ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2015Analytisches Hören: Zurückbesinnung auf die elementare Methode

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Analytisches Hören: Zurückbesinnung auf die elementare Methode

Barley, Ingrid

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In der Psychotherapie gibt es viele verschiedene Zugangswege, die zum tieferen Verstehen der inneren Welt des Patienten führen. Seit Sigmund Freud haben sich verschiedenartige Therapiemodelle (weiter-)entwickelt, was sich in einer Fülle kaum übersehbarer Literatur widerspiegelt. Die 19 Autoren (überwiegend Lehranalytiker) wollen sich wieder auf die „elementare Methode der Psychoanalyse“ zurückbesinnen, damit der Patient die Gelegenheit findet, scheinbar Unsagbares auszusprechen und Unbewusstes hörbar zu machen. Das Buch beschäftigt sich also nicht mit dem aktiven Sprechen des Analytikers und seinen Deutungen, sondern mit dem analytischen Hören. Dieses Thema sei in der psychoanalytischen Literatur bisher als Stiefkind behandelt worden.

Schon das erste Wort des Buchtitels lässt den Leser aufhorchen: „Unerhört“. Wie ein Kippbild nehmen wir zwei unterschiedliche Bedeutungen wahr: Erstens, man wird nicht gehört, bekommt keine Antwort und keine Reaktion. Zweitens versehen wir „unerhört“ mit einem Ausrufezeichen, so weist dieser Begriff auf einen Affekt von Empörung, Missbilligung und Zurechtweisung hin. Diese doppelte Bedeutung liegt auch dem Kapitel „Unerhörter Suizid“ zugrunde, eines der eindrucksvollsten und interessantesten Texte dieses Buches.

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Ein weiteres Kapitel beleuchtet Menschen, die Angst haben, „sich durch Worte berühren zu lassen“. In Fallvignetten wird beschrieben, wie diese Patienten eine Lösung ihrer emotionalen Einsamkeit mit Hilfe der Musik oder durch eine fremde Sprache finden.

Die fünf großen Themenbereiche des Buches lauten „Kultur des Hörens“, „Hören auf das Zuhören“, „Hören und Zuhören verstehen“, „Hören im analytischen Prozess“ und „Hören in Forschung und Supervision“. Den Autoren gelang eine umfassende und differenzierte Übersicht über die Komplexität und Intensität dieser Themen. Ingrid Barley

Irene Bozetti, Ingo Focke, Inge Hahn (Hrsg.): Unerhört – Vom Hören und Verstehen. Klett-Cotta, Stuttgart 2014, 285 Seiten, gebunden, 39,95 Euro

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