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Im Beitrag reklamiert Frau Nüchtern die Unabhängigkeit des MDK. Das mag man glauben oder nicht. Perpetuierung allein macht Dinge zunächst einmal nicht automatisch richtig(er). Fakt ist, dass

  • der MDK zu 100 Prozent von den Krankenkassen finanziert wird,
  • MDK-Verwaltungsräte mit Krankenkassenvertretern besetzt sind,
  • etwa 70 Prozent aller MDK-Geschäftsführer Krankenkassenvertreter sind,
  • nach einer Publikation von Frau Nüchtern aus dem Jahre 2011 Ärzte beim MDK „geführt“ werden und „im Fokus von Führungskräften in ärztlichen Beratungsdiensten primär die Auftraggeber stehen“, das heißt die Krankenkassen und nicht das Gesundheitswesen insgesamt. Den Krankenkassen geht es aber vor allem um Limitierung der Kosten im Einzelfall. Anderes zu behaupten, wäre weltfremd.

Natürlich kann sich Frau Nüchtern auf die Unabhängigkeit des Arztes aufgrund der Berufsordnung berufen. Wenn sie das tut, hat sie allerdings genauso die Unabhängigkeit von Ärzten im niedergelassenen Bereich und in den Krankenhäusern anzuerkennen. Wenn diesen aber Unabhängigkeit zugebilligt wird, erübrigen sich im Grunde alle MDK-Gutachten, da es ja gerade die unterstellte Abhängigkeit der Krankenhausärzte von ihren Arbeitgebern ist, welche die Krankenkassen auf den Plan rufen und die MDK-Gutachten hervorrufen. Ergo: Entweder sind die Krankenhausärzte von ihrem „Brötchengeber“ abhängig, dann sind es die MDK-Ärzte in gleicher Weise. Oder aber alle Ärzte sind gleichermaßen unabhängig und nur den Patienten verpflichtet. Dann aber gäbe es keine Legitimation mehr für die überbordende „Controllitis“ der Krankenkassen. Erst recht sollte man dann Krankenhäuser nicht mehr als „Falschabrechner“ oder gar „Betrüger“ diffamieren, nur weil ihre (unabhängigen!) Ärzte nach bestem Wissen und Gewissen für Patienten agieren.

Es ist an der Zeit, das gesamte MDK-Konstrukt auf den Prüfstand zu stellen und eine auch formal und finanziell unabhängige, aus Steuermitteln finanzierte Kontrollinstanz zu fordern.

Prof. Dr. med. Jens Martin Rohrbach, Augenklinik des Universitätsklinikums, 72076 Tübingen

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