ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2015Honorare in der Psychotherapie: Langwierige Berechnungen

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Honorare in der Psychotherapie: Langwierige Berechnungen

PP 14, Ausgabe März 2015, Seite 97

Bühring, Petra

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Den Psychotherapeuten reicht es. Seit Jahren sind sie Schlusslichter in der ärztlichen Einkommensskala: Ihre Praxen erwirtschaften – bei gleichem Arbeitseinsatz – nur knapp mehr als die Hälfte des Überschusses somatischer Praxen. Und das, obwohl das Bundessozialgericht bereits mehrfach klar gestellt hat, dass es Psychotherapeuten bei maximalem Arbeitseinsatz möglich sein muss, so viel zu verdienen wie der Durchschnitt der somatisch tätigen Fachärzte. Ende September vergangenen Jahres gingen mehr als 1 200 Psychotherapeuten in Berlin auf die Straße, um – gemeinsam mit ärztlichen Verbänden der Psych-Fächer – für gerechte Honorare zu demonstrieren. Geschehen ist seitdem nichts.

Man hätte erwarten können, dass der Bewertungsausschuss inzwischen seinen Beschluss vom 18. Dezember 2013 umsetzt: Das paritätisch von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband besetzte Gremium hatte beschlossen, die Angemessenheit der Vergütung psychotherapeutischer Leistungen zum 30. Juni 2014 zu überprüfen. Denn trotz der diversen höchstrichterlichen Entscheidungen habe seit 2009 keine Überprüfung mehr stattgefunden, kritisieren die Psychotherapeuten.

Drei Verbände wollen die Verzögerungen nicht länger hinnehmen und machen jetzt erneut Druck. Der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp), die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) und die Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (VAKJP) haben eigene Berechnungen vorgenommen: Die Bewertung einer genehmigungspflichtigen psychotherapeutischen Leistung sei beispielsweise im Jahr 2012 um sechs Euro zu niedrig gewesen, das entspreche rund 5 000 Euro pro Praxis für das Jahr. Dies ließe sich hochrechnen auf die Jahre seit 2009, wobei eine mögliche Nachzahlung nur an etwa die Hälfte aller Psychotherapeuten geleistet werden müsste, nämlich an die, die Widerspruch gegen ihre Honorarbescheide eingelegt haben. Auf diesen „Spareffekt“ weisen die Verbändevorsitzenden hin.

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Woran hakt es nun im Bewertungsausschuss? Auskunft geben die Trägerorganisationen: Aus der KBV heißt es, die Überprüfung und Neuberechnung der Honorare brauche Zeit. „Das Bundessozialgericht hat sehr umfangreiche Vorgaben gemacht, wie eine angemessene Vergütung zu berechnen ist. Die Materie ist sehr komplex. Dies alles macht es schwierig, ein Verfahren zu entwickeln, das als rechtssicher anerkannt wird“, sagt KBV-Pressesprecher Roland Stahl. Der GKV-Spitzenverband erklärt, dass die notwendigen Daten vom Statistischen Bundesamt nicht „in der benötigten Tiefe“ zur Verfügung stünden, weshalb das Institut des Bewertungsausschusses die Berechnungen im vergangenen Jahr nicht habe vornehmen können. Man hoffe aber nun, zeitnah zu einem Ergebnis zu gelangen. Offen sei indes, „ob es zu einer Nachzahlung oder zu einer Absenkung und damit Rückzahlungsforderung von Honoraren kommen wird“, so Pressesprecherin Ann Marini. Letzteres Drohszenario lässt erstaunen. Es sollte die Betroffenen jedoch nicht davon abhalten, weiter für Honorargerechtigkeit zu kämpfen.

Ein wenig Geschwindigkeit in die Überprüfung der Angemessenheit der Honorare bringen, kann nun auch die Aufforderung des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­iums, der Bewertungsausschuss möge bis zum 23. März einen zeitlichen Rahmen benennen, in dem ein Beschluss erfolgen wird. Dem vorausgegangen war eine Aufsichtsbeschwerde des bvvp.

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Roland.Hartmann
am Montag, 16. März 2015, 15:18

"Zeitlicher Rahmen?"

Welcher "zeitliche Rahmen" darf es denn diesmal sein? Am 18.12.2013 wurde ja schon einmal ein zeitlicher Rahmen genannt: "bis spätestens Mitte 2014". Man kann nur hoffen, dass das BMG weiter am Ball bleibt, sollte der Bewertungsausschuss erneut nicht reagieren.

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