ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2015Datenkommunikation: eArztbrief und Labor im Fokus

POLITIK

Datenkommunikation: eArztbrief und Labor im Fokus

Dtsch Arztebl 2015; 112(12): A-503 / B-429 / C-417

Krüger-Brand, Heike E.

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Neben dem elektronischen Arztbrief steht die Einführung einer neuen Schnittstelle für den Labordatentransfer in diesem Jahr weit oben auf der IT-Agenda von KBV und Kassenärztlichen Vereinigungen.

Die elektronische Kommunikation soll den Praxisalltag der Ärzte erleichtern und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit verbessern. Foto: picture alliance
Die elektronische Kommunikation soll den Praxisalltag der Ärzte erleichtern und die Möglichkeiten der Zusammenarbeit verbessern. Foto: picture alliance

Um die Zukunft der elektronischen Kommunikation zwischen Ärzten und von Ärzten insbesondere zu Laboren, aber auch zu anderen Akteuren im Gesundheitswesen ging es beim ersten Partnermeeting der KV Telematik GmbH (KVTG) am 10. März im Haus der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Mehr als 150 Vertreter von Softwareherstellern, Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und der Politik nahmen an der Veranstaltung teil.

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„Ärzte wollen die digitale Kommunikation“, betonte Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV und Gesellschafter der KVTG, zur Begrüßung. „Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, diese so zu gestalten, dass sie den Praxisalltag erleichtert.“ Gassen hob die unerwartet große Resonanz hervor, die der Aufruf Ende Januar nach teilnahmewilligen Praxisnetzen für die Erprobung des elektronischen Arztbriefes (eArztbrief) ausgelöst hat. Seit Anfang März haben sich 81 Arztnetze gemeldet, die daran interessiert sind, bei dem Feldtest mitzumachen. Ziel der Erprobung ist es laut Gassen, dass der eArztbrief über den Kommunikationskanal KV-Connect ab 2016 in der breiten Ärzteschaft etabliert werden kann, weil dann die im E-Health-Gesetz vorgesehene finanzielle Förderung greift.

Laboraufträge und -befunde sollen künftig über eine einzige standardisierte Schnittstelle im Arztsystem mit dem Labor ausgetauscht werden. Foto: Fotolia/Dominique Vernier
Laboraufträge und -befunde sollen künftig über eine einzige standardisierte Schnittstelle im Arztsystem mit dem Labor ausgetauscht werden. Foto: Fotolia/Dominique Vernier

Schnelle und sichere Kommunikation im Netz

„Die Bereitschaft, sich praxissystemübergreifend zu vernetzen, war noch nie so groß wie heute“, betonte der Vorsitzende der Agentur deutscher Ärztenetze, Dr. med. Veit Wambach. Die Agentur ist Kooperationspartner bei dem eArztbrief-Projekt. Wambach verwies darauf, dass fast ein Drittel aller niedergelassenen Ärzte einem Netz angehören. Zu den Zielen der Arztnetze zählten die Vermeidung von Informationsbrüchen an den Schnittstellen zwischen Haus- und Fachärzten sowie zwischen ambulantem und stationärem Bereich. Die Realität in den Netzen sei aber immer noch die Verwendung des unsicheren Fax und der noch unsichereren E-Mail-Kommunikation als Standardwerkzeuge.

„Deswegen halten wir KV-Connect für ein sehr interessantes Modul für Netzärzte“, erklärte Wambach. Es unterstütze die Möglichkeit, überregional und interoperabel zusammenzuarbeiten, ermögliche einen zielgerichteten und schnellen Informationsaustausch und sei in die gewohnte Umgebung des Praxisverwaltungssystems (PVS) integriert. „Für uns ganz wichtig sind hierbei der hohe Verschlüsselungsgrad und der sichere Transportweg über das KV-SafeNet“, unterstrich Wambach.

Ärzte, die an dem bis Ende 2015 laufenden Feldtest teilnehmen, müssen in den ersten zwei Quartalen mindestens zehn eArztbriefe versenden oder empfangen und insgesamt mindestens 50 eArztbriefe austauschen. Je Teilnehmer fließen eine Aufwandsentschädigung von 50 Euro für die Registrierung sowie eine Vergütung von 350 Euro für die vertragsgemäße Beteiligung je Betriebsstätte an das jeweilige Arztnetz, das über die Verteilung der Gelder intern selbst entscheiden kann.

Pro Arztnetz können 15 bis maximal 150 Ärzte an der Erprobung teilnehmen. Sollten tatsächlich alle 81 Netze, die das Starterpaket angefordert haben, zum Zuge kommen, lässt der Gesamtumfang der Fördersumme eine Teilnahme von 15 Ärzten je Netz zu. „Nehmen weniger Netze an dem Feldtest teil, können entsprechend mehr Ärzte gefördert werden“, erläuterte Dr. Florian Fuhrmann, Geschäftsführer der KVTG. Das KBV-Tochterunternehmen arbeitet zusammen mit den Softwarehäusern und den KVen an Spezifikationen für Dienste, die den Ärzten im Rahmen des sicheren Netzes der KVen (SNK) zur Verfügung gestellt werden sollen. Derzeit konzentriere sich das Unternehmen bei den Neuentwicklungen auf die Arzt-zu-Arzt-Kommunikation in Form des elektronischen Arztbriefes und des Labordatentransfers, so Fuhrmann. Außerdem stehe die Umstellung von D2D auf KV-Connect auf dem Programm (Kasten).

Für den eArztbrief via KV-Connect steht seit Herbst 2014 die entsprechende Spezifikation zur Implementierung in die Softwaresysteme bereit. „Der eArztbrief ist bereits in mehreren Softwareprodukten umgesetzt, die einen Großteil des Marktes ausmachen“, betonte Fuhrmann. Weitere Hersteller hätten die Umsetzung in den nächsten Monaten zugesagt. Zur Qualitätssicherung bietet die KVTG hierfür seit Februar 2015 ein kostenfreies Prüfverfahren an. Der erste Anbieter hat das Audit Anfang März bereits erfolgreich absolviert.

Für Praxisverwaltungssysteme, die das KVTG-Audit durchlaufen, ist die qualifizierte elektronische Signatur (QES) Pflicht. Beim Feldtest müssen die versandten eArztbriefe allerdings nicht mit einer QES versehen werden. Daher ist ein elektronischer Heilberufsausweis (oder eine andere Signaturkarte) nicht zwingend erforderlich. Allerdings weist die KVTG darauf hin, dass qualifiziert signierte eArztbriefe eine höhere Rechtssicherheit bieten. Hinzu kommt, dass nach dem Entwurf des E-Health-Gesetzes die Förderung der eArztbriefe daran gebunden ist, dass der postalische Versand beziehungsweise der Papierbrief entfällt. Hierfür wäre jedoch eine qualifizierte elektronische Signatur notwendig. Für die Lan­des­ärz­te­kam­mern als Herausgeber des elektronischen Arztausweises bietet das die große Chance, mit einer sinnvollen, breit nutzbaren Anwendung den signaturfähigen Arztausweis unter den Ärzten zu verbreiten.

Labordaten fließen direkt in die Patientenakte

Ab Ende März wird zudem die neue Labordatenträgerschnittstelle LDT 3.0 in einer Betaversion auf der Website des Qualitätsrings Medizinischer Software (siehe www.qms-standards.de) veröffentlicht. Damit sollen Ärzte künftig ihre Laboraufträge einfach und sicher elektronisch versenden und Befunde empfangen können. Endgültig soll die Schnittstelle im Juni verfügbar sein, bereits ab September plane die KBV die Zertifizierung, kündigte Gilbert Mohr, KVTG, an. Ziel sei es, den neuen Dienst Anfang 2016 im SNK über den Kommunikationsdienst KV-Connect bereitzustellen.

Die wichtigste Besonderheit der neuen Schnittstelle: „Sie ist ein ganzheitlicher Standard“, erläuterte Mohr. Zusätzlich zur strukturierten Auftrags- und Befundkommunikation im Rahmen der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung werden erstmals auch Hausarzt- und Selektivverträge sowie Individuelle Gesundheitsleistungen mitberücksichtigt. Ärzte können mit dem LDT 3.0 ohne Medienbrüche direkt aus dem PVS den Auftrag elektronisch an ein Labor senden. Nachforderungen zum Beispiel werden dem Auftrag automatisch hinzugefügt. Auch die Ergebnisberichte werden über die Schnittstelle übertragen und automatisiert in die Patientenakte integriert.

Zudem ist die Einbindung der QES, etwa für rechtssichere Quittungen und Auftragsbestätigungen, bereits vorbereitet, so dass sich den Experten zufolge neben der Datenqualität auch die Rechtssicherheit in der Labordatenkommunikation erhöhen wird.

Heike E. Krüger-Brand

D2D-Umstellung auf KV-Connect

Deadline steht: Die Migration des Kommunikationsdienstes D2D (Doctor-to-doctor), der vor allem in den KVen Nordrhein, Bayern, Baden-Württemberg, Bremen, Westfalen-Lippe und Rheinland-Pfalz von etwa 10 000 Arztpraxen genutzt wurde, hin auf den neuen Transportweg KV-Connect, soll am 15. Februar 2016 abgeschlossen werden. Das bekräftigte der Leiter des Projekts, Gilbert Mohr. Die Umstellung erfolgt für die Ärzte nicht automatisch, sondern jeder D2D-Nutzer benötigt für die Umstellung eine KV-Connect-Registrierung.

Anwendungen, die unter D2D genutzt wurden, sind vor allem die KV-Abrechnung, DALE-UV (Datenaustausch für Leistungserbringer in der Gesetzlichen Unfallversicherung), eDMP (Disease-Management-Programme), die Koloskopie- und die Dialysedokumentation und das Hautkrebsscreening. Die Spezifikationen für die Umstellung dieser Anwendungen auf KV-Connect werden derzeit sukzessive fertiggestellt und veröffentlicht, so dass die Softwarehäuser ihre Produkte entsprechend anpassen, Audits durchlaufen und ihre Anwender darauf umstellen können.

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