorgungssystemen) mit jeweils 25 Prozent weitere Standbeine des Unternehmens.

Stefan Dräger, der das Lübecker Familienunternehmen in fünfter Generation führt, sieht den Konzern für die Zukunft gut aufgestellt – insbesondere durch starkes Wachstum in den Schwellenländern wie Indonesien, Indien und Brasilien. Über acht Prozent des Umsatzes werde aktuell in die Entwicklung neuer Produkte investiert, sagte Dräger im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. Weltweit beschäftigt der Konzern mehr als 13 300 Mitarbeiter, davon etwa 4 700 am Stammsitz in Lübeck. 2,37 Milliarden Euro Umsatz machte das Unternehmen 2013.

Der Alcotest ist Verkaufsschlager

Heute findet man Produkte der Dräger-Medizintechnik weltweit in Operationssälen, auf Intensiv- und Frühgeborenen-Stationen sowie bei Rettungsdiensten. Kunden des Unternehmensbereichs Sicherheitstechnik sind unter anderem Feuerwehren, Bergbau, Industrieunternehmen, Polizei und Militär. „Unser meist verkauftes Produkt sind allerdings die 1937 entwickelten Teströhrchen zum Aufspüren von Gasen“, sagt Unternehmenssprecher Herbert Glass. „Ursprünglich zum Nachweis von Kohlenmonoxid in Bergwerken gedacht, gibt es heute Prüfröhrchen für mehr als 500 Gase. Die bekanntesten sind die für den Alcotest bei Verkehrskontrollen“, sagt Glass.

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote