ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2015Arzneimittelpreise: Zu kurz gegriffen
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Im aktuellen Fall zu den Kostensprüngen insbesondere bei Onkologika kritisiert die DGHO ein zu träge anspringendes Fallpauschalen-System im Falle von Kostensprüngen im Arzneimittelmarkt, wie zum Beispiel beim 40 Jahre alten Zytostatikum Carmustin. Hier jedoch nur Forderungen nach Zusatzentgelten oder zusätzlichen DRG-Pauschalen zu stellen, greift meiner Meinung nach zu kurz und löst das Problem nicht, im Gegenteil. Dass ausgerechnet die indische Firma Ranbaxy als nun weltweiter Alleinanbieter den Preis des Medikaments verdreifacht, verbindet doch die kürzlich verlautbarten Ausrufe eines „Arzneiimperialismus“ westlicher Firmen im Zusammenhang mit den Studienfälschungen in Indien mit etwas Ironie. Solche Fälle werden zunehmen, und globale Monopolisten werden knallhart die Produkte aus dem Bestandsmarkt verteuern, so sie denn nachgefragt werden und eine wichtige Rolle in der Versorgung spielen. Und neue Arzneimittel, die in Deutschland zum Beispiel durch die Nutzenbewertung laufen müssen, werden zukünftig vielleicht erst gar nicht im Markt angeboten, falls sich Hersteller mit den Kassen nicht auf einen Preis einigen. Wieso fordern eigentlich weder medizinische Fachgesellschaften noch gesetzliche Kassen eine Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes auf Arzneimittel, wie es in vielen anderen europäischen Ländern seit langem der Fall ist, hier könnte die Versichertengemeinschaft auf einen Schlag Milliarden einsparen!? Noch sinnvoller wären staatlich kontrollierte und öffentlich finanzierte Wagniskapital-Fonds, mit denen Forschung und Innovation quasi öffentlich und nachhaltig finanziert werden könnten, aber im Idealfall die Allgemeinheit von einer Dividende profitiert, die zwar geringer wäre als bei genannten Arzneimonopolisten, jedoch dringend benötigte Arzneimittel für Patienten bezahlbar machen könnte. Ebenso würde ein solch allgemeinfinanzierter Fonds als finanzstarker Wettbewerber auftreten, damit solche Fälle wie bei Carmustin erst gar nicht auftreten.

Dr. Frank Richard, 78467 Konstanz

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