ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2015„Global Burden of Disease“-Studie von onkologischem Interesse
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Der prozentuale Anteil der fünf häufigsten Risikofaktoren, die quantifiziert am stärksten zur gesundheitlichen Krankheitslast insgesamt beitragen, ist von hohem onkologischen Interesse für Frauen. Denn alle fünf Faktoren sind assoziiert mit deutlich erhöhtem Brustkrebsrisiko: hoher Body-mass-Index – oft mit riskanter Ernährung assoziiert – metabolische Probleme wie Diabetes mit Gefäßschäden und damit Hochdruck-Entwicklung, Bewegungsmangel und Rauchen.

All diese Risiken für Brustkrebs wären durch Lebensstiländerung reduzierbar (exemplarisch BMI über 30 als beraterische Herausforderung). Bei adipösen postmenopausalen Frauen bewirken hohe Östrogenwerte (aus Testosteron via Aromatase in großen Fettdepots metabolisiert) ein 12-fach höheres Brustkrebsrisiko (1). Dieses Risiko kann das Mammographie-Screening mit dem Ziel weniger Todesfälle durch Brustkrebs nicht „kompensieren“.

Bei BRCA-Mutationsträgerinnen und damit hohem Brustkrebsrisiko bedeutet bereits ein BMI ab 25 ein um den Faktor 1, 5 höheres Risiko (2).

Der von den Autoren der Global Burden-Studie ermittelte fünfthäufigste Risikofaktor „Bewegungsmangel“ lässt sich bei BRCA-Trägerinnen mit 45 Jahren quantifizieren: Bis dahin erkranken an Brustkrebs 63 % der inaktiven und 43 % der körperlich aktiven Frauen (2). Selbst bei an Brustkrebs erkrankten Frauen lohnt es diese 5 so gravierenden Gesundheitsrisiken anzugehen. Damit lassen sich Rezidiv- und Metastasenrisiko bis um die Hälfte reduzieren.

Fazit: Vermeiden von Adipositasentwicklung und mehr körperliche Aktivität als häufige sowie effiziente nichtgenetische Risiko-Modifier bestätigen die Daten der Studie eindrücklich. Das sollte die Diskussion um präventive Beratung in Richtung weniger riskantem Lebensstil anregen.

So wäre der häufigste Krebs bei Frauen sicher reduzierbar, abgesehen von vielen anderen internistischen Erkrankungen.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0211b

Prof. Dr. med. J. Matthias Wenderlein

Universität Ulm 

wenderlein@gmx.de

1.
Key TJ: Endogenous oestrogens and breast cancer risk in premenopausal and postmenopausal women. Steroids 2011; 76: 812–15 CrossRef MEDLINE
2.
Manders P, Pijpe A, Hooning MJ, et al.: Body weight and risk of breast cancer in BRCA1/2 mutation carriers. Breast Cancer Res Treat 2011; 126: 193–202 CrossRef
3.
Plass D, Vos T, Hornberg C, Scheidt-Nave C, Zeeb H, Krämer A: Trends in disease burden in Germany—results, implications and limitations of the Global Burden of Disease Study. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 629–38 VOLLTEXT MEDLINE
1.Key TJ: Endogenous oestrogens and breast cancer risk in premenopausal and postmenopausal women. Steroids 2011; 76: 812–15 CrossRef MEDLINE
2.Manders P, Pijpe A, Hooning MJ, et al.: Body weight and risk of breast cancer in BRCA1/2 mutation carriers. Breast Cancer Res Treat 2011; 126: 193–202 CrossRef
3.Plass D, Vos T, Hornberg C, Scheidt-Nave C, Zeeb H, Krämer A: Trends in disease burden in Germany—results, implications and limitations of the Global Burden of Disease Study. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 629–38 VOLLTEXT MEDLINE

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