ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2015GOÄ-Ratgeber: Abrechnung der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation

PRIVATABRECHNUNG

GOÄ-Ratgeber: Abrechnung der repetitiven transkraniellen Magnetstimulation

Wetzel, Hermann

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Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) ist ein biophysikalisches Therapieverfahren zur nichtinvasiven Stimulation des (präfrontalen) Kortex durch ein mit Hilfe einer Spule erzeugtes elektromagnetisches Feld. Die rTMS wird bei verschiedenen psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen eingesetzt, vor allem bei depressiven Störungen.

Für die rTMS existiert in der derzeit geltenden GOÄ keine Abrechnungsposition. Zur Analogabrechnung einer rTMS eignet sich die Nr. 828 GOÄ „Messung visuell, akustisch oder somatosensorisch evozierter Hirnpotenziale (VEP, AEP, SSP) (605 Punkte)“. Die Zuordnung zur Nr. 828 GOÄ wurde gewählt, weil diese Gebührenposition hinsichtlich technischer Durchführung, Schwierigkeitsgrad, Zeitaufwand und Kosten der zu bewertenden Leistung der rTMS am nächsten kommt. Für die Messung motorisch evozierter Potenziale mittels transkranieller Magnetstimulation kann ebenfalls die GOÄ-Nr. 828 analog angesetzt werden. In der UV-GOÄ wurde zum 01.06.2013 die Leistungslegende der Nr. 828 um die Messung von magnetisch evozierten Potenzialen ergänzt. Strittig ist die Beurteilung der medizinischen Notwendigkeit der rTMS. Ene Reihe privater Krankenversicherer (PKV) erstatten die Kosten einer rTMS nicht. Grundsätzlich ist die Frage der medizinischen Notwendigkeit einer Behandlung jeweils in Bezug auf das konkrete Erkrankungsbild zu beurteilen. Im Hinblick auf die Anwendung bei depressiven Störungen wurde die rTMS für den deutschen Versorgungskontext in der Nationalen Versorgungsleitlinie „Unipolare Depression“ (2009, aktualisiert 2012, Gültigkeit verlängert bis 31.08.2015) bewertet. Gemäß dieser NVL-S3-Praxis-Leitlinie existiert für die rTMS „noch zu wenig Evidenz, um Empfehlungen für ihre allgemeine klinische Nützlichkeit und Anwendbarkeit aussprechen zu können“ (S. 33 der Kurz- bzw. S. 144 der Langfassung). Auch in weiteren deutschen S3-Leitlinien zu anderen psychischen Erkrankungen wird die therapeutische Wirksamkeit der rTMS nicht als hinreichend gesichert angesehen. Die Empfehlungen aus diesen Behandlungsleitlinien können als Einschätzungen der Schulmedizin zu Indikation und Wirksamkeit der rTMS bei psychischen Störungen angesehen werden. Demnach ist die medizinische Notwendigkeit einer rTMS-Anwendung bei psychischen Erkrankungen nach derzeitigem Erkenntnisstand infrage zu stellen und die rTMS wie eine Verlangensleistung einzustufen.

Vor Anwendung einer rTMS ist der behandelnde Arzt daher gehalten, schriftlich über die Höhe des nach der GOÄ zu berechnenden voraussichtlichen Honorars zu informieren und darauf hinzuweisen, dass die medizinische Notwendigkeit dieser Behandlungsmethode zumindest strittig bewertet und die Leistung unter Umständen von der PKV nicht oder nicht vollständig erstattet wird; gegebenenfalls sollte vor Beginn einer Behandlung die Frage einer Kostenübernahme durch die PKV geklärt werden (zu den wirtschaftlichen Aufklärungspflichten des Arztes siehe § 630c Abs. 3 BGB und § 12 Abs. 4 der [Muster-]Berufsordnung). Gemäß § 12 Abs. 3 GOÄ sind auf der Rechnung Verlangensleistungen als solche zu kennzeichnen. Dr. med. Hermann Wetzel, M. Sc.

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