ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2015Klassenmedizin: Plädoyer für sozial sensible Heilkunst

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Klassenmedizin: Plädoyer für sozial sensible Heilkunst

Dtsch Arztebl 2015; 112(13): A-588 / B-502 / C-490

Kalitzkus, Vera

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Als Hausarzt in einem unterprivilegierten Stadtteil Hamburgs erfuhr Bernd Kalvelage täglich die gesundheitlichen Folgen sozialer Ungleichheit: Armut macht krank. Das liegt nicht an fehlender Einsicht und Fehlverhalten dieser Menschen. Zu schichtspezifischen Schwierigkeiten, wie ein gesundheitlich belastender Arbeitsplätze oder soziale Ausgrenzung, kommt die mangelnde Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Damit ist gemeint, aus eigener Kraft etwas gestalten zu können. Menschen in prekären Lebenssituationen neigen häufig dazu, gesundheitsförderliche Angebote nicht anzunehmen. Der vermeintliche Anspruch des Medizinsystems, Menschen ohne Ansehen ihres sozialen Status zu behandeln, greift daher zu kurz.

Im Gegenteil, gerade hieraus resultieren Versorgungsprobleme von Patienten aus benachteiligten Schichten. Das weist Kalvelage in seinem Buch nach. Er plädiert deshalb für eine „sozial sensible Heilkunst“, welche die Patienten gezielt unterstützt und Versorgungsdefiziten entgegenwirkt. Auch die hierarchische Struktur des Gesundheitswesens und der zunehmende Trend zur Öko­nomi­sierung im medizinischen Handeln verhindere eine adäquate Versorgung aller Bevölkerungsschichten. „Klassenmedizin“ meint eine Medizin, die sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellt. Eine solche Medizin sei „humaner, gerechter und effektiver und damit auch unter gesundheitsökonomischen Aspekten zu fordern und zu fördern“.

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Kalvelages engagiertes Buch ist ein wichtiger Beitrag in der immer dringlicher werdenden Debatte um zunehmende Armut und ihre Folgen. Seine Lektüre fordert heraus, sowohl inhaltlich als auch sprachlich. Wer sich aber darauf einlässt, wird eine Fülle an Hintergrundinformationen sowie Hinweisen zur Umsetzung in der ärztlichen Praxis finden, um den Folgen gesellschaftlicher Benachteiligung entgegenzuwirken. Vera Kalitzkus

Bernd Kalvelage: Klassenmedizin. Springer, Berlin 2014, 218 Seiten, kartoniert, 34,99 Euro

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