ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2015Schwangerschaft nach Nierenlebendspende: Gestationshypertonus und Präeklampsie sind häufiger

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schwangerschaft nach Nierenlebendspende: Gestationshypertonus und Präeklampsie sind häufiger

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Risiken einer Nierenlebendspende werden im Allgemeinen als gering bewertet, wenn Spender oder Spenderin zum Zeitpunkt der Nephrektomie gesund sind. Für bestimmte Subgruppen gibt es aber Wissenslücken, zum Beispiel bei nachfolgender Schwangerschaft. Kurz nach unilateraler Nephrektomie ist die glomeruläre Filtrationsrate um circa 35 % reduziert. Frauen mit ähnlich verminderter Nierenfunktion unterschiedlicher Genese haben ein erhöhtes Präeklampsie-risiko, wenn sie schwanger werden. In einer Kohortenstudie mit 85 Frauen, die nach Nierenspende schwanger geworden waren (131 Schwangerschaften), sind die Risiken für Gestationshypertonus oder Präeklampsie verglichen worden mit denen einer in relevanten Kriterien gematchten Kontrollkohorte der Allgemeinbevölkerung (510 gesunde Nichtspenderinnen mit 788 Schwangerschaften). Primäre Endpunkte waren Hypertonus oder Präeklampsie nach mindestens 20 Schwangerschaftswochen und bis maximal 12 Wochen nach Geburt.

Schwangerschaftshochdruck war mit 11 % vs. 5 % (15/131 Schwangerschaften von Nierenspenderinnen vs. 38/788 Schwangerschaften in der Kontrollkohorte) statistisch signifikant häufiger nach Nierenlebendspende als ohne (Odds Ratio [OR]: 2,4; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,2–5,0; p = 0,01). Die OR betrug 2,5 für Gestationshochdruck und 2,4 für Präeklampsie. In der Subgruppe der Frauen allerdings, die zum Zeitpunkt der Schwangerschaft ≥ 32 Jahre alt waren, war das Risiko nach Nierenspende deutlich erhöht (siehe Tabelle). Bei tödlichen Komplikationen bei Mutter und Kind gab es keine Unterschiede, die meisten Schwangerschaften nach Lebendspende verliefen unkompliziert.

Subgruppenanalysen zur Assoziation zwischen Nierenlebendspende und Risiken für Schwangerschaftshypertonus oder Präeklampsie
Tabelle
Subgruppenanalysen zur Assoziation zwischen Nierenlebendspende und Risiken für Schwangerschaftshypertonus oder Präeklampsie

Fazit: Bei Frauen, die im fruchtbaren Alter eine Niere spenden (29/30–35/36 Jahre in Spender-/ Kontrollkohorte der Studie) ist das Risiko für Präeklampsie und Gestationshochdruck bei nachfolgender Schwangerschaft circa 2,5-fach erhöht. „In diesem Punkt Klarheit zu haben, ist wichtig für die Beratung jüngerer Frauen“, kommentiert Prof. Dr. med. Oliver Witzke vom Universitätsklinikum Essen. „Obwohl die Nierenlebendspende bei fertilen Frauen von ärztlicher Seite kritisch gesehen wird, kommt sie gelegentlich vor, meist zugunsten eines leiblichen Kindes“, so der Nephrologe. „Wir haben am Klinikum ein bis zwei junge Nierenspenderinnen pro Jahr, aber deutlich mehr Anfragen. In Bezug auf Schwangerschaftsrisiken können wir nun besser informieren.“ Durchschnittlich 60 % der Lebendnierenspenden stammten in den letzten 5 Jahren von Frauen, bei ihnen liegt der Anteil der maximal 40-Jährigen zwischen 8 und 11 %.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Garg AX, Nevis IF, McArthur E et al.: Gestational hypertension and preeclampsia in living kidney donors. N Engl J Med 2015; 372: 124-33

Subgruppenanalysen zur Assoziation zwischen Nierenlebendspende und Risiken für Schwangerschaftshypertonus oder Präeklampsie
Tabelle
Subgruppenanalysen zur Assoziation zwischen Nierenlebendspende und Risiken für Schwangerschaftshypertonus oder Präeklampsie

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