ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2015Ebola: „Die letzte Meile ist die schwierigste“

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Ebola: „Die letzte Meile ist die schwierigste“

Richter-Kuhlmann, Eva

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Die Nothilfe der Bundeswehr in Westafrika soll im März eingestellt werden. Im Vordergrund stünden jetzt die Maßnahmen, die die Infektionskette endgültig durchbrechen, erklärte der Ebola-Sonderbeauftragte der Bundesregierung.

Die konsequente Isolierung von Ebola-Patienten wird entscheidend in dem Bestreben sein, die Infektionskette ganz zu durchbrechen und die Neuinfektionsrate auf Null zu bringen. Foto: dpa
Die konsequente Isolierung von Ebola-Patienten wird entscheidend in dem Bestreben sein, die Infektionskette ganz zu durchbrechen und die Neuinfektionsrate auf Null zu bringen. Foto: dpa

Auch wenn Ebola zunehmend aus den Nachrichten und aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet, kann von einer Entwarnung noch keine Rede sein. Noch zu sehr schwanken die Zahlen bei den Ebola-Neuinfektionen in Westafrika. Nach einem Rückgang stiegen sie vor einigen Wochen erneut an.

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„Die aktuell wieder steigenden Neuinfektionszahlen zeigen, dass Ebola noch nicht im Griff ist“, betonte der Ebola-Sonderbeauftragte der Bundesregierung, Botschafter Walter Lindner, bei einer Informationstagung Ende Februar in Berlin. Er selbst bricht dieser Tage erneut – konkret zum sechsten Mal – zu einer Reise in die Krisengebiete auf. Die drei „Herausforderungen des Moments“ sind ihm zufolge zum einen, die Zahl der Neuinfektionen auf null zu bringen, zweitens von der Nothilfe zur Entwicklungshilfe zu wechseln und schließlich Lehren aus der Ebola-Krise zu ziehen.

Insgesamt registrierte die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) bei der Epidemie bislang fast 23 000 Ebolafälle, mehr als 9 000 Menschen starben an der Infektion. Die Organisation geht jedoch von einer noch höheren Dunkelziffer aus. „Wir wissen auch jetzt nicht, wie sich der Verlauf der Epidemie noch entwickelt“, sagte Lindner. Allerdings sehe er Licht am Ende des Tunnels: „Es gibt realistische Chancen und die Hoffnung, die Zahl der Neuinfektionen an Ebola noch in der ersten Jahreshälfte nahe null zu bekommen.“

Dies ist derzeit auch das Ziel der Regierungschefs der drei am stärksten von Ebola betroffenen Länder Sierra Leone, Guinea und Liberia. Sie hatten Mitte Februar bei einem Sondergipfel in Guineas Hauptstadt Conakry erklärt, Ebola sogar bis Mitte April besiegen zu wollen. Sie forderten die internationale Gemeinschaft auf, ihnen die dazu notwendige Hilfe zukommen zu lassen.

Deutschland beteiligt sich seit Monaten am Aufbau von Strukturen, Behandlung und Prävention. Bei den laufenden Hilfsaktionen und Gesundheitsmaßnahmen dürfe jedoch nicht vergessen werden, dass es leichter sei, den Ausbruch einer Erkrankung von hundert auf zehn Fälle zu reduzieren als von zehn auf null Fälle, erläuterte Lindner. „Die letzte Meile ist die schwierigste.“ Bundeswehr und Deutsches Rotes Kreuz würden mittlerweile weniger benötigt. Dringender seien jetzt vielmehr die Einbeziehung der Dorfgemeinschaften sowie interkulturelle Anstrengungen. „Die Länder müssen auch in entlegenen Gebieten die Fähigkeit erhalten, an Ebola erkrankte Menschen frühzeitig zu erkennen, tatsächlich zu isolieren und Desinfektionen korrekt durchzuführen“, sagte der Sonderbeauftragte.

Gleichzeitig beginnt derzeit der internationale Prozess, Lehren aus der Epidemie zu ziehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich dazu gemeinsam mit Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg und dem Präsidenten von Ghana, John Dramani Mahama, an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, gewandt, war aus dem Kanzleramt zu erfahren. Ihr Ziel sei es, Maßnahmen zu bündeln und Strukturen zu schaffen, mit denen mittel- und langfristig die Gesundheitssysteme und die Krisenreaktionsfähigkeit gestärkt werden können.

Lindner räumte ein, dass Deutschland und die internationale Staatengemeinschaft im vergangenen Jahr nicht angemessen vorbereitet waren. „Die internationale Hilfe ist sehr spät angelaufen“, erklärte er. „Wir hatten keine Erfahrungen mit dem Virus. Und frühe Warnungen von ,Ärzte ohne Grenzenʻ wurden überhört.“ So etwas dürfe in Zukunft nicht mehr passieren. Danach sei die Hilfe der Staatengemeinschaft aber effizient gewesen. Lindner ist sich sicher: „Sie hat auch tatsächlich den Unterschied bei der Bekämpfung der Seuche gemacht.“

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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gorris-vollmer
am Sonntag, 8. März 2015, 17:43

Neue Wege gegen Ebola

In Ihrem Artikel erläutert der Ebola-Sonderbeauftragte Lindner zu Recht, die jetzige Aufgabe sei die schwierigste: Ebola-Infektionen landesweit zu kontrollieren sowie das marode Gesundheitssystem in Westafrika zu stärken und krisensicherer zu machen. Hierzu braucht es neue Ideen, die basismedizinisch funktionieren und auch langfristig und flächendeckend bezahlbar sind. Die Maßnahmen müssen, wie Hawanatu Jah im Gespräch mit dem DÄ betont, die Menschen vor Ort mitnehmen.Unser Verein Hilfe direkt betreibt ein Hospital in Bo, der zweitgrößten Stadt in Sierra Leone. Wir haben eine Idee entwickelt, die wir in Bo in Form eines Pilotprojektes erproben möchten, die aber für die ganze Region gegen die Geißel Ebola von Nutzen sein könnte.
Im Zentrum steht der seit Ende Dezember zugelassene Ebola-Schnelltest der Firma Senova (DÄ berichtete) ,der ohne die Notwendigkeit eines Sicherheitslabors an jedem Ort in 15 Minuten durchführbar ist und ohne Kühlung mindestens 1 Jahr stabil bleibt. Die Kosten von 3€ pro Test machen ihn für den breiten Gebrauch erschwinglich ( PCR ca 100 € pro Test). Der Schnelltest als direkter Antigennachweis ist naturgemäß weniger sensitiv als die PCR mit ihren Amplifikationsschritten , zeigt jedoch fast 100% Spezifität, welches in der laufenden Epidemie in Guinea gegen PCR ermittelt wurde. Die Sensitivitätslücke beträgt laut den Vergleichstestungen im Krankheitsfall ca 2 Tage.
Unsere Idee besteht nun darin, der Aufnahme in die Klinik Bo eine Triage-Einheit in einem separaten keinen Gebäude vorzuschalten. In diesem Vorgebäude sollen ausschließlich Ebola-Überlebende arbeiten, welche, soweit bekannt ist, vor Reinfektion geschützt sind. Speziell geschulte Krankenschwestern, die vor Ort verfügbar sind, ermitteln anhand der Vitalparameter und möglicher Kontakte ein Ebola-Risiko und führen den Schnelltest durch.
- bei positivem Test Transfer zur Ebola-Station.
- bei negativem Test Kurzquarantäne von 2 Tagen im Triage-Gebäude, dann erneuter Test.
- wenn 2. Test negativ, Aufnahme ins Hauptgebäude der Klinik.
Dieses Vorgehen ermöglicht mit vergleichsweise geringem Aufwand eine gute Sicherheit für Klinikmitarbeiter und Patienten. Dies würde der Angst der Ärzte und Krankenschwestern vor der Ansteckung am Arbeitsplatz entgegenwirken. Ansonsten droht dem Gesundheitssystem in Sierra Leone und ganz Westafrika ein weiterer längerdauernder Stillstand. Zudem erhalten Ebola-Überlebende, welche in ihren sozialen Gemeinschaften nicht selten ausgegrenzt werden, Wertschätzung und eine Chance auf neue Arbeitsplätze.
Als kleine Organisation konnten wir bisher die für den Start benötigten 50.000 € nicht einwerben. Mit dieser im Vergleich moderaten Summe könnte das Pilotprojekt in wenigen Wochen starten.

Dr.Nicole Gorris-Vollmer, Oldenburg













Unser großes Problem ist nun, dass wir trotz großer Mühe keinen Geldgeber für dieses Projekt finden konnten. Kosten: 50.000 € für die Erstellung des Triage-Gebäudes, das in wenigen Wochen fertig sein könnte. Einerseits viel, aber im Verhältnis zu den vielen Millionen, die schon geflossen sind, auch wenig.
Im Anhang die Liste der angeschriebenen Organisatonen und ihrer Antworten.

In dieser Lage erinnerte ich mich an Ihre ermutigenden Worte anlässlich der Feierstunde zum Tag der Menschenrechte und gestatte mir die Frage:
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