ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2015Karotisstenosen: Höhere DRG-Erlöse – höhere Kosten
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. . . Im DÄ 7/2015 sind gleich zwei Beispiele zu finden, bei denen offenbar übersehen wird, dass höheren DRG-Erlösen zwangsläufig höhere Kosten gegenüberstehen. Denn die vom „DRG-Institut“ (InEK) kalkulierten DRG-Preise sind aus dem tatsächlichen finanziellen Aufwand für die jeweiligen Patientengruppen in den an dieser Kalkulation beteiligten Krankenhäusern entstanden.

Deshalb sollte der DRG-Erlös dem Durchschnitt der Kosten für die jeweilige Patientengruppe entsprechen. Natürlich nicht im Einzelfall, sonst wäre es kein Pauschalsystem, aber eben im Mittel.

Wenn unter dem Titel „Eine verpasste Chance“ geschildert wird, dass bei Teilnahme an einer Studie zur Versorgung asymptomatischer Karotisstenosen durch Randomisierung in den konservativen Therapiearm Erlöse für Operationen beziehungseise Interventionen verloren gehen, ist das richtig. Aber auch die OP-Kosten fallen dann nicht an, so dass das Budget auch um Ausgaben gemindert wird. Immerhin ist richtig, dass nicht durchgeführte Eingriffe in der Leistungsstatistik fehlen. Gerade die angesprochenen Universitätskliniken unterliegen aber nicht ausschließlich wirtschaftlichen Zwängen, sondern sind auch der Forschung verpflichtet. Da sollte bekannt sein, wie eine „Leistungsstatistik“ zu bewerten ist.

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Im Leserbrief „Pädiatrischen Sicherstellungszuschlag einführen“ schreibt dann ein Chefarzt einer Kinderklinik, dass man mit Neugeborenen unter einem Geburtsgewicht von 800 Gramm ungefähr 120 000 Euro erwirtschaften kann. Unter „erwirtschaftet“ wird meist ein Gewinn verstanden – sicher ist dem Chefarzt klar, dass der DRG-Erlös nicht den Gewinn darstellt, und zweifellos ist auch bekannt, dass die Frühgeborenenversorgung immens teuer ist. Ist auch bekannt, dass selbstverständlich auch diese DRG die Durchschnittskosten der Versorgung widerspiegelt?

Selbstverständlich kann man mit DRG-Pauschalen trotzdem Gewinne machen. Manche Methoden sehe ich aber als unlauter an: Zum Beispiel könnte man Personal schlechter bezahlen als in der Kalkulation vorgesehen oder gleich mit weniger Personal arbeiten. Auch kann man theoretisch herauszufinden versuchen, welche Patienten einer DRG-Gruppe unterdurchschnittlich teuer sind und nur diese aufnehmen. Das verlangt aber nicht nur sehr tief gehende DRG-Kenntnisse, sondern auch Möglichkeiten, Patienten gezielt aufzunehmen und abzuweisen. Diese Möglichkeiten sind schon im Allgemeinen zum Glück sehr begrenzt und in der Perinatalmedizin ist man vor solchen Überlegungen sicher. Zweifel daran werden spätestens durch die rigiden Strukturvorgaben der Qualitätssicherung beseitigt, auch wenn diese aus ganz anderen Gründen – Fachkräftemangel! – Probleme verursachen.

Dass sich Kinderkliniken und Krankenhäuser um Frühgeborene kümmern, ist meines Erachtens ohnehin anders motiviert: nämlich vom Anspruch einer umfassenden Versorgung, vielleicht angelehnt an das Motto der Seenotrettung „Wir können das – Wir machen das!“

Dr. med. Dietrich Tamm, Medizin-Controlling, Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein gGmbH, Kemperhof Koblenz – St. Elisabeth Mayen; 56073 Koblenz

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Dr. Sascha Baller
am Freitag, 13. März 2015, 08:42

Erfreuliche Sachkenntnis

Endlich mal ein Kommentar, der von Sachkenntnis geprägt ist! Schade, dass die Medizincontroller nicht mehr Zeit finden gefährliches Halbwissen zu kommentieren und aufzuklären.
Dr. Sascha Baller
www.drg24.de

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