ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2015Raumforderung im Ovar: Krebsverdacht im Ultraschall bestätigt sich selten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Raumforderung im Ovar: Krebsverdacht im Ultraschall bestätigt sich selten

Meyer, Rüdiger

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Komplexe ovarielle Raumforderungen sind ein häufiger Zufallsbefund bei der Ultraschalluntersuchung von Frauen nach der Menopause. Nur selten werden Karzinome festgestellt. Problematisch ist allerdings, dass bei den meisten betroffenen Frauen die Serumwerte des Tumormarkers CA125 nicht erhöht sind und eine Ultraschalluntersuchung ein Malignom nicht sicher ausschließen kann. Viele Gynäkologen empfehlen daher eine vorsorgliche Entfernung des Ovars.

Doch in den meisten Fällen bestätigt sich der Krebsverdacht im Nachhinein nicht. Es stellt sich daher die Frage, ob der vorsorgliche Eingriff mit die Entfernung des Ovars dem Beobachten und Abwarten vorzuziehen ist. Wissenschaftler vom Forschungsinstitut der kalifornischen Krankenkasse Kaiser Permanente in Oakland sind diesem diagnostischen Dilemma, vor dem der behandelnde Gynäkologe bei komplexer Raumforderung im Ovar steht, in einer Auswertung der Krankenkassendaten nachgegangen. Es waren Daten von 1 363 Frauen im Alter über 50 Jahre. Bei diesen Patientinnen wurde eine komplexe ovarielle Raumforderung von weniger als 6 Zentimetern Ausdehnung entdeckt. Der CA125-Wert war jedoch nicht erhöht.

Die Analysen der Krankenakten ergaben, dass in den folgenden Jahren nur bei 18 Frauen ein Ovarialkarzinom oder ein Borderline-Tumor diagnostiziert wurde. Bei Borderline-Tumoren besteht vonseiten der Pathologen Unsicherheit, ob das Gewebe maligne ist. Es wurden 6 maligne Erkrankungen bei jenen 204 Frauen gefunden, die sich sofort nach der Entdeckung der ovariellen Raumforderung einer Operation unterzogen hatten. 12 weitere Malignome traten bei 994 Frauen auf, die sich zu regelmäßigen Ultraschallkontrollen entschieden hatten und von denen 218 operiert wurden. Bei 10 der 12 Malignome war eine Größenzunahme im Ultraschall der Anlass zur Operation. Alle 10 Tumore befanden sich bei der Operation in Stadium I.

Fazit: Die Auswertung von Daten einer großen amerikanischen Krankenkasse weist darauf hin, dass bei im Ultraschall festgestellten Raumforderungen im Ovar eine abwartende „wait and see“-Strategie sinnvoll ist. Insbesondere gilt dies für jene Frauen als angemessen, für die eine Operation mit Risiken verbunden wäre. Es hat sich gezeigt, dass nur bei wenigen Frauen nach dem ersten Befund tatsächlich ein Ovarialkarzinom oder ein Borderline-Tumor diagnostiziert wurde. Sollte jedoch eine maligne Erkrankung in den weiteren Kontrolluntersuchungen festgestellt werden, verspricht ein sofortiger operativer Eingriff eine Heilung. Rüdiger Meyer

Suh-Burgmann E, Hung YY, Kinney W: Outcomes from ultrasound follow-up of small complex adnexal masses in women over 50. Am J Obst et Gynecol 014; 211 623: e1–7.

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