ÄRZTESTELLEN

Neues vom ärztlichen Arbeitsmarkt: Spezialisten gefragt

Dtsch Arztebl 2015; 112(10): [2]

Martin, Wolfgang

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Fehlende Weiterbildungskapazitäten schaffen Engpässe in den Krankenhäusern.

Foto: Fotolia blobbotronic
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Die Berichterstattung zum Thema Ärztemangel fokussiert sich zurzeit fast ausschließlich auf den ambulanten Bereich. Doch wie sieht es in den Krankenhäusern aus? Auch wenn sich dort die Lage auf der Nachwuchsebene deutlich entspannt zu haben scheint, bleibt es in einigen Bereichen weiterhin schwierig, Fachärztinnen und Fachärzte mit einer speziellen formalen Qualifikation zu finden. Es gibt vielfach zu wenig Weiterbildungsstellen, die sich zudem in den größeren Krankenhäusern konzentrieren. Da diese aber wiederum erst einmal bestrebt sind, die erfolgreich weitergebildeten Ärztinnen und Ärzte auch am Haus zu halten, haben kleine und mittlere Krankenhäuser oftmals das Nachsehen.

Dass in der Nachfragesituation noch immer große Unterschiede zwischen den verschiedenen medizinischen Fachgebieten bestehen, zeigt der von mainmedico erstellte Facharztindex (Grafik). Dieser gibt an, wie viele angestellte Fachärztinnen und Fachärzte rein rechnerisch auf eine Stellenausschreibung im Deutschen Ärzteblatt entfallen.

Entgegen dem allgemeinen Trend ist die Bewerbersituation in den Fachgebieten Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatische Medizin und Pneumologie noch einmal deutlich angespannter als im vergangenen Jahr.
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Entgegen dem allgemeinen Trend ist die Bewerbersituation in den Fachgebieten Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatische Medizin und Pneumologie noch einmal deutlich angespannter als im vergangenen Jahr.

Der Durchschnittswert aller Fachgebiete lag im abgelaufenen Jahr bei 35,6 und war damit mehr als doppelt so hoch wie 2008, als nur durchschnittlich 14,1 Fachärztinnen und Fachärzte auf eine Stellenausschreibung im Deutschen Ärzteblatt entfielen. Es bleibt aber festzuhalten, dass diese für die Krankenhäuser merklich entspanntere Bewerbersituation keineswegs darauf zurückzuführen ist, dass inzwischen mehr Ärztinnen und Ärzte ihre Weiterbildung abschließen. Sie verteilen sich rein rechnerisch einfach auf deutlich weniger Stellenanzeigen.

Entgegen dem allgemeinen Trend ist die Bewerbersituation in den Fachgebieten Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatische Medizin und Pneumologie noch einmal deutlich angespannter als im vergangenen Jahr. Es wurden mehr Stellenanzeigen geschaltet als im Vorjahr, wobei das Plus in der Psychosomatischen Medizin mit 43 Prozent am deutlichsten ausfiel, und schon waren die Grenzen der Weiterbildungskapazitäten erreicht. In Zahlen heißt das: Im Jahr 2013 haben insgesamt 102 Ärztinnen und Ärzte ihre Weiterbildung in der Psychosomatischen Medizin abgeschlossen und konnten im darauffolgenden Jahr auf 73 Stellenausschreibungen zurückgreifen, die allein im Deutschen Ärzteblatt geschaltet wurden. In der Kinder- und Jugendpsychiatrie sieht die Relation ähnlich aus: 118 Facharztanerkennungen zu 85 Stellenausschreibungen.

Führt man sich vor Augen, dass gerade die „einfachen“ Facharztpositionen nicht zwingend im Deutschen Ärzteblatt ausgeschrieben werden und viele „frisch gebackene“ Fachärztinnnen und Fachärzte gar nicht erst auf dem Arbeitsmarkt in Erscheinung treten, da sie nach Beendigung der Assistenzarztzeit nahtlos weiterbeschäftigt werden, wird deutlich, wie dünn die Bewerberdecke tatsächlich ist.

In der Pneumologie ist die Relation mit 117 Facharztanerkennungen zu 54 Stellenausschreibungen auf den ersten Blick zwar etwas günstiger, aber auch hier werden zu wenige Fachärztinnen und Fachärzte weitergebildet. Dies führt dazu, dass viele Krankenhäuser bei dem Versuch scheitern, eine Abteilung oder Sektion Pneumologie aufzubauen, weil sie dafür einfach nicht die geeigneten Ärzte finden. Ähnliches gilt für die Geriatrie: Die Etablierung von geriatrischen Abteilungen kann nicht in dem Maße voranschreiten, wie es der demografische Wandel eigentlich erforderlich macht, weil die entsprechend weitergebildeten Fachärztinnen und Fachärzte fehlen.

Nun ist es sicherlich richtig, dass ein so komplexes System wie die ärztliche Weiterbildung nicht kurzfristig auf jede Nachfrageschwankung reagieren kann. Die Krankenhäuser sehen dies allerdings nicht so „entspannt“: Für sie ist es oftmals mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden, wenn Ärztinnen und Ärzte mit bestimmten formalen Qualifikationen fehlen. Dies gilt nicht nur für Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen, sondern zunehmend auch für Zusatzbezeichnungen. Diese sind inzwischen für die Krankenhäuser zum Teil von elementarer Bedeutung, da sie für die Abrechnung bestimmter DRG-Leistungen oder in Zertifizierungsverfahren nachgewiesen werden müssen.

Wirtschaftliche Nachteile, wenn bestimmte Ärzte fehlen

Ein Beispiel ist die Zusatzbezeichnung „Intensivmedizin“, welche für die Abrechnung intensivmedizinischer Komplexbehandlungen vorhanden sein muss. Wollen Kliniken, die eine Intensivstation betreiben, dieses Leistungen abrechnen, muss dort laut aktueller Rechtsprechung des Bundessozialgerichts dauerhaft ein entsprechend qualifizierter Arzt anwesend sein; dies gilt auch für den Bereitschaftsdienst. Die Anstellung einer genügenden Anzahl von weitergebildeten Intensivmedizinern stellt viele kleine und mittlere Krankenhäuser aber vor große Probleme, da zu wenige Ärztinnen und Ärzte diese Weiterbildung besitzen und diese mehrheitlich an größeren Krankenhäusern arbeiten.

Ein anderes Beispiel ist die Zusatzbezeichnung „Spezielle Orthopädische Chirurgie“. Diese muss mindestens ein Hauptoperateur nachweisen, will ein Krankenhaus die Zertifizierung als Endoprothetikzentrum erhalten. So weit die Theorie. Da viel zu wenige Fachärztinnen und Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie diese Qualifikation besitzen, wären sehr viele Krankenhäuser, die die geforderten Fallzahlen und Strukturvorgaben durchaus erfüllen, nicht in der Lage gewesen, die Zertifizierung zu erhalten. Um bewährte Versorgungsstrukturen zu erhalten, wurde daher eine Übergangsfrist von vier Jahren vereinbart, in der die Qualifikation nicht zwingend nachgewiesen werden muss. Ob sich die Situation nach Ablauf der Frist aber anders darstellt, muss bezweifelt werden. Es stellt sich schon die Frage, wie man zukünftig eine „flächendeckende“ Versorgung mit entsprechend qualifizierten Fachärztinnen und Fachärzten sicherstellen will, wenn es gleichzeitig das Nadelöhr „Weiterbildungskapazität“ gibt.

Dr. Wolfgang Martin

mainmedico GmbH, consulting & coaching,

Frankfurt am Main

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Entgegen dem allgemeinen Trend ist die Bewerbersituation in den Fachgebieten Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatische Medizin und Pneumologie noch einmal deutlich angespannter als im vergangenen Jahr.
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Entgegen dem allgemeinen Trend ist die Bewerbersituation in den Fachgebieten Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatische Medizin und Pneumologie noch einmal deutlich angespannter als im vergangenen Jahr.

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