ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2015Kinder psychisch kranker Eltern: Passende Worte und bildliche Symbole

BÜCHER

Kinder psychisch kranker Eltern: Passende Worte und bildliche Symbole

Schepker, Renate

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern geraten immer noch viel zu selten in den Fokus der Betrachtung und der Versorgung. So ist zu begrüßen, dass dieser Band weit mehr geworden ist als eine Anleitung für die Durchführung von Gruppensitzungen, sondern auch fundierte Hinweise zum Kontext liefert. Er gibt zu Beginn einen fundierten Überblick über die Lebenssituation und Epidemiologie und liefert mit den Risiko- und Schutzfaktoren auch Hinweise für eine Einschätzung, welche Kinder besonders gefährdet sein können, unter dem Risiko eines psychisch kranken Elternteils selbst symptomatisch zu werden. Ebenfalls atypisch für ein Manual ist eine genaue Beschreibung der Rahmenbedingungen für die Durchführung der Gruppen, vom Informationsgespräch und dem Gewinnen der Eltern bis zur räumlichen und materiellen Ausstattung sowie der notwendigen regionalen Vernetzung für eventuell erforderliche weitere Hilfen. Dadurch können auch therapeutisch nicht versierte Mitarbeiter in der Durchführung mehr Sicherheit erlangen. Sympathisch ist, dass keiner der gegebenen Hinweise ohne Begründung erfolgt.

Die 16 vorgestellten Module sind auf der Grundlage reicher Erfahrungen mit den Betroffenen entstanden und beinhalten als obligates Modul eins und zwei das vorbereitende Familiengespräch und die Kennenlernstunde der Gruppe, berühren dann gleich psychoedukative Themen, Affektwahrnehmung, Kommunikation, Ressourcenstärkung und mögliche Lösungen für typische Problemkonstellationen. Alle Module sind mit Materialangeboten angereichert, die taugliche Kopiervorlagen darstellen und jeweils den Quellennachweis beinhalten, besonders hilfreich zum Beispiel Mimikkarten für die Verbesserung der Affektwahrnehmung, die lobenswerterweise interkulturell gestaltet sind. Diese sind im unkompliziert zugänglichen Downloadbereich auch farbig erhältlich. Aspekte zu erforderlichen Modifikationen für Jugendliche und Hinweise für die parallele Durchführung der wichtigen Elterngruppen sowie zur rechtssicheren Dokumentation runden das Bild ab.

Anzeige

Auch Probleme in der Durchführung werden angesprochen, so dass es sich auch für mit solchen Gruppen erfahrene Ärzte, Pädagogen und Psychologen lohnt, den Band zurate zu ziehen, und der Anfänger sich gut angeleitet fühlen wird.

Mit diesem Band liegt eine theoretisch fundierte, extern evaluierte Bereicherung des Repertoires von Hilfen für Kinder psychisch kranker Eltern vor. Er ist zum Beispiel für sozialpsychiatrische Praxen, Beratungsstellen, Medizinische Versorgungszentren und Ambulanzen bestens geeignet und verleiht den schwer vermittelbaren Inhalten gegenüber Kindern und Jugendlichen passende Worte und bildliche Symbole. Renate Schepker

Ulrike M. E. Schulze, Katrin Kliegl, Christine Mauser, Marianne Rapp, Marc Allroggen, Jörg M. Fegert: Echt stark! Ein Manual für die Arbeit mit Kindern psychisch kranker und suchtkranker Eltern. Springer, Berlin 2014, 173 Seiten, kartoniert, 39,99 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote