ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2015Nationaler Krebsplan – Perspektivwechsel: Patient

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Nationaler Krebsplan – Perspektivwechsel: Patient

Richter-Kuhlmann, Eva

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Wie die Empfehlungen des Nationalen Krebsplans in den nächsten Jahren in die Tat umgesetzt werden können, konkretisiert eine „Roadmap – informierte und partizipative Entscheidungsfindung bis 2020“.

Empathie und Verständnis: Ein Arzt-Patienten-Gespräch darf sich nicht nur auf onkologische Gesichtspunkte beschränken. Foto: picture alliance
Empathie und Verständnis: Ein Arzt-Patienten-Gespräch darf sich nicht nur auf onkologische Gesichtspunkte beschränken. Foto: picture alliance

Sechs Jahre“, heißt das wohl persönlichste Buch der Bestsellerautorin Charlotte Link, in dem sie vom Leben und Sterben ihrer Schwester Franziska erzählt, die 2012 mit 47 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung starb. Stellvertretend für viele Krebspatienten und ihre Angehörigen berichtete Link beim Workshop zum Nationalen Krebsplan „Informierte Entscheidung – Quo vadis?“ am 26. und 27. Februar in Berlin von ihren Erfahrungen während dieser Zeit. Sie erlebte sowohl positive Arzt-Patienten-Gespräche, aber auch verbale Härte und einen Mangel an Empathie bei Ärzten, Pflegenden und anderen im Gesundheitswesen Tätigen.

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„Die Diagnose Krebs ist für Betroffene und ihre Angehörigen ein Schock, die viele überfordert. Gerade in dieser Situation geht es darum, einfühlsam auf Krebskranke und ihre Angehörigen einzugehen, sie durch verständliche Informationen mitzunehmen und in anstehende Entscheidungen einzubinden“, betonte Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatsministerin im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium (BMG) auf dem Workshop, der den Fokus bewusst auf Patienten richtete. „In den letzten Jahren wurde deutlich, dass die Information der Bevölkerung und vor allem der Krebspatienten zu gesundheitlichen Fragen sowie der partizipative Entscheidungsprozess verbessert werden muss.“ Dies erfordere interdisziplinäres Handeln.

Gemeinsame Entscheidung mit dem Patienten essenziell

Dass es sowohl beim gleichberechtigten Umgang mit den Patienten als auch bei der Kooperation der Leistungserbringer untereinander noch Defizite gibt, wurde in vielen Diskussionen deutlich. Dennoch. In den letzten Jahren zeichne sich ein Paradigmenwechsel ab, erläuterte Prof. Dr. med. Eckhard Breitbart,
Zweite Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e. V. (ADP), die den Workshop mit Unterstützung des BMG organisierte. Hauptziel sei nicht mehr eine möglichst hohe Teilnahmerate an Krebsfrüherkennungsuntersuchungen. „Das Ziel einer informierten und partizipativen Entscheidungsfindung wird mittlerweile von vielen Akteuren im Gesundheitswesen sowie von den Patienten höher bewertet“, betonte er. Deshalb müsse zum einen die Qualität der Gesundheitsinformationen für die Menschen gesteigert und das Pro und Kontra von Untersuchungen und Therapien stärker beleuchtet werden, zum anderen aber auch versucht werden, die kommunikativen Kompetenzen von Ärzten und anderen Heilberuflern zu erhöhen.

Ansätze dazu existieren bereits: Zur Stärkung der Bürger- und Patientenorientierung enthält der 2008 vom BMG gemeinsam mit der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren initiierte Nationale Krebsplan eine ganze Reihe von Empfehlungen. Dazu gehören auch die ausgewogene und verständliche Information über Risiken und Nutzen von Krebsfrüherkennungsangeboten, gut zugängliche =Hilfs- und Beratungsangebote für Krebspatienten und ihre Angehörigen sowie eine entsprechende Ausbildung von Ärzten und Medizinischen Fachangestellten.

Jetzt geht es darum, die Empfehlungen auch umzusetzen. Die dazu im Workshop erarbeiteten Vorschläge, die auch die Perspektive der Patienten stärker einbeziehen, sollen in einer „Roadmap – informierte und partizipative Entscheidungsfindung bis 2020“ zusammengefasst werden. „Wir wollen, dass die Bevölkerung und die Leistungserbringer künftig zufriedener mit der onkologischen Versorgung und Krebsfrüherkennung sind“, erklärte Breitbart.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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