ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2015Aggression und Gewalt gegen Allgemeinmediziner und praktische Ärzte

MEDIZIN: Originalarbeit

Aggression und Gewalt gegen Allgemeinmediziner und praktische Ärzte

Eine bundesweite Befragungsstudie

Aggression and violence against primary care physicians—a nationwide questionnaire survey

Dtsch Arztebl Int 2015; 112(10): 159-65; DOI: 10.3238/arztebl.2015.0159

Vorderwülbecke, Florian; Feistle, Maximilian; Mehring, Michael; Schneider, Antonius; Linde, Klaus

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Hintergrund: Untersuchungen aus anderen Ländern zeigen, dass Ärzte, die in der primärärztlichen Versorgung tätig sind, aggressivem Verhalten ausgesetzt sein können. Es fehlen jedoch systematische Untersuchungen zur Häufigkeit und Ausprägung aggressiven Verhaltens gegenüber Hausärzten in Deutschland.

Methoden: Ein vierseitiger Fragebogen wurde an eine bundesweite Zufallsstichprobe von 1 500 Allgemeinmedizinern und praktischen Ärzten versendet. Er umfasste unter anderem Fragen zur Häufigkeit, Art, Schwere und Ort des erlebten aggressiven Verhaltens.

Ergebnisse: Insgesamt konnten 831 (59 %) von 1 408 korrekt ausgelieferten Fragebögen ausgewertet werden. 91 % (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI]: 89–93) der Teilnehmer gaben an, im Verlauf ihrer hausärztlichen Tätigkeit mit aggressivem Verhalten konfrontiert gewesen zu sein, für die letzten 12 Monate traf dies auf 73 % (95-%-KI: 70–76) zu. Schwerwiegende Aggression beziehungsweise Gewalt haben 23 % (95-%-KI: 20–25) in ihrer Laufbahn und 11 % (95-%-KI: 8–13) in den letzten 12 Monaten erlebt. In ihren Praxisräumen fühlt sich die überwiegende Mehrheit der Antwortenden sicher. Bei Hausbesuchen im Rahmen des Bereitschaftsdienstes ist dies jedoch bei 66 % der Ärztinnen und 34 % der Ärzte nicht der Fall.

Schlussfolgerung: Aggression und Gewalt gegen Hausärzte kommen auch in Deutschland in nicht unbeträchtlichem Ausmaß vor und liegen etwa im Bereich anderer, internationaler Erhebungen. Konzepte für den Umgang mit diesem Problem sollten entwickelt werden. Besonderer Handlungsbedarf besteht bei Hausbesuchen während des Bereitschaftsdienstes.

LNSLNS

Das Thema „Aggression und Gewalt gegen Ärzte“ wird bisher in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland kaum beachtet. Während einzelne Autoren davon ausgehen, dass die Häufigkeit von Gewalttaten gegen Ärzte in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat (1, 2), fehlen jedoch systematische Untersuchungen zu dieser Problematik.

In internationalen Studien fällt auf, dass aggressives Verhalten gegenüber Ärztinnen und Ärzten offenbar regelmäßig vorkommt. So zeigen zum Beispiel vier australische Untersuchungen aus den Jahren 2003 bis 2007, dass 68 bis 73 % der befragten Hausärzte während ihrer Karriere bereits Erfahrungen mit Aggressionen ihnen gegenüber gemacht hatten (36). In den letzten 12 Monaten vor den Befragungen variierte die Inzidenz von Aggressionen gegenüber Allgemeinärzten zwischen 48 und 64 % (36). Eine weitere Studie aus Kanada aus dem Jahr 2010 kommt zu dem Ergebnis, dass 29 % aller befragten Allgemeinärzte im letzten Monat vor der Befragung aggressivem Verhalten ausgesetzt waren. Von diesen Betroffenen hatte beinahe jeder leichtere aggressive Vorfälle erlebt, darunter zum Beispiel Beleidigungen und Beschimpfungen. 26 % hatten mittelschwere Vorfälle erfahren, wie zum Beispiel Sachbeschädigungen, und 8 % waren Opfer von schwerer körperlicher Gewalt und sexuellen Übergriffen geworden (7).

Um die Datenlage zur Relevanz des Problems der Aggression und Gewalt gegenüber Allgemeinmedizinern und praktischen Ärzten in Deutschland zu verbessern, wurde eine bundesweite Befragung zu diesem Thema durchgeführt. Ziel war es,

  • das allgemeine Sicherheitsgefühl von Allgemeinmedizinern und praktischen Ärzten in der Praxis, auf Haus-, Heimbesuch und im Bereitschaftsdienst (Praxis und Hausbesuch) zu erfassen
  • den Anteil von Allgemeinmedizinern und praktischen Ärzten, die jemals in ihrer professionellen Tätigkeit verschiedene aggressive Verhaltensweisen in Praxisräumen, bei Haus-, Heimbesuchen und im Bereitschaftsdienst (Praxis und Hausbesuch) erlebt haben, und die Häufigkeit solcher Vorfälle in den letzten 12 Monaten vor der Befragung zu ermitteln
  • den schwerwiegendsten aggressiven Vorfall des jeweiligen Befragten mit Erfassung der Tatumstände, von Merkmalen des Täters und der Tatfolgen zu dokumentieren.

Methoden

Design

Die Studie war angelegt als einmalige postalische Befragung einer Zufallsstichprobe von 1 500 Allgemeinmedizinern und praktischen Ärzten mit anonymisierter Auswertung. Die Befragung wurde durch die Ethikkommission der Fakultät für Medizin der Technischen Universität München geprüft. Die Grundgesamtheit umfasste alle in Deutschland zum Erhebungszeitpunkt im Oktober 2013 niedergelassen tätigen Fachärztinnen/-ärzte für Allgemeinmedizin und praktische Ärzte. Die Stichprobe wurde aus einer bundesweiten Adressensammlung der Firma Adressendiscount (www.adressendiscount.de) gezogen, die Daten von insgesamt 132 000 niedergelassenen Ärzten (das entspricht laut Ärztestatistik 2013 circa 90 % aller ambulant tätigen Ärzte), darunter 36 400 Fachärzte für Allgemeinmedizin beziehungsweise praktische Ärzte, umfasst. Die Adressen wurden mit Hilfe der Funktion „Fälle auswählen – Zufallsstichprobe“ in dem Programm SPSS selektiert. Im Oktober 2013 erhielten alle ausgewählten Ärzte ein kurzes Anschreiben mit Informationen zur Studie, einen Fragebogen und ein Rückantwortkuvert. Anfang und Ende November 2013 wurden Erinnerungsschreiben versandt.

Fragebogen

Der vierseitige Fragebogen wurde nach Sichtung der Originalbögen mehrerer internationaler Quellen entwickelt (39). Eine Pilotversion wurde bei einer Fortbildungsveranstaltung für Hausärzte quantitativ und qualitativ vorab getestet (n = 30). Dabei wurde über fehlende oder überflüssige Fragen sowie die Qualität und Verständlichkeit des Bogens diskutiert. Auf Basis der Auswertung dieses Testlaufs wurde der finale, vierseitige Fragebogen entwickelt (eFragebogen). Der Fragebogen umfasst sechs Abschnitte:

  • In Abschnitt 1 wurde nach dem allgemeinen Sicherheitsgefühl in der Praxis, auf Haus-, Heimbesuch und im Bereitschaftsdienst (Praxis und Hausbesuch) gefragt.
  • In Abschnitt 2 wurde gefragt, ob definierte Formen von Aggression jemals, in den letzten 12 Monaten und, wenn ja, wie häufig in den letzten 12 Monaten in den Praxisräumen erlebt wurden. Die einzelnen Aggressionsformen sind im Folgenden aufgelistet; in eckigen Klammern steht die vordefinierte Zuteilung als leichte [l], mittelschwere [m], schwere [s] Aggressionsform:

  – Beleidigung/Beschimpfung [l]

  – Bedrohung/Einschüchterung [m]

  – leichte körperliche Gewalt (Schubsen, Bedrängen, Festhalten) [m]

  – ausgeprägte körperliche Gewalt (Beißen, Schlagen, Treten, Würgen) [s]

  – Bedrohung mit Gegenstand oder Waffe [s]

  – Angriff mit Gegenstand oder Waffe [s]

  – sexuelle Belästigung (anzügliche Bemerkungen und Gesten; Grapschen außer Brüste und Genitalien) [m]

  – sexueller Missbrauch (Grapschen von Brüsten und Genitalien; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung) [s]

  – Sachbeschädigung/Diebstahl [m].

  • In Abschnitt 3 wurden die gleichen Fragen wie in Abschnitt 2 in Bezug auf Haus-, Heimbesuch und Bereitschaftsdienst (Praxis und Hausbesuch) gestellt.
  • In Abschnitt 4 wurden Rufschädigung, Verleumdung, falsche Aussagen auf Ärzteportalen im Internet und Stalking erfragt.
  • In Abschnitt 5 wurden die Ärzte gebeten, nähere Angaben zu dem Vorfall zu machen, den sie selbst als den gravierendsten in ihrer ärztlichen Laufbahn empfanden. Neben einer Freitextschilderung des Vorfalls wurden hier Informationen zum Täter, zu Angstniveau, Ort, Zeit und Konsequenzen des Vorfalls erhoben.
  • In Abschnitt 6 wurden Fragen zur Person und Praxis gestellt.

Statistik

Auf Basis von Vorerfahrungen aus einer ähnlich durchgeführten Befragungsstudie (10) wurde mit einer Stichprobenausschöpfung von mindestens 40 % gerechnet. Ziel war es, die Prävalenz von aggressivem Verhalten gegenüber Ärztinnen und Ärzten mit einem 95-%-Konfidenzintervall von ± 4 % schätzen zu können. Dazu sind bei einer angenommenen Prävalenz von 50 % 600 auswertbare Antworten notwendig (Berechnung mit EpiCalc 2000). Angesichts der erwarteten Stichprobenausschöpfung wurden daher 1 500 Ärztinnen und Ärzte angeschrieben.

Für die deskriptive Auswertung wurden je nach Datentyp Mittelwerte und Standardabweichungen, Mediane, Quartile, Minima und Maxima oder Prozentangaben und absolute Häufigkeiten gesamt und getrennt nach Geschlecht berechnet. 95-%-Konfidenzintervalle (95-%-KI) für Häufigkeitsangaben für die wichtigsten Prävalenzschätzungen wurden mit der Bootstrap-Funktion in SPSS (1 000 Stichproben) erzeugt. Analysen auf Unterschiede zwischen Ärztinnen und Ärzten erfolgten je nach Skalenniveau mit Fisher´s exaktem Test, Chi-quadrat-Test, Mann-Whitney-U-Test oder Student’s t-Test. Außerdem wurden explorative logistische Regressionsanalysen (Einschlussmodell) gerechnet, um Zusammenhänge zu untersuchen zwischen

  • Arztmerkmalen (unabhängige Variablen) und Sicherheitsgefühl (abhängige Variablen)
  • Arztmerkmalen und der Erfahrung eines schwerwiegenden Vorkommnisses (abhängig) im Verlauf der hausärztlichen Tätigkeit.

Fehlende Angaben wurden nicht ersetzt (berichtet werden gültige Prozent). Signifikanztestungen und Regressionsanalysen (eSupplement und eTabellen 1–7) dienten ausschließlich explorativen Zwecken. Eine Adjustierung auf multiples Testen erfolgte nicht.

p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
eTabelle 1
p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
eTabelle 2
p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim regulären Hausbesuch (Nagelkerke r² = 0,10)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim regulären Hausbesuch (Nagelkerke r² = 0,10)
eTabelle 3
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim regulären Hausbesuch (Nagelkerke r² = 0,10)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Heimbesuch (Nagelkerke r² = 0,05)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Heimbesuch (Nagelkerke r² = 0,05)
eTabelle 4
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Heimbesuch (Nagelkerke r² = 0,05)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl während des Bereitschaftsdienstes in der Praxis (Nagelkerke r² = 0,10)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl während des Bereitschaftsdienstes in der Praxis (Nagelkerke r² = 0,10)
eTabelle 5
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl während des Bereitschaftsdienstes in der Praxis (Nagelkerke r² = 0,10)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Hausbesuch während des Bereitschaftsdienstes (Nagelkerke r² = 0,20)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Hausbesuch während des Bereitschaftsdienstes (Nagelkerke r² = 0,20)
eTabelle 6
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Hausbesuch während des Bereitschaftsdienstes (Nagelkerke r² = 0,20)
Multivariate logistische Regression zu Assoziation von Arztmerkmalen und Bericht mindestens einer schwerwiegenden Form von Aggression (r² = 0,02
Multivariate logistische Regression zu Assoziation von Arztmerkmalen und Bericht mindestens einer schwerwiegenden Form von Aggression (r² = 0,02
eTabelle 7
Multivariate logistische Regression zu Assoziation von Arztmerkmalen und Bericht mindestens einer schwerwiegenden Form von Aggression (r² = 0,02
Übersicht Gewalt gegen „Hausärzte“ in der internationalen Fachliteratur
Übersicht Gewalt gegen „Hausärzte“ in der internationalen Fachliteratur
eTabelle 8
Übersicht Gewalt gegen „Hausärzte“ in der internationalen Fachliteratur

Ergebnisse

Rücklauf und Merkmale der Teilnehmer

74 von 1 500 Aussendungen konnten wegen falscher Adressen nicht ausgeliefert werden. Zudem kam von 14 Ärzten die Information, dass sie fälschlicher Weise angeschrieben worden waren: Neun gaben an, nicht hausärztlich tätig zu sein und fünf befanden sich bereits im Ruhestand. Vier Angeschriebene waren verstorben. Dementsprechend waren 1 408 Ärzte erfolgreich angeschrieben worden. 835 Studienteilnehmer sendeten ausgefüllte Fragebögen zurück. Da protokollgemäß bei der Analyse das Geschlecht mitberücksichtigt wurde, mussten vier Fragebögen ohne Geschlechtsangabe aus der Auswertung ausgeschlossen werden. Somit beruhen die folgenden Ergebnisse auf den Angaben von 831 Teilnehmern (59 % von 1 408).

40 % der Antwortenden waren Ärztinnen, 60 % Ärzte. Ärztinnen waren im Mittel seit 19 Jahren hausärztlich tätig, Ärzte seit 22 Jahren. Ärztinnen waren etwas häufiger in Großstädten tätig und führten im Mittel weniger Hausbesuche durch als ihre männlichen Kollegen (Tabelle 1).

Soziodemografische und Praxismerkmale
Soziodemografische und Praxismerkmale
Tabelle 1
Soziodemografische und Praxismerkmale

Sicherheitsgefühl

In ihren Praxisräumen und bei Heimbesuchen fühlt sich die überwiegende Mehrheit der Antwortenden sicher oder sehr sicher (Grafik). Ärztinnen fühlen sich jedoch seltener sehr sicher als Ärzte (58 versus 70 % in den Praxisräumen und 63 versus 73 % beim Heimbesuch). Bezogen auf Hausbesuche oder Bereitschaftsdienste in der Praxis ist der Anteil der Teilnehmer, die „teils-teils“, „eher nicht sicher“ oder „gar nicht sicher“ ankreuzen höher: bei den Ärztinnen 16 % (Hausbesuch) und 31 % (Bereitschaftsdienst in der Praxis), bei den Ärzten 9 % beziehungsweise 20 %. Zu den Fragen nach dem Sicherheitsgefühl bei den Hausbesuchen während eines Bereitschaftsdienstes steigen die entsprechenden Antworthäufigkeiten auf 66 % bei den Ärztinnen und 34 % bei den Ärzten.

Allgemeines Sicherheitsgefühl in der Praxis, auf Haus-, Heimbesuch und im Bereitschaftsdienst.
Allgemeines Sicherheitsgefühl in der Praxis, auf Haus-, Heimbesuch und im Bereitschaftsdienst.
Grafik
Allgemeines Sicherheitsgefühl in der Praxis, auf Haus-, Heimbesuch und im Bereitschaftsdienst.

Erlebte Aggressionen

9 % (95-%-KI: 7–11) der Teilnehmer hatten nie in ihrer Laufbahn aggressives Verhalten erlebt, 27 % (95-%-KI: 24–40) nie in den letzten 12 Monaten (Tabelle 2). 91 % (95-%-KI: 89–93) der Teilnehmer berichteten, irgendwann in ihrer hausärztlichen Laufbahn mit aggressivem Verhalten in irgendeiner Form konfrontiert gewesen zu sein, für die letzten 12 Monate gaben dies 73 % (95-%-KI: 70–76) an. Leichte aggressive Vorkommnisse wurden von 79 % (95-%-KI: 77–82) der Teilnehmer irgendwann und von 54 % (95-%-KI: 51–58) in den letzten 12 Monaten erlebt. Ärztinnen waren hier etwas häufiger betroffen als Ärzte (60 versus 51 %; p = 0,01). Bei mittelschweren Vorkommnissen lagen die Zahlen bei 81 % (jemals aggressives Verhalten erlebt; 95-%-KI: 78–83) und 58 % (in den letzten 12 Monaten aggressivem Verhalten ausgesetzt; 95-%-KI: 55–62), bei schweren bei 23 % (jemals; 95-%-KI: 20–25) und 11 % (in den letzten 12 Monaten; 95-%-KI: 8–13 %; ohne signifikanten Geschlechtsunterschied).

Anteil der Antwortenden (n = 831) in Prozent, die jemals in der ärztlichen Laufbahn beziehungsweise während der letzten 12 Monate mindestens einmal im jeweiligen Umfeld den genannten Formen von Aggression ausgesetzt waren
Anteil der Antwortenden (n = 831) in Prozent, die jemals in der ärztlichen Laufbahn beziehungsweise während der letzten 12 Monate mindestens einmal im jeweiligen Umfeld den genannten Formen von Aggression ausgesetzt waren
Tabelle 2
Anteil der Antwortenden (n = 831) in Prozent, die jemals in der ärztlichen Laufbahn beziehungsweise während der letzten 12 Monate mindestens einmal im jeweiligen Umfeld den genannten Formen von Aggression ausgesetzt waren

Absolut gesehen (also ohne Berücksichtigung der am jeweiligen Ort verbrachten Arbeitszeit) sind aggressive Vorfälle in der Praxis besonders häufig (85 % jemals und 63 % in den letzten 12 Monaten). Beim Hausbesuch (33 % beziehungsweise 14 %), beim Heimbesuch (23 % beziehungsweise 9 %), während des Bereitschaftsdienstes in Praxisräumen (30 % beziehungsweise 16 %) oder beim Hausbesuch im Rahmen des Bereitschaftsdienstes (39 % beziehungsweise 19 %) waren diese deutlich seltener.

Beleidigungen und Beschimpfungen waren mit Abstand die am häufigsten berichteten Vorfälle (Tabelle 2). So gaben 73 % der Teilnehmer an irgendwann einmal und 48 % im letzten Jahr in der Praxis beleidigt oder beschimpft worden zu sein. Sachbeschädigung oder Diebstahl (54 % beziehungsweise 34 %) sowie Rufschädigung oder Verleumdung im Internet (48 % beziehungsweise 31 %) wurden ebenfalls häufig genannt. Sexuellen Belästigungen waren insbesondere Ärztinnen ausgesetzt (25 % beziehungsweise 15 %).

Analyse der individuell als am gravierendsten erlebten Ereignisse

449 Teilnehmer machten weitergehende Angaben zu dem Vorfall, den sie selbst als den gravierendsten in ihrer ärztlichen Laufbahn empfanden. 310 Teilnehmer schilderten die Vorfälle in einem Freitextfeld mehr oder weniger genau. 67 Schilderungen betrafen Beleidigungen, 54 Bedrohungen, 74 körperliche Gewalt oder Randalieren, 45 Gewalt mit Waffen oder Gegenständen und 70 verschiedene andere Ereignisse. Im eKasten sind exemplarische Berichte (Fallschilderungen) wiedergegeben.

Fallschilderungen
Fallschilderungen
eKasten
Fallschilderungen

Aus Arztsicht wurden 38 % der 449 Vorfälle als leicht, 41 % als mittelschwer, 16 % (73 Fälle) als schwer und 4 % (19 Fälle) als sehr schwer angesehen. In 13 % der Fälle waren die betroffenen Ärztinnen/Ärzte ängstlich, in 6 % sehr ängstlich (Tabelle 3). 58 % der Vorfälle ereigneten sich in der Praxis, 19 % beim Hausbesuch während des Bereitschaftsdienstes und 12 % bei normalen Hausbesuchen.

Merkmale (Angstniveau, Ort und Zeit) des schwerwiegendsten Vorfalls nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent)
Merkmale (Angstniveau, Ort und Zeit) des schwerwiegendsten Vorfalls nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent)
Tabelle 3
Merkmale (Angstniveau, Ort und Zeit) des schwerwiegendsten Vorfalls nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent)

In vier von fünf Vorfällen waren die Täter männlich (Tabelle 4). Die Täter kamen aus den unterschiedlichsten Altersgruppen. Alkohol, Drogen, psychische Erkrankungen oder eine Kombination von zwei beziehungsweise allen drei dieser Faktoren spielten in etwa der Hälfte der Fälle (51 %) eine Rolle, in weiteren 15 % konnte dies zumindest nicht ausgeschlossen werden. In 90 Fällen (20 %) führte der Vorfall zu einer Meldung beziehungsweise Anzeige bei der Polizei, in 12 Fällen (3 %) entstand ein seelischer, in 2 Fällen (< 1 %) ein körperlicher Schaden. 81 Betroffene (18 %) änderten aufgrund des Vorfalls ihren Umgang mit Patienten.

Merkmale der Täter beim schwerwiegendsten Vorfall nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent oder Mittelwerte [Standardabweichungen])*
Merkmale der Täter beim schwerwiegendsten Vorfall nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent oder Mittelwerte [Standardabweichungen])*
Tabelle 4
Merkmale der Täter beim schwerwiegendsten Vorfall nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent oder Mittelwerte [Standardabweichungen])*

Einflussfaktoren auf Gewalterfahrung und Sicherheitsgefühl

In den multivariaten Regressionsanalysen (eSupplement und eTabellen 1–7) zeigte sich kein Zusammenhang zwischen den Arztmerkmalen Geschlecht, Alter, Migrationshintergrund sowie Art und Ort der Praxis mit dem Bericht eines schwerwiegenden aggressiven Vorkommnisses. Lediglich eine finanziell eher schwache Praxisklientel war mit einer solchen Erfahrung leicht assoziiert. Ein geringeres Sicherheitsgefühl war dagegen unabhängig von den einzelnen Tätigkeitsorten deutlich mit den Arztmerkmalen weibliches Geschlecht und dem Erlebnis eines schwerwiegenden aggressiven Vorkommnisses in der Vergangenheit assoziiert. Höheres Alter und eine Großstadtlage der Praxis zeigten mit drei beziehungsweise zwei Tätigkeitsorten eine signifikante Assoziation.

Diskussion

Beinahe jeder Befragte hat in seiner Laufbahn bereits Erfahrungen mit Aggression in irgendeiner Form gemacht. In den 12 Monaten vor der Befragung war mehr als die Hälfte der befragten Ärzte leichter oder mittelstarker Aggression ausgesetzt. Mehr als jeder zehnte Hausarzt war in diesem Zeitraum mit schwerer Aggression oder Gewalt konfrontiert. Während das allgemeine Sicherheitsgefühl in der Praxis hoch war, fühlten sich nur eine von drei Ärztinnen bei Besuchen im Bereitschaftsdienst sicher.

Die in der vorliegenden Untersuchung erzielte Rücklaufquote von 59 % ist für Ärztebefragungen ohne jeglichen Anreiz hoch (7, 1015). Die Zusammensetzung der Teilnehmer erscheint bezüglich persönlicher Merkmale und der Praxismerkmale von Allgemeinmedizinern und praktischen Ärzten weitgehend repräsentativ. Hausärztlich tätige Internisten wurden nicht angeschrieben, da sie in der verwendeten Datenbank nicht für alle Bundesländer von ausschließlich fachärztlich tätigen Internisten unterschieden werden konnten.

Es erscheint gut möglich, dass Ärztinnen und Ärzte, die in ihrer Arbeit niemals Aggression und Gewalt begegnet sind, seltener teilgenommen haben, obwohl in diesem Fall eine deutlich erleichterte Beantwortung des Fragebogens möglich war. Die vorliegenden Ergebnisse könnten die tatsächliche Prävalenz von Aggression und Gewalt damit etwas überschätzen. Bei leichteren Aggressionsformen wie Beleidigung spielt die subjektive Wahrnehmung und Erinnerung eine erhebliche Rolle, was sowohl zu einer Über- als auch Unterschätzung der Prävalenz führen kann. Bei den letztlich relevanteren ausgeprägten Aggressionen beziehungsweise bei Gewalt im engeren Sinne dürfte die subjektive Wahrnehmung jedoch eine geringere Rolle spielen.

Bisher lagen für Deutschland im präklinischen Bereich nur Daten zu Aggression und Gewalt gegen Rettungskräfte in Nordrhein-Westfalen vor (8). In den vergangenen 12 Monaten vor der Befragung hatten dort fast alle Teilnehmer verbale Gewalt erlebt (98 %) und mehr als die Hälfte (59 %) mindestens einen gewalttätigen Übergriff. Ein Vergleich des Rettungsdienstes mit der hausärztlichen Tätigkeit ist aber sicherlich nur sehr eingeschränkt (eventuell bei Besuchen im Bereitschaftsdienst) sinnvoll. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen liegt die Jahresprävalenz für nichttätliche und tätliche Aggression gegen Hausärzte niedriger als bei Polizeibeamten (80 %/54 %) (16), aber deutlich höher als bei Lehrern (47 %/2 %) (17).

Die Zahlen der vorliegenden Befragung liegen bezüglich erlebter Aggression in etwa im Bereich der Ergebnisse anderer, internationaler Studien (37, 9, 1820) (eTabelle 8). Aufgrund teilweise sehr unterschiedlicher Gesundheits- und Primärarztsysteme sowie Erhebungsmethoden sollten Vergleiche hier jedoch mit entsprechender Zurückhaltung gezogen werden.

Bei der Interpretation der Häufigkeit nach Tätigkeitsort ist zu berücksichtigen, dass Ärzte in ihrer Praxis deutlich mehr Zeit verbringen als zum Beispiel bei Hausbesuchen im Bereitschaftsdienst. Geht man davon aus, dass das befragte Kollektiv circa ein Zehntel seiner Arbeitszeit im Bereitschaftsdienst verbracht hat, sind aggressive Vorkommnisse dort jedoch relativ gesehen am häufigsten.

Die Verknüpfung des Ergebnisses, dass schwere Aggressionsformen im Bereitschaftsdienst (Hausbesuch) relativ häufiger vorkommen mit den Schilderungen eines schlechten Sicherheitsgefühls (vor allem der befragten Ärztinnen), zeigt, dass hier ein besonderer Problembereich in der hausärztlichen Tätigkeit liegt.

Resümee

Hausärztinnen und -ärzte in Deutschland sollten sich darauf vorbereiten, dass sie im Verlauf ihrer Tätigkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit Formen von Aggression gegenüber stehen werden. Während zum Beispiel in Australien bereits 2009 ein Sicherheitsprogramm für Allgemeinärzte (General Practice – a safe place) durch das Royal Australien College of General Practitioners (RACGP) eingeführt wurde (21), scheint die Problematik in Deutschland bislang in der (Fach)-Öffentlichkeit eher nicht wahrgenommen zu werden. Aufgrund der erhobenen Daten erscheint es jedoch angebracht, das Thema in der ärztlichen Aus- und Weiterbildung zu implementieren und Konzepte zum professionellen Umgang mit Aggression zu finden.

Die in weiten Teilen Deutschlands übliche Praxis, Ärztinnen und Ärzte im Bereitschaftsdienst alleine und ohne jegliche Sicherheitsstruktur (zum Beispiel Rückmeldesysteme nach erfolgtem Besuch, Diensttelefone mit Alarmfunktion) zu meist unbekannten Patienten zu schicken, sollte aufgrund der vorliegenden Ergebnisse kritisch hinterfragt werden. Der Einsatz von medizinisch geschulten Fahrern, die auch die Besuche begleiten, erscheint aus sicherheitstechnischer Sicht sinnvoll, scheitert jedoch oft an der Finanzierbarkeit. Gerade auch im Hinblick auf den hohen Anteil von Ärztinnen im hausärztlichen Nachwuchs müssen hier Lösungen gefunden werden, die eine verbesserte Sicherheit für die eingesetzten Medizinerinnen und Mediziner garantieren. Darüber hinaus ist eine weitere wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema wünschenswert, um zum Beispiel Auslöser von Aggression im hausärztlichen Behandlungskontext zu erforschen.

Finanzierung der Studie

Die Erhebung der Daten erfolgte im Rahmen des Promotionsvorhabens (Dr. med.) von Maximilian Feistle an der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität München. Die Studie wurde ausschließlich aus den regulären Mitteln des Instituts für Allgemeinmedizin, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München finanziert.

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Manuskriptdaten
eingereicht: 15. 10. 2014, revidierte Fassung angenommen: 23. 12. 2014

Anschrift für die Verfasser
Dr. med. Florian Vorderwülbecke Institut für Allgemeinmedizin, Klinikum rechts der Isar Technische Universität München Orleansstraße 47, 81667 München
florian.vorderwuelbecke@tum.de

Zitierweise
Vorderwülbecke F, Feistle M, Mehring M, Schneider A, Linde K: Aggression and violence against primary care physicians—a nationwide questionnaire survey. Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 159–65. DOI: 10.3238/arztebl.2015.0159

@eSupplement, eTabellen, eKasten, eFragebogen:
www.aerzteblatt.de/15m0159 oder über QR-Code

The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de

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Institut für Allgemeinmedizin, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München: Dr. med. Vorderwülbecke, Feistle, Dr. med. Mehring, Prof. Dr. med. Schneider, Prof. Dr. med. Linde
Allgemeines Sicherheitsgefühl in der Praxis, auf Haus-, Heimbesuch und im Bereitschaftsdienst.
Allgemeines Sicherheitsgefühl in der Praxis, auf Haus-, Heimbesuch und im Bereitschaftsdienst.
Grafik
Allgemeines Sicherheitsgefühl in der Praxis, auf Haus-, Heimbesuch und im Bereitschaftsdienst.
Soziodemografische und Praxismerkmale
Soziodemografische und Praxismerkmale
Tabelle 1
Soziodemografische und Praxismerkmale
Anteil der Antwortenden (n = 831) in Prozent, die jemals in der ärztlichen Laufbahn beziehungsweise während der letzten 12 Monate mindestens einmal im jeweiligen Umfeld den genannten Formen von Aggression ausgesetzt waren
Anteil der Antwortenden (n = 831) in Prozent, die jemals in der ärztlichen Laufbahn beziehungsweise während der letzten 12 Monate mindestens einmal im jeweiligen Umfeld den genannten Formen von Aggression ausgesetzt waren
Tabelle 2
Anteil der Antwortenden (n = 831) in Prozent, die jemals in der ärztlichen Laufbahn beziehungsweise während der letzten 12 Monate mindestens einmal im jeweiligen Umfeld den genannten Formen von Aggression ausgesetzt waren
Merkmale (Angstniveau, Ort und Zeit) des schwerwiegendsten Vorfalls nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent)
Merkmale (Angstniveau, Ort und Zeit) des schwerwiegendsten Vorfalls nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent)
Tabelle 3
Merkmale (Angstniveau, Ort und Zeit) des schwerwiegendsten Vorfalls nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent)
Merkmale der Täter beim schwerwiegendsten Vorfall nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent oder Mittelwerte [Standardabweichungen])*
Merkmale der Täter beim schwerwiegendsten Vorfall nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent oder Mittelwerte [Standardabweichungen])*
Tabelle 4
Merkmale der Täter beim schwerwiegendsten Vorfall nach Schweregrad (angegeben sind Häufigkeiten in Prozent oder Mittelwerte [Standardabweichungen])*
Fallschilderungen
Fallschilderungen
eKasten
Fallschilderungen
p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
eTabelle 1
p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
eTabelle 2
p-Werte für die einzelnen Arztmerkmale aus den multivariaten ordinalen Regressionsanalysen zu Zusammenhängen zwischen Arztmerkmalen und dem Sicherheitsgefühl an den fünf Schauplätzen
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim regulären Hausbesuch (Nagelkerke r² = 0,10)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim regulären Hausbesuch (Nagelkerke r² = 0,10)
eTabelle 3
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim regulären Hausbesuch (Nagelkerke r² = 0,10)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Heimbesuch (Nagelkerke r² = 0,05)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Heimbesuch (Nagelkerke r² = 0,05)
eTabelle 4
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Heimbesuch (Nagelkerke r² = 0,05)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl während des Bereitschaftsdienstes in der Praxis (Nagelkerke r² = 0,10)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl während des Bereitschaftsdienstes in der Praxis (Nagelkerke r² = 0,10)
eTabelle 5
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl während des Bereitschaftsdienstes in der Praxis (Nagelkerke r² = 0,10)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Hausbesuch während des Bereitschaftsdienstes (Nagelkerke r² = 0,20)
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Hausbesuch während des Bereitschaftsdienstes (Nagelkerke r² = 0,20)
eTabelle 6
Ordinale Regression zu Einflussfaktoren auf das Sicherheitsgefühl beim Hausbesuch während des Bereitschaftsdienstes (Nagelkerke r² = 0,20)
Multivariate logistische Regression zu Assoziation von Arztmerkmalen und Bericht mindestens einer schwerwiegenden Form von Aggression (r² = 0,02
Multivariate logistische Regression zu Assoziation von Arztmerkmalen und Bericht mindestens einer schwerwiegenden Form von Aggression (r² = 0,02
eTabelle 7
Multivariate logistische Regression zu Assoziation von Arztmerkmalen und Bericht mindestens einer schwerwiegenden Form von Aggression (r² = 0,02
Übersicht Gewalt gegen „Hausärzte“ in der internationalen Fachliteratur
Übersicht Gewalt gegen „Hausärzte“ in der internationalen Fachliteratur
eTabelle 8
Übersicht Gewalt gegen „Hausärzte“ in der internationalen Fachliteratur
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Avatar #697277
praehuwi
am Mittwoch, 18. März 2015, 10:23

Idee für eine Studie

Man müßte mal auswerten, welcher Nationalität und Religion die meisten Täter angehören.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 17. März 2015, 21:13

Aggression und Gewalt in Arztpraxen - keine Einzelfälle mehr!

In Saarbrücken wurde letzte Woche eine Ärztin in einer Gemeinschaftspraxis für Neurologie und Psychiatrie erschossen. "Der mutmaßliche Schütze konnte nach kurzer Flucht zu Fuß gefasst werden, teilte das Landespolizeipräsidium Saarland am Freitag mit. Der Mann sei in der Vergangenheit Patient in der Praxis gewesen und gelte als psychisch auffällig. Beamte hätten den 44-Jährigen in Tatortnähe gestellt und festgenommen."
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62146/Mann-erschiesst-Aerztin-in-Praxis-fuer-Neurologie-und-Psychiatrie

In Dortmund wurde vor einigen Jahren ein neurochirurgischer Kollege in seiner Praxis erschossen. In Bochum wurde ein onkologischer Chefarzt attackiert, lebensbedrohlich verletzt und nur durch eine Notoperation gerettet. Im März 2012 wurden zwei Ärzte im kleinen Ort Weilerbach in der Pfalz von einem Rentner und Waffennarr in einer lange vorausgeplanten Tat erschossen.
http://www.n-tv.de/panorama/Amok-Rentner-plante-Tat-article5678736.html

Aggressionen und tätliche Angriffe nehmen nicht nur in Arztpraxen zu. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit, der Justiz, der Polizei, der Feuerwehr/Rettungsdienste und der öffentlichen Verwaltungen klagen über vergleichbare Attacken.

Doch im Gegensatz zu Angestellten und Beamten im öffentlichen Dienst sind Vertrags-Ärztinnen und -Ärzte ebenso wie Privatärzte als Selbstständige sozial-medizinisch n i c h t abgesichert, obwohl sie in Ausübung des Sicherstellungsauftrags und im Auftrag einer Körperschaft öffentlichen Rechts (KV) bzw. nach dem Genfer Arztgelöbnis agieren.

KVen, Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bzw. Ärztekammern und Bundesärztekammer (BÄK) bei privatärztlich Tätigen sind m. E. verpflichtet, aus Zuweisungen der GKV und PKV für diese Extrem-Situationen Notfall-, Härte- und Hilfe-Fonds aufzubauen, damit alle diejenigen Betroffenen und deren Angehörige in derartig tragischen Situationen besser abgesichert und konkret unterstützt werden können. Arztpraxen und Krankenhäuser sind offen zugänglich, um für ernsthaft Kranke und Ratsuchende in Krisensituationen möglichst niedrig-schwellige Beratungs und Hilfsangebote zu machen.

Da gehört nach meiner Berufsauffassung auch die Einrichtung von Hilfe-Fonds dazu, weil das Arzt-Gelöbnis einer gewissenhaften Berufsausübung für a l l e Patienten ohne Zurückweisungsmöglichkeit für bestimmte Personen auch das Risiko einschließt, Opfer von Angriffen auf Leib und Leben zu werden.

Mf+kG, Dr. med. Th. G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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