szmtag Muskelinvasives Blasenkarzinom: Zur radikalen Zystektomie gibt es Alternativen
ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2015Muskelinvasives Blasenkarzinom: Zur radikalen Zystektomie gibt es Alternativen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Muskelinvasives Blasenkarzinom: Zur radikalen Zystektomie gibt es Alternativen

Gulden, Josef

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die radikale Zystektomie ist der Standard beim nicht metastasierten, muskelinvasiven Blasenkarzinom, aber eine Strahlentherapie mit begleitender, radiosensibilisierender Chemotherapie ermöglicht ausgewählten Patienten ebenfalls ein langes krankheitsfreies Überleben – mit weitgehend intakter Blase. Die radikale Operation bleibt dabei die Option für eine möglicherweise erforderliche Salvagetherapie. Das zeigt eine gepoolte Analyse von sechs Phase-II- und Phase-III-Studien mit insgesamt 468 Patienten, die die US-amerikanische Radiation Therapy Oncology Group (RTOG) vorlegt.

Krankheitsspezifisches Überleben (DSS) und Überleben mit intakter Blase (BIDFS) bei muskelinvasivem Blasenkarzinom
Grafik
Krankheitsspezifisches Überleben (DSS) und Überleben mit intakter Blase (BIDFS) bei muskelinvasivem Blasenkarzinom

Die Patienten waren median 66 Jahre alt, 61 % hatten klinisch einen cT2-, 35 % einen cT3-, der Rest einen cT4a-Tumor; Patienten mit positiven Lymphknoten oder Fernmetastasen waren ausgeschlossen. In den methodisch divergierenden Phase-II/III-Studien wurde die transurethrale Tumorresektion (TURB) mit verschiedenen Chemotherapieschemata und unterschiedlichen Bestrahlungsplänen kombiniert. Die Komplettremissionsrate betrug nach dieser multimodalen Therapie über alle Studien 69 %. Nach 5 Jahren waren noch 57 % der Patienten am Leben, nach zehn Jahren 36 %. Für das krankheitsspezifische Überleben lagen die entsprechenden Werte bei 71 % und 65 %. Muskelinvasive Lokalrezidive waren nach 5 Jahren bei 13 %, nach 10 Jahren bei 14 % aufgetreten, nicht muskelinvasive Lokalrezidive bei 31 % beziehungsweise 36 %. Die Fernmetastasierungsrate lag nach 5 und 10 Jahren bei 31 % und 35 %.

Fazit: Das krankheitsfreie Langzeitüberleben von Patienten nach multimodaler Radiotherapie ist bei ähnlicher Stadienverteilung vergleichbar den neueren Studien nach primärer, radikaler Zystektomie. Problematisch bleibt nach Ansicht von Prof. Dr. med. Jürgen Gschwend, München, die hohe Rate an lokalen Rezidiven, die über 5 und 10 Jahre bei insgesamt 44 % und 50 % lag – Fernmetastasen lassen sich auch mit Operation nicht vermeiden. Dies bedeutet für Patienten eine engmaschige, lebenslange Kontrolle des Risikoorgans Harnblase mit der damit verbundenen Morbidität (regelmäßige Zystoskopien, gegebenenfalls Biopsien in Narkose) und entsprechend hohen Kosten. Problematisch ist auch das relative hohe Risiko des klinischen Under-stagings für den Lymphknotenbefall von etwa 30 %. Dennoch bleibt die multimodale, organerhaltende Therapie, also maximale TURB gefolgt von kombinierter Radiochemotherapie, eine mögliche Alternative zur primären Zystektomie, vor allem für ausgewählte ältere Patienten mit Kontraindikationen gegen eine Operation oder solche, denen trotz der möglichen Nachteile sehr viel am Blasenerhalt liegt. Dieses Vorgehen wurde nun auch von der European Association of Urology als mögliche Option in die Leitlinie aufgenommen. Dies ist nach Angaben von Gschwend auch für die deutsche S3-Leitlinie geplant. Josef Gulden

Mak RH, et al.: Long-term outcomes in patients with muscle-invasive bladder cancer after selective bladder-preserving combined-modality therapy: A pooled analysis of Radiation Therapy Oncology Group protocols 8802, 8903, 9506, 9706, 9906, and 0233. J Clin Oncol 2014; 32: 3801–9.

Krankheitsspezifisches Überleben (DSS) und Überleben mit intakter Blase (BIDFS) bei muskelinvasivem Blasenkarzinom
Grafik
Krankheitsspezifisches Überleben (DSS) und Überleben mit intakter Blase (BIDFS) bei muskelinvasivem Blasenkarzinom

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote