ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2015Elektive Operation nach Schlaganfall: Mindestens neun Monate Wartezeit sind von Vorteil

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Elektive Operation nach Schlaganfall: Mindestens neun Monate Wartezeit sind von Vorteil

Heinzl, Susanne

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Bei Operationen ist ein Schlaganfall in der Anamnese ein Komplikationsrisiko. Nach Herzinfarkt ist bekannt, dass es umso höher ist, je kürzer die Zeit bis zur nicht kardialen Operation war. In einer dänischen Registerstudie wurde nun die Assoziation zwischen Schlaganfall und dem Risiko schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten untersucht, die elektiv an anderen Organen als dem Herzen operiert wurden. Datenbasis waren 481 183 Patienten (> 20 Jahre). Es wurden fünf Gruppen gebildet mit Patienten

  • ohne Schlaganfall in der Anamnese (n = 474 046)
  • mit Schlaganfall in den letzten 3 Monaten (n = 862)
  • mit Schlaganfall innerhalb von 3 bis 6 Monaten (n = 469)
  • mit Schlaganfall innerhalb von 6 bis 12 Monaten (n = 898)
  • mit Schlaganfall mindestens 12 Monate vor der OP (n = 4 908).

Erfasst wurden schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE), kardiovaskuläre Letalität und Gesamtsterblichkeit innerhalb von 30 Tagen nach der Operation. Die Inzidenzrate der MACE betrug bei Schlaganfall in der Anamnese 54,4/1 000 Patienten, ohne Schlaganfall 4,1/1 000 Patienten, die 30-Tage-Sterblichkeit 35,6/1 000 Patienten in der Gruppe mit, und 6,1/1 000 in der Grupee ohne Schlaganfall. Bei Operationen binnen 3 Monaten nach Schlaganfall betrug die Odds Ratio für MACE 14,23, bei Operation binnen 3 bis 6 Monaten nach Schlaganfall 4,85, bei Operation zwischen 6 und 12 Monaten nach Schlaganfall 3,04 und bei Operation mehr als 12 Monate nach Schlaganfall 2,47. Vergleichbar war das Sterblichkeitsrisiko.

Fazit: Ein Schlaganfall in der Anamnese erhöht das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse bei Patienten, die sich einer elektiven, nicht kardialen Operation unterziehen, besonders, wenn der Schlaganfall weniger als 9 Monate zurückliegt. Danach stabilisierte sich das Risiko, war aber höher als in der Gruppe ohne Schlaganfall, was nach Meinung der Autoren künftig in den Leitlinien berücksichtigt werden sollte.

Aus Sicht von Prof. Dr. med. Christian Förch, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Frankfurt, ist die Studie hilfreich, weil sie robuste Daten aus einem großen Register zu einer Frage liefere, die man im Patientengespräch bisher eher „nach Bauchgefühl“ beantwortet habe: „Nun lässt sich präziser angeben, wie stark das Risiko einer elektiven Operation erhöht ist, wenn sie mit kurzem Zeitabstand zum Schlaganfall durchgeführt wird im Vergleich zu einem späteren Zeitpunkt.“ Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Jørgensen ME, et al.: Time elapsed after ischemic stroke and risk of adverse cardiovascular events and mortality following elective noncardiac surgery. JAMA 2014; 312: 269–77.

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