ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2015Nächtliche Atemstillstände: Asthma bronchiale ist ein Risikofaktor für Schlafapnoe

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Nächtliche Atemstillstände: Asthma bronchiale ist ein Risikofaktor für Schlafapnoe

Vetter, Christine

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Zusammenhang zwischen Asthma und obstruktiver Schlafapnoe (OSA) ist in einer großen prospektiven Kohortenstudie untersucht worden. Dabei wurden 547 Teilnehmer ohne Schlafapnoe (Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI: < 5/h) im 4-Jahres-Intervall polysomnographiert. 81 Teilnehmer waren Asthmatiker. Von ihnen bekamen 22 (27 %; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 17–37 %) im ersten 4-Jahres-Intervall eine OSA (AHI ≥ 5/h) oder sie erhielten eine CPAP-Behandlung oder entwickelten Tagesmüdigkeit. Diese Kriterien erfüllten von den 466 Teilnehmern ohne Asthma nur 75 (16 %; 95-%-KI: 13–19 %; p = 0,02). Im gesamten Untersuchungszeitraum bildeten 45 Asthmatiker während insgesamt 167 4-Jahres-Intervallen eine OSA aus (27 %; 95-%-KI: 20–34 %) im Vergleich zu 160 Nicht-Asthmatikern im Verlauf von 938 4-Jahres-Intervallen (17 %; 95-%-KI: 15–19 %; p = 0,007).

Das relative Risiko (RR), als Asthmatiker eine OSA zu entwickeln, liegt bei 1,39 (95-%-KI: 1,06–1,82), unabhängig von Alter, Geschlecht, Ausgangs-BMI und BMI-Veränderungen. Ein weiterer Zusammenhang bestand zwischen Asthma bronchiale und dem Neuauftreten einer OSA mit exzessiver Tagesmüdigkeit (RR: 2,72; 95-%-KI: 1,26–5,89, p = 0,045).

Fazit: Die Studie bestätigt frühere Studiendaten, denen zufolge Asthmatiker überproportional häufig eine Schlafapnoe entwickeln. Vermutet wird, dass die chronische Inflammation des Bronchialbaums auch den supraglottischen Atemweg, also den Schlund betrifft, dessen inspiratorischer Kollaps die eigentliche Ursache der Schlafapnoe darstellt. Allerdings könnte auch die Asthma-typische Therapie mit inhalativen Kortikosteroiden die Kollaps-Neigung steigern. Für den klinischen Alltag bedeutet dies, dass bei Asthmatikern verstärkt auf Symptome der Schlafapnoe wie Schnarchen, Atempausen im Schlaf (Nachfragen bei Bettpartner/-in) und gesteigerte Tagesmüdigkeit zu achten ist. Bei Hinweisen auf eine Apnoe sollte eine Polygrafie zur Abklärung erfolgen, rät Dr. med.Thomas Hering, niedergelassener Pneumologe in Berlin. Christine Vetter

Teodorescu M, et al.: Association between asthma and risk of developing obstructive sleep apnea. JAMA 2015; 313: 156–64.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen:

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote