ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2015Postpartale Depression: Psychotherapien mit dyadischen Ansätzen

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Postpartale Depression: Psychotherapien mit dyadischen Ansätzen

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Jede fünfte Mutter verfällt nach der Geburt in eine Depression. Somit ist die Kindbettdepression die häufigste nachgeburtliche Komplikation überhaupt. Um ihr vorzubeugen gibt es eine Vielzahl an Methoden. Amerikanische Verhaltensmediziner um Elizabeth Werner vom Columbia University Medical Center in New York (USA) haben 45 einschlägige Untersuchungen ausgewertet und festgestellt, dass pharmakologische und psychotherapeutische Interventionen nur bedingt zur Prävention postpartaler Depressionen beitragen: Etwa die Hälfte zeigte eine Wirkung, die andere Hälfte blieb hingegen wirkungslos. Hinsichtlich pharmakologischer Methoden erwiesen sich Antidepressiva als wirksam. Im Hinblick auf psychotherapeutische Präventionsansätze fanden die Autoren heraus, dass Einzelsitzungen besser wirkten als Gruppensitzungen. Sie stellten außerdem fest: „Es gibt nicht einen Ansatz, der anderen Ansätzen klar überlegen wäre.“ Einzig die interpersonelle Psychotherapie, deren Wirksamkeit bei Depressionen und Kindbettdepressionen belegt ist, erschien Werner und Kollegen als vielversprechender Ansatz, der in Zukunft häufiger Anwendung finden sollte. Darüber hinaus empfehlen die Autoren Psychotherapien mit einem dyadischen Ansatz, der nicht nur die Mutter, sondern auch das Kind und deren Interaktion einbezieht. Denn das Verhalten und das Temperament des Kindes tragen viel zur Auslösung und Aufrechterhaltung postpartaler Depressionen bei. So können Interventionen, die beispielsweise auf einen ruhigeren Schlaf und weniger Schreien des Kindes abzielen, sehr hilfreich sein. Dyadische Ansätze ermöglichen es nach Meinung der Autoren mehr als andere Ansätze, Kindbettdepressionen vorzubeugen und eine stabile Mutter-Kind-Beziehungen aufzubauen. ms

Werner E, Miller M, Osborne L, Kuzava S, Monk C: Preventing postpartum depression. Archives of Women’s Mental Health 2015; 18(1): 41–60.

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