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In unseren systematischen Literatur-Review mit Meta-Analyse zur Länge des Impfschutzes nach HPV-Impfung wurden Ergebnisse aus randomisierten klinischen Studien eingeschlossen. Die Studien und die Ergebnisbewertung nach GRADE wurden möglichst transparent dargestellt.

Unsere Arbeit stellt keine generelle Risiko-Nutzen-Bewertung der HPV-Impfung dar, auch wenn dies vom Verfasser des ersten Leserbriefs fälschlicherweise so interpretiert wurde. Ebenso wenig waren die Bewertung der Infektionswahrscheinlichkeit in Abhängigkeit von möglichen Risiko- oder Schutzfaktoren oder mögliche unerwünschte Impfwirkungen (UAWs) Ziel der Arbeit. Aus diesem Grund wurde im Rahmen der Publikation auch nicht auf die Frage des Schutzes durch Kondome beziehungsweise den Einfluss des Rauchens eingegangen. Wie in unserer Arbeit erwähnt, wurden zu UAWs bereits systematische Literatur-Reviews publiziert. Im ersten Leserbrief wurden darüber hinaus zahlreiche Behauptungen aufgestellt, ohne diese mit wissenschaftlichen Quellen zu belegen. Dies schließt beispielsweise die Aussage ein, die Primärstudien seien unethisch gewesen, da die Teilnehmerinnen nicht auf den Schutz durch Kondome hingewiesen worden wären. In den Primärstudien wurde die Frage der Wirksamkeit der Impfung unter den von den Teilnehmerinnen genutzten Verhütungsmethoden untersucht. Alle Studien verfügten über ein positives Votum einer Ethikkommission. Inwieweit konsequenter Kondomgebrauch das Entstehen persistierender Infektionen mit Hochrisiko-HPV-Typen tatsächlich verhindern kann, sollte Gegenstand weiterer Studien sein.

Im zweiten Leserbrief wird nachgefragt, warum nicht ausschließlich höhergradige CIN-Läsionen unabhängig vom HPV-Typ ausgewertet wurden. Auch wir sind der Meinung, dass höhergradige CIN-Läsionen unabhängig vom HPV-Typ einem wichtigen Endpunkt entsprechen. Deshalb wurden diese Daten, sofern verfügbar, genutzt und dargestellt. Nur wenn diese Daten aus den Publikationen nicht extrahierbar waren, wurden zusätzlich Ergebnisse zu Läsionen abhängig vom HPV-Typ in einer separaten Gruppe eingeschlossen. Vergleicht man die publizierten Daten zur Wirksamkeit unabhängig vom HPV-Typ der im Leserbrief erwähnten Arbeit (1) mit denjenigen aus der Langzeitnachbeobachtung (2) zum selben Endpunkt, so lässt sich weiterhin schlussfolgern, dass kein Hinweis auf ein Nachlassen der Schutzwirkung vorliegt. Wie in unserer Arbeit dargestellt, ist die Evidenzqualität für die Langzeitnachbeobachtung jedoch niedrig bis sehr niedrig.

Der Darstellung im letzten Absatz des zweiten Leserbriefs müssen wir ebenfalls widersprechen. Die Analyse des Endpunktes „persistierende Infektionen“ ist keineswegs fehlerhaft. In der Veröffentlichung (3) werden in Tabelle 2 als Endpunkte „infection and disease“ angegeben. Unter dieser Überschrift erscheinen getrennt Daten zu „infection“ und „disease“, letztere wiederum getrennt nach „CIN I–III“ beziehungsweise „condyloma“. Dies wird durch Daten zu „endpoints by HPV type“ ergänzt. Aus dem letztgenannten Tabellenteil wurden die Daten für unsere Analyse extrahiert, wobei der Abgleich mit dem oberen Tabellenteil zeigte, dass sich diese fast ausschließlich auf Infektionen bezogen. Dieses Beispiel illustriert anschaulich, dass die eingeschlossenen Originalarbeiten eine Reihe von Problemen hinsichtlich der Datendarstellung aufweisen. Das Suchen von verwertbaren Daten im Rahmen einer systematischen Literaturübersicht ist zeitaufwendig und bedarf besonderer Sorgfalt. Gemäß internationalen Standards sollten mindestens zwei unabhängige Untersucher die Literatursuche und Datenextraktion durchführen, was in unserer Analyse erfolgte.

DOI: 10.3238/arztebl.2015.0210

Dr. med. Thomas Harder

Robert Koch-Institut, Berlin

hardert@rki.de

Dr. med. Yvonne Deleré

Allgemeinmedizinische Praxis Löser/Kaden, Berlin

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Munoz N, Kjaer SK, Sigurdsson K, et al.: Impact of human papillomavirus (HPV)-6/11/16/18 vaccine on all HPV-associated genital diseases in young women. J Natl Cancer Inst 2010; 102: 325–39 CrossRef CrossRef MEDLINE
2.
De Carvalho N, Teixeira J, Roteli-Martins CM, Naud P, De Borba P, Zahaf T, et al.: Sustained efficacy and immunogenicity of the HPV-16/18 AS04-adjuvanted vaccine up to 7.3 years in young adult women. Vaccine 2010; 28: 6247–55 CrossRef MEDLINE
3.
Villa LL, Costa RL, Petta CA, et al.: High sustained efficacy of a prophylactic quadrivalent human papillomavirus types 6/11/16/18 L1 virus-like particle vaccine through 5 years of follow-up. Br J Cancer 2006; 95: 1459–66 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Deleré Y, Wichmann O, Klug SJ, et al.: The efficacy and duration of vaccine protection against human papillomavirus—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 584–91 VOLLTEXT
1.Munoz N, Kjaer SK, Sigurdsson K, et al.: Impact of human papillomavirus (HPV)-6/11/16/18 vaccine on all HPV-associated genital diseases in young women. J Natl Cancer Inst 2010; 102: 325–39 CrossRef CrossRef MEDLINE
2.De Carvalho N, Teixeira J, Roteli-Martins CM, Naud P, De Borba P, Zahaf T, et al.: Sustained efficacy and immunogenicity of the HPV-16/18 AS04-adjuvanted vaccine up to 7.3 years in young adult women. Vaccine 2010; 28: 6247–55 CrossRef MEDLINE
3.Villa LL, Costa RL, Petta CA, et al.: High sustained efficacy of a prophylactic quadrivalent human papillomavirus types 6/11/16/18 L1 virus-like particle vaccine through 5 years of follow-up. Br J Cancer 2006; 95: 1459–66 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Deleré Y, Wichmann O, Klug SJ, et al.: The efficacy and duration of vaccine protection against human papillomavirus—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 584–91 VOLLTEXT

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