ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 1/2015Immobilien: Eine echte Alternative zu Aktien

SUPPLEMENT: PRAXiS

Immobilien: Eine echte Alternative zu Aktien

Dtsch Arztebl 2015; 112(10): [30]

Fischer, Leo

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Angesichts der niedrigen Zinsen sind Immobilien sehr attraktiv. Für den Privatanleger ist es aber nicht so einfach, von den höheren Renditen der Immobilien zu profitieren.

Foto: Fotolia/Aycatcher
Foto: Fotolia/Aycatcher

Im Niedrigzinsumfeld, das von der Europäischen Zentralbank (EZB) mit Absicht herbeigeführt wurde, erweisen sich Immobilien als Eiland – wenn auch nicht der Glückseligen, aber doch als eine Insel der recht attraktiven und stabilen Renditen. Während sich die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe der Marke Null nähert, bringen Immobilien immer noch Eingangsrenditen von fast fünf Prozent (Wohnen und Geschäftshäuser). Deutlich höher liegen diese für Logistik-Immobilien und Selbstbedienungs(SB)-/Fachmarktzentren (Grafik). Allerdings sind diese seit 2009, als die Finanzkrise mit der Lehman-Pleite ausbrach, deutlich gesunken, weil die Preise gestiegen sind. Aber noch immer besteht ein deutlicher Renditevorsprung für die Immobilien. Die Europäische Zentralbank verlangt inzwischen von den Banken, die ihr Geld bei der EZB als Guthaben halten, negative Einlagenzinsen. Das tun auch bereits zahlreiche Banken bei hohen Guthaben von institutionellen Anlegern wie Versicherungen und Fondsgesellschaften sowie von Großunternehmen. Selbst für Privatkunden erheben einzelne Banken inzwischen Zinsen auf Guthaben. Vor diesem Hintergrund finden sich selbst für Anleihen mit minimaler Verzinsung immer noch Käufer.

Anzeige

Keine Überhitzung

Da den Anlegern kaum gute Alternativen bleiben, setzen die Investoren weltweit auf die ohnehin schon attraktive Anlageklasse Immobilie. „Der deutsche Immobilieninvestmentmarkt ist dabei besonders attraktiv“, heißt es im aktuellen Real Estate Trendbarometer des Consultingunternehmens Ernst & Young. „Auch 2015 wird einen Run auf deutsche Gewerbeimmobilien erleben“, schreibt das weltweit aktive Immobilienberatungsunternehmen Jones Lang Lasalle. Experten erwarten in diesem Jahr ein Transaktionsvolumen am deutschen Immobilien-Investmentmarkt von 54 Milliarden Euro nach 52 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Zwar sind die Renditen für Immobilien gesunken, es besteht aber immer noch ein deutlicher Renditevorsprung beispielweise gegenüber Bundesanleihen
Tabelle
Zwar sind die Renditen für Immobilien gesunken, es besteht aber immer noch ein deutlicher Renditevorsprung beispielweise gegenüber Bundesanleihen

Das sehr niedrige Zinsniveau sicherer Anlagealternativen, wie zum Beispiel der deutschen Bundesanleihen, sorgt nachhaltig für eine hohe Nachfrage nach Core-Immobilien in den Spitzenlagen. „Aufgrund des nach wie vor relativ hohen Returns von Immobilien-Investments im Vergleich zum stark fallenden Zinsumfeld ist jedoch noch keine Überhitzung im Immobilienmarkt festzustellen“, meint Frank Pörschke, CEO von Jones Lang Lasalle Germany. Im laufenden Jahr 2015 dürfte die Wertentwicklung weiterhin von dem starken Nachfragedruck aus dem In- und Ausland getragen werden.

Es besteht indes ein deutliches Renditegefälle zwischen den Immobilien Assetklassen mit geringen Risiken, wie Wohnen und Büros, auf der einen Seite und Logistik und Einzelhandel auf der anderen Seite. Am Immobilienmarkt geht die Strategie der EZB bereits auf. Diese zielt darauf ab, durch die Öffnung der Geldschleusen und weitere Senkung der Renditen die Anleger von den ganz sicheren (Core-Immobilien) in die Assets zu lenken, die etwas höhere Risiken haben, dafür aber auch etwas höhere Erträge bieten (Core plus oder Value Added). Festzustellen ist, dass jetzt auch in B-Lagen der bevorzugten Standorte investiert wird. Früher musste es immer Lage A sein. Unverändert ist aber eine hohe Bonität der Mieter Grundvoraussetzung für Investments.

Für den Privatanleger ist es heute nicht so einfach, von den höheren Renditen der Immobilien zu profitieren. Die offenen Immobilienfonds, die früher einmal eine echte Alternative für Privatanleger boten (Slogan: Immobilie in der Brieftasche), haben den größten Teil ihrer Attraktivität durch die Schließung zahlreicher Fonds und durch die Verkäufe der Immobilien meist unter den Verkehrswerten eingebüßt. Geschlossene Immobilienfonds sind zwar immer noch die beliebteste Assetklasse unter den geschlossenen Fonds, aber das Angebot ist (noch) sehr gering. Es besteht die Hoffnung, dass sich das im Lauf des Jahres ändert, nachdem die Branche sich mit der Regulierung (Kapitalanlagegesetzbuch) arrangiert und die strengeren Regeln umgesetzt hat.

Geschlossene Fonds

Für Direktengagements des privaten Anlegers kommen eigentlich nur Wohnungen infrage, bei Büro- oder Einzelhandelsimmobilien sind die notwendigen Investitionssummen für den Privatanleger zu hoch. In den letzten Jahren sind die Preise für Wohnungen aber derart angezogen, dass es schwierig ist, attraktive Wohnimmobilien zu finden. Nur wer in der Lage ist, große Portfolien zu erwerben, hat die Chance, im Paket Wohnungen zu attraktiven Konditionen zu erwerben. Das tun ausländische institutionelle Anleger und auch einzelne geschlossene Fonds.

ZBI, die Zentrale Boden Immobilien Gruppe, ist derzeit mit dem ZBI 9 auf dem Markt, einem geschlossenen Fonds nach neuem Recht, einem geschlossenen AIF (Alternativer Investmentfonds). Das Unternehmen hat bereits acht Fonds platziert und drei mit großem Erfolg aufgelöst, der Fonds Nummer vier, der 314 Objekte umfasst, wird gerade verkauft. Aber diese Fonds sind eher etwas für Anleger, die von den Chancen im Wohnungsbau profitieren wollen als für Investoren, die direkt Wohnungen als Kapitalanlage oder auch zur Selbstnutzung erwerben wollen.

Ähnliches gilt auch für die Fonds der Projekt Immobilien Gruppe, die sich auf die Projektentwicklung von Wohn- und Gewerbeimmobilien in den Metropolregionen im Bundesgebiet spezialisiert hat. Der Anleger beteiligt sich an einem geschlossenen Fonds, der nur mit Eigenkapital Wohnungen errichtet, die an Kapitalanleger und an an Selbstnutzer verkauft werden. Auch die Projektgruppe kann eine hervorragende Leistungsbilanz vorweisen. Dr. Leo Fischer

Zwar sind die Renditen für Immobilien gesunken, es besteht aber immer noch ein deutlicher Renditevorsprung beispielweise gegenüber Bundesanleihen
Tabelle
Zwar sind die Renditen für Immobilien gesunken, es besteht aber immer noch ein deutlicher Renditevorsprung beispielweise gegenüber Bundesanleihen

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote