ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2015Software: „Windows XP“-Rechner mit Linux ausstatten

SUPPLEMENT: PRAXiS

Software: „Windows XP“-Rechner mit Linux ausstatten

Dtsch Arztebl 2015; 112(10): [18]

Neumann, Claudia

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Anstatt einen mit dem veralteten Betriebssystem ausgestatteten Rechner auszurangieren, lässt sich dieser mit Linux in einen internetsicheren Rechner mit aktueller Software umwandeln.

Microsoft hat seit 8. April 2014 die Unterstützung von Windows XP beendet, das heißt, es gibt keine Sicherheitsupdates mehr für das Betriebssystem. Anstatt einen damit laufenden Rechner auf den Müll zu werfen, kann man ihn mit Linux ausstatten und erhält damit einen internetsicheren Rechner mit aktueller Software. Linux ist schon lange nicht mehr das hochkomplizierte Betriebssystem für Experten. Inzwischen hat auch Linux eine ansprechende Bedienungsoberfläche und bietet in der Regel kostenfrei alle Programme, die man für das Surfen im Internet, E-Mail, Textverarbeitung, Foto- und Filmbearbeitung oder Onlinebanking benötigt. Teilweise gibt es für Linux dieselben Programme wie für Windows XP, andere reine Linux-Programme sind sogar leistungsfähiger als die entsprechenden Windows-Programme.

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Da der alte XP-Rechner nicht mit der neusten Hardware ausgestattet ist und daher auch nicht über sehr viel Arbeitsspeicher verfügt, sollte der Linux-Neuling das Betriebssystem Linux-Mint Xfce 32-Bit zur Installation einsetzen. Die Installation ist weitgehend selbsterklärend, der Desktop (Bedienungsoberfläche) kommt Windows-XP recht nahe, bei Problemen gibt es eine große deutsche Unterstützergemeinde. Das ISO-Image (= die Datei mit dem Speicherabbild der Installations-DVD) kann von www.linuxmint.com heruntergeladen werden. Die 1,2 GB große Datei muss als Boot-DVD gebrannt werden.

Datensicherung nicht vergessen

Wichtige Daten, die noch auf dem XP-Rechner vorhanden sind, sollten extern gesichert werden. Ist der Rechner mit dieser DVD gebootet, kann man sich zunächst Linux-Mint ansehen und bei Gefallen installieren. Es sind verschiedene Installationsvarianten möglich:

  • Windows XP wird überschrieben. Es ist dann nur noch Linux-Mint auf dem Rechner (einfach).
  • Linux-Mint wird neben Windows XP installiert. Beide Betriebssysteme können gebootet werden (schwieriger).

Der Installationsassistent leitet den Anwender durch die Installation, wobei viele Optionen bereits mit Standardwerten vorkonfiguriert sind. Dabei sollte der Rechner ans Internet angeschlossen sein, da je nach Hardware weitere Programmpakete heruntergeladen und installiert werden. Nach circa einer halben Stunde ist die Installation abgeschlossen, und der Rechner kann neu gestartet werden.

Programme unter Linux
Tabelle
Programme unter Linux

Vieles läuft unter Linux-Mint ähnlich, wie man es unter Windows XP gewohnt ist. Trotzdem muss sich der Nutzer umstellen. Dabei gilt: „Wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil“. Linux lässt sich aber auch per „Trial and Error“ erkunden, es nimmt dem Anwender Fehleingaben nicht krumm. Es kann passieren, dass man mit einer Fehleingabe ein Programm zum Abstürzen bringt. Dann ist man allerdings immer noch eingeloggt und ruft das abgestürzte Programm wieder auf. Auch wenn es in seltenen Fällen gelingen sollte, Linux selbst zum Absturz zu bringen, wird es einfach neu gebootet. Das Dateisystem von Linux wird alles bis fünf Sekunden vor dem Absturz regenerieren.

Vor- und Nachteile von Linux

Vorteile:

  • Kein Defragmentieren erforderlich.
  • Kein Virenscanner erforderlich, Linux-Viren sind eine Rarität und nur auf bestimmte Kernel-Versionen zugeschnitten. Bekannt gewordene, sicherheitsrelevante Fehler werden innerhalb kürzester Zeit behoben.
  • Die Firewall ist automatisch aktiviert.
  • Viele interessante Programme werden automatisch installiert; keine Nachinstallationsorgie von Firmware-DVDs, Programmen und Plugins.
  • Die Mehrzahl der Programme ist Open Source und damit kostenfrei (Tabelle).
  • Updates bringen das System immer auf den neuesten Stand. Der Anwender entscheidet, wann ein Update eingespielt wird.
  • Programmabstürze wirken sich nicht auf Linux selbst aus, Stromausfälle oder Ähnliches haben keinen nachteiligen Effekt, da beim erneuten Booten der Zustand fünf Sekunden vor dem Absturz wiederhergestellt wird.

Nachteile:

  • Neueste Hardware wird nicht immer unterstützt, dies ist bei XP-Rechnern ohnehin nicht relevant.
  • Komplizierte Administration von der Kommandozeile aus, in Linux-Mint normalerweise nicht erforderlich.
  • Kein Support: Support für Linux gibt es typischerweise nicht im Computerladen nebenan, sondern im Internet über Chats, Foren oder über Google (Google läuft auf Linux und unterstützt aktiv die Linux-Entwicklung),
  • Die Programme heißen anders: Unter www.linuxalt.com findet man eine ausführliche Liste der den Windows-Programmen entsprechenden Linux-Programme, die unter Linux problemlos installiert und wieder deinstalliert werden können. Bei zur Zeit 45 381 Programmpaketen hat man eher die Qual der Wahl.

Insgesamt ist eine Linux-Installation heute erheblich einfacher geworden. Linux-Mint eignet sich besonders für Linux-Neulinge und Windows-Umsteiger. Die Linux-Mint Xfce-Version für 32-Bit läuft auch noch auf älteren Windows(XP)-Rechnern. Sie bietet Programme für komfortables und sicheres Internetsurfen, E-Mail, Textverarbeitung und vieles mehr. Nicht umsonst ist Linux inzwischen das verbreiteste Betriebssystem: Es läuft auf mehr als 90 Prozent der Webserver, auf Routern, Modems, Smartphones, Tablets, Navis und dem kleinsten Computer der Welt, dem Raspberry Pi. Nun sollte Linux auch den Weg auf die Desktops und Laptops finden. Happy Linuxen!

Dr. med. Claudia Neumann

Programme unter Linux
Tabelle
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