ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2015Nutzerorientierte IT für Menschen mit Down-Syndrom

SUPPLEMENT: PRAXiS

Nutzerorientierte IT für Menschen mit Down-Syndrom

Dtsch Arztebl 2015; 112(10): [3]

CORDIS; EB

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  • Im europäischen Forschungsprojekt POSEIDON (PersOnalized Smart Environments to increase Inclusion of people with DOwN’s syndrome; www.poseidon-project.org) wird IT genutzt, um Menschen mit Down-Syndrom mehr Autonomie zu Hause, bei der Arbeit und in der Freizeit zu ermöglichen. Der Hintergrund: Viele Menschen mit Down-Syndrom können nicht ohne Weiteres an gesellschaftlichen Aktivitäten teilnehmen, die für andere Menschen selbstverständlich sind. Bei vielen Tätigkeiten – wie bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, dem Bezahlen im Supermarkt oder dem Einhalten von Terminen – benötigen sie Unterstützung. Hierfür werden berührungsempfindliche Apps für Tablets und Smartphones entwickelt.
85 Prozent der Menschen mit Down-Syndrom nutzen nach einer Umfrage bereits Tablets, und 57 Prozent verfügen über Smartphones.
85 Prozent der Menschen mit Down-Syndrom nutzen nach einer Umfrage bereits Tablets, und 57 Prozent verfügen über Smartphones.

Eine der Apps, die die Projektpartner aus dem Vereinigten Königreich, Deutschland und Norwegen entwickeln, ist ein Kalender, der die Ereignisse des Tages auf einfache Weise abbildet und Stundenpläne von Schulen, Informationen zum Wetter und Videoanleitungen einbindet. An einem bestimmten Tag wird der Nutzer etwa informiert, welche Schulbücher einzupacken sind und welche Kleidung am besten zum Wetter passt.

Die Partner verfolgen einen nutzerorientierten Ansatz und untersuchen die Bedürfnisse von etwa 20 Menschen mit Down-Syndrom und ihren Familien sowie von Betreuern und Lehrern. Die Prototypen, die sie entwickeln und mit der Zielgruppe testen wollen, umfassen virtuelle und fotobasierte Navigations-Apps sowie Tabellen mit Erkennungstechnologie für Berührungen und berührungslose Gesten, die mit großen Bildschirmen interagieren und die in Schulklassen besonders nützlich sein könnten. Außerdem befassen sich die Forscher auch mit Einkaufs-Apps, die den Umgang mit Geld erleichtern sollen.

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Aus einer Umfrage bei Down-Syndrom-Vereinigungen in zehn europäischen Ländern ging hervor, dass 85 Prozent der Menschen mit Down-Syndrom bereits Tablets und 57 Prozent Smartphones nutzen. Eine der wichtigsten bisherigen Erkenntnisse ist zudem, dass die Apps in hohem Maße personalisierbar sein müssen. „Das Prinzip ,One size fits all’ stimmt hier leider nicht“, sagt Projektkoordinator Terje Grimstad von Karde AS, einem Produktentwickler in Norwegen. „Menschen mit Down-Syndrom und ihre Betreuer müssen beispielsweise ihre eigenen Stundenpläne, Videoanleitungen, Verkehrsinformationen und Fotos einbinden können. Wenn Schnee liegt, sieht Norwegen plötzlich ganz anders aus. Währungen sind ein weiteres Problem – es gibt Euro, Pfund und Kronen.“

Die ersten Apps sollen Anfang 2016 auf den Markt kommen. Die im Projekt erstellte Plattform soll auch für andere Systementwickler weltweit verfügbar gemacht werden, so dass diese neue Apps für die Zielgruppe entwickeln können.

POSEIDON ist ein dreijähriges Projekt mit einer Laufzeit bis zum 31. Oktober 2016, an dem sich neun Partner aus vier Ländern beteiligen. Es erhält drei Millionen Euro aus dem RP7-Programm der Europäischen Union. CORDIS/EB

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