KULTUR

Musiktherapie: Die heilsame Kraft des Singens

Dtsch Arztebl 2015; 112(11): A-486 / B-416 / C-402

Bartholomäus, Elke

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Der Verein „Singende Krankenhäuser e.V.“ setzt auf das gemeinsame Singen in Gesundheitseinrichtungen zur Unterstützung von Heilung und Wohlbefinden

Foto: dpa
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Singen macht Spaß – doch das ist bei Weitem nicht alles, was Singen bewirken kann. Gunter Kreuz, Professor für Systematische Musikwissenschaft an der Universität Oldenburg, fand in seinen Studien mit Chorsängern beispielsweise heraus, dass sich diese nach dem Singen nicht nur subjektiv wohler und entspannter fühlten, sondern wies körperliche Effekte auch objektiv nach: Das aktive Singen führte zu einer vermehrten Ausschüttung des Hormons Oxytocin, einer erhöhten Produktion von Immunglobulin A und einer Verminderung der Konzentration des Stresshormons Cortisol.

Fortbildung und Zertifizierung

Einen nachhaltig positiven Effekt über eine momentane Stimmungsaufhellung hinaus beobachtet auch Frank Otten, Chefarzt der Geriatrie am Gemeinschaftskrankenhaus Bonn. Das Krankenhaus wurde 2014 für sein besonderes musiktherapeutisches Angebot vom gleichnamigen Verein mit dem Titel „Singendes Krankenhaus“ ausgezeichnet.

Der Verein „Singende Krankenhäuser e.V.“ wurde 2009 auf Initiative des Musiktherapeuten Wolfgang Bossinger ins Leben gerufen und ist seither zu einem internationalen Netzwerk mit Partnern in Europa, Asien, Nord- und Südamerika, Südafrika und Kanada gewachsen.

Das Netzwerk setzt sich für die Verbreitung heilsamer und therapeutischer Singangebote in Gesundheitseinrichtungen ein. Außerdem engagiert sich der Verein für die Erforschung der gesundheitsfördernden Wirkungen des Singens. Die erworbenen Erkenntnisse aus Praxis und Forschung fließen in die von „Singende Krankenhäuser e.V.“ konzipierte Fortbildung zum Singleiter ein.

Krankenhäuser, in denen Singen gefördert und therapeutisch angewendet wird, können bei Erfüllung der Zertifizierungsrichtlinien die Auszeichnung „Singendes Krankenhaus“ erhalten.

Singen mit Krebspatienten

Zu den mittlerweile mehr als 20 zertifizierten Krankenhäusern gehört auch die Universitätsklinik Köln. Dort koordiniert der Musiktherapeut, zertifizierte Singleiter und Erste Vorsitzende von „Singende Krankenhäuser e.V.“, Norbert Hermanns, das musiktherapeutische Angebot für Krebspatienten.

Einmal wöchentlich trifft sich die für Patienten, ihre Angehörigen und das Klinikpersonal offene Singgruppe. Alle Lieder sind leicht ohne Noten zu erlernen, so dass ein Einstieg jederzeit möglich ist. Im Zentrum steht die Freude am Singen. Dabei werden der Atem automatisch vertieft und die Haltung verbessert. In der Begegnung mit anderen können die Patienten sich selbst und ihren Körper neu erfahren und Kraft schöpfen. Auch Ängste und Schmerzen bei Krebspatienten können durch musiktherapeutische Interventionen gelindert werden, wie ein Cochrane Review von 2011 gezeigt hat.

Aus den Berichten der Patienten geht hervor, dass das gemeinsame Singen für sie von zentraler Bedeutung ist. Es helfe dabei „das Wissen um die Krankheit, die Erinnerung an das Leid der Vergangenheit und die Sorgen um die Zukunft zu vergessen“. Für eine andere Krebspatientin ist das therapeutische Singen „das, was ich am meisten mit nach Hause nehme“.

Elke Bartholomäus

Jahreskonferenz

Vom 16. bis 18. April findet im DJH City-Hostel in Köln-Riehl die 4. Internationale Jahreskonferenz des Vereins „Singende Krankenhäuser e.V.“ statt. Diesjähriges Schwerpunktthema ist die Resilienzstärkung: „Vom Singen zum Sein: Resilienz – wie Singen uns stärkt“.

Informationsbroschüre und Anmeldeformular zum Download:

www.singende-krankenhaeuser.de/downloads/flyer-sikra-jahreskonferenz-2015-web.pdf

Weitere Informationen zu „Singende Krankenhäuser e.V.“ unter: www.singende-krankenhaeuser.de oder über: Vera Kimmig, Becker-Göring-Straße 30, 76307 Karlsbad, vera.kimmig@singende-krankenhaeuser.de, Tel.: 07248 926426

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