ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2015Armut und Kindergesundheit: Defizite in der Entwicklung

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Armut und Kindergesundheit: Defizite in der Entwicklung

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Kinder aus Familien, die von staatlicher Grundsicherung nach SGB II leben, haben sehr viel häufiger Defizite in der körperlichen Entwicklung als Kinder, die in gesicherten Einkommensverhältnissen aufwachsen. Das zeigt eine im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durchgeführte Studie am Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung der Universität Bochum, in der die Daten von 5 000 Schuleingangsuntersuchungen aus den Jahren 2010 bis 2013 ausgewertet wurden.

Aufwachsen im sozialen Brennpunkt: Kinder, die von Armut gefährdet sind, benötigen eine bessere Förderung. Foto: dpa
Aufwachsen im sozialen Brennpunkt: Kinder, die von Armut gefährdet sind, benötigen eine bessere Förderung. Foto: dpa

Während 43,2 Prozent der armutsgefährdeten Kinder mangelhaft Deutsch sprachen, wurde dies nur 14,3 Prozent der nicht-armutsgefährdeten Kinder attestiert. Probleme in der Körperkoordination haben 24,5 Prozent der Kinder aus SGB-II-Familien (übrige: 14,6). Ähnliches gilt für die Visuomotorik, der Koordination von Auge und Hand (25 zu elf Prozent). 29,1 Prozent der armutsgefährdeten Kinder haben Defizite in ihrer selektiven Wahrnehmung (übrige: 17,5), Probleme beim Zählen haben 28 Prozent (übrige: 12,4). Adipös sind 8,8 Prozent der Kinder, die von staatlicher Grundsicherung leben (übrige: 3,7).

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Die Bertelsmann-Stiftung hat vor diesem Hintergrund gemeinsam mit der Landesregierung Nordrhein-Westfalen in 18 Städten und Kreisen das Pilotprojekt „Kein Kind zurücklassen“ gestartet. Ziel ist es, Präventionsketten zu entwickeln, um armutsgefährdete Kinder frühzeitig zu fördern. Dazu gehört, SGB-II-Familien gezielt zu motivieren, ihrem Kind einen Kita-Besuch zu ermöglichen. Außerdem sollen etwa Brennpunkt-Kitas stärker mit sozialen Diensten sowie Sport- und Kulturvereinen im jeweiligen Stadtteil zusammenarbeiten. Zudem sollen kommunale Gelder neu verteilt werden und sich stärker am Bedarf der Kitas und Stadtviertel orientieren. TG

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