ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2015Öko­nomi­sierung: Oberflächlich
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. . . Die Abhandlung dieses wichtigen Themas ist überraschend oberflächlich. Er beginnt mit dem großspurigen Aufmacher „Neoliberalismus“, sodass man schon ahnen konnte, was folgen wird. Nun müssen Ärzte und Arbeitsdirektoren nicht unbedingt wissen, was „Neoliberalismus“ eigentlich bedeutet. Wenn Sie aber nur nachplappern, was andere, nicht minder falsch, dazu geäußert haben, ist das ärgerlich. Wenn dann ohne Weiteres lamentiert wird, dass das Selbstkostendeckungsprinzip aufgegeben und private Trägerschaften ermöglicht wurden, weil die öffentlichen Haushalte „ausgeblutet“ waren, was wiederum damit zu tun gehabt habe, dass der Politik Steuererleichterungen für höhere Einkommen und Unternehmen oder gar die „Schuldenbremse“ wichtiger war als ärztliche „Zuwendung, ein offenes Ohr“ für Patienten, dann reibt man sich schon die Augen.

Selbstredend, dass natürlich auch die DRG verdammt werden. Der Artikel schließt mit sechs Insider-Tipps, wie man das DRG-System gewinnmaximal zulasten der Patienten ausnutzen kann, und mit einer – offensichtlich ebenfalls nachgeplapperten – Klimax: internationale (?) Finanzinteressen und TTIP „bereiten das Feld für die vollständige Privatisierung und Öko­nomi­sierung des deutschen Gesundheitssystems“. Sowohl aus gesundheits- wie auch aus versorgungspolitischen Gründen ist die schwierige Frage der wirtschaftlichen Gestaltung der medizinischen stationären Versorgung zu wichtig, als dass man sie derart seicht behandeln, geschweige denn beantworten kann.

Michael Reinhard, 80801 München

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Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 29. März 2015, 21:48

Jahrzehntelang...

... waren Krankenhäuser über den taggleichen Pflegesatz in der Lage, nach Belieben Umsätze zu generieren und haben das auch reichlich getan. Weil die Politik der Länder und Kommunen unfähig war, nicht notwendige Krankenhäuser zu schließen, wurde poltisch der Weg gewählt, das Überangebot an Krankenhausbetten eben wirtschaftlich zu vermindern - durch einfaches Aushungern.
Das hat nichts mit "Neoliberalismus" zu tun - eher mit der fehlenden Bereitschaft von Politik, erkennbar Verantortung zu übernehmen.
"Wir" möchten die Krankenhäuser doch erhalten, aber der böse böse Markt läßt uns nicht...
Avatar #103960
Rudlof
am Sonntag, 29. März 2015, 16:59

Herr Reinhard ist im Besitz der Wahrheit

Herr Reinhard hat offensichtlich den Wikipediabeitrag zum Neolliberalismus gelesen. Ausser aus dem großen Handbuch des Schwaffelns zu zitieren, kommt bei Ihnen leider nichts Produktives heraus. Sie werfen mit Floskeln um sich, ohne auch nur im geringsten substantielle Kritik zu äußern. Was Sie da schreiben ist oberoberflächlich und armseelig! Nehmen Sie doch mal Stellung zur Kostenexplosion im Gesundheitswesen oder ist Ihnen das zu seicht!

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